Forschende entdecken Methanaustritte in der Deutschen Buch

Pockmarkfelder vor Helgoland

Innerhalb weniger Monate sind auf dem Grund vor der Nordseeinsel Helgoland tausende Krater am Meeresboden entstanden. Aus dem Meeresboden ist Gas entwichen, das Sand aufwirbelt und daraus die Kraterhügel hat entstehen lassen. Es ist das erste Mal, dass im Gebiet Helgoland-Riff die Spuren von massiven Methanausbrüchen beobachtet wurden. Ihre Studie haben Wissenschaftler unter Federführung von Knut Krämer vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen jetzt im Fachblatt Scientific Reports veröffentlicht.
„Wir waren überrascht, als wir plötzlich eine Kraterlandschaft gesehen haben, wo sonst nur ebene Sandfläche war“, sagt Knut Krämer, Erstautor des Artikels und Doktorand am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen. Die Studie zeigt anhand genauer Vermessungen eine einschneidende Entwicklung im Gebiet „Helgoland-Riff“, etwa 45 Kilometer nordwestlich von Helgoland: In den vergangenen Jahren bis Juli 2015 fand man hier einen überwiegend flachen Meeresboden ohne besondere Merkmale. Bei einer erneuten Kartierung im November 2015 war der Meeresboden übersät mit Vertiefungen von der Größe eines Tennisplatzes. Bei Ausfahrten mit dem Forschungsschiff Heincke im August/September 2016 zeigte sich, dass sich diese Krater über eine Fläche von rund 915 Quadratkilometern erstrecken – das entspricht mehr als der doppelten Fläche des Landes Bremen. Pro Quadratkilometer finden sich bis zu 1.200 Krater. Im Zusammenhang mit erhöhten Methankonzentrationen im Sediment wurden die Krater als so genannte Pockmarks identifiziert.

Bakterien bilden Methan

Der englische Begriff pockmark (deutsch: Pockennarbe) bezeichnet charakteristische Krater am Gewässerboden, die beim Austritt von Flüssigkeiten oder Gasen aus dem Untergrund entstehen. Sie sind in vielen Gewässern wie Seen, Flüssen, Flussmündungen, von Küstengewässern bis in die Tiefsee weltweit zu finden. In tonhaltigen Sedimenten und bei geringem Einfluss von Strömungen und Wellen bestehen sie teilweise über viele Jahrhunderte und sind Zeugnis vergangener Gasaustritte.

In flachen Küstengewässern mit sandigem Boden und unter dem Einfluss von Tideströmungen und Wellen verschwinden die Krater schnell und wurden deshalb bisher sehr selten beobachtet. Gerade die küstennahen Gebiete waren aber vor dem nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieg oft Feuchtgebiete und damit reich an organischem Material. Aus diesem Material kann durch bakterielle Zersetzung Methan gebildet werden. Dieses kann sich dann unterhalb von undurchlässigen Schichten im Meeresuntergrund sammeln. Gelangt Methan in die Erdatmosphäre, wirkt es dort als Treibhausgas etwa 25-mal stärker als Kohlenstoffdioxid (CO2).

Die Messungen des Forschungsteams haben ergeben, dass beim Ausbruch des Methans rund 6,9 Millionen Kubikmeter Sediment umgelagert wurden – so viel wie in 200.000 Standardcontainer passen würde. „Die Menge des dabei freigewordenen Methans lässt sich nur schwer abschätzen. Wie sich das Gas vor dem Austreten im Untergrund verteilt hat, wissen wir nicht genau. Selbst eine vorsichtige Schätzung ergibt aber eine Menge von rund 5.000 Tonnen. Das entspricht etwa zwei Dritteln des bisher angenommenen jährlichen Ausstoßes der gesamten Nordsee“, erklärt Knut Krämer.

Meeresboden verändert sich durch Strömungen und Wellen

Als Auslöser für das Ausbrechen der Pockmarks vermutet er zusammen mit seinen Co-Autoren Sturmwellen von bis zu sieben Metern Höhe und einer Periode von um die zehn Sekunden, die Druckschwankungen am Meeresboden verursacht haben. Die wiederum haben wie eine Pumpe auf das dort gespeicherte Gas gewirkt. Schließlich hat der Meeresboden dem Druck nachgegeben, das Gas entwich in die Wassersäule, wobei es Sediment mit sich riss. Dieses lagerte sich dann auf der strömungs- oder wellenabgewandten Seite wieder ab und erzeugte ein charakteristisches Muster aus Kratern und Hügeln.

„Diese Studie ist ein prima Beispiel für die Zusammenarbeit der verschiedenen Institute, die sich mit Küstenforschung beschäftigen: Wir messen gemeinsam auf den deutschen Forschungsschiffen und bündeln die Expertisen der verschiedenen Fachrichtungen“, sagt Dr. Christian Winter, Fahrtleiter der Messfahrt und Leiter der Arbeitsgruppe Küstendynamik am MARUM.

Die Pockmarks am Helgoland-Riff wurden in dieser Form zu ersten Mal in der Deutschen Bucht beobachtet. „Die Häufigkeit der auslösenden Sturmwellen legt nahe, dass es sich dabei um ein wiederkehrendes Phänomen handeln könnte, das bisher möglicherweise übersehen wurde“, meint Knut Krämer. Die Detektion der relativ flachen Krater sei überhaupt erst möglich durch die Tatsache, dass Messsysteme wie hochgenaue Fächerecholote weiterentwickelt wurden. Auch sei davon auszugehen, dass die Krater in beweglichen, sandigen Sedimenten durch Wellen und Strömungen schnell wieder eingeebnet werden, sobald kein Methan mehr austritt.

Verglichen mit den menschgemachten Methanemissionen ist der Beitrag des entdeckten Pockmark-Feldes gering. So beträgt die Menge nur 0,5 Prozent des jährlichen antropogenen Methanausstoßes Deutschlands. Allerdings ist davon auszugehen, dass sich küstennahe Gebiete mit reichen Methanvorkommen weltweit in einem ähnlich labilen Zustand befinden. Ein wichtiger Beitrag zum globalen Methanhaushalt aus hoch dynamischen Küstenregionen sei daher möglicherweise bisher übersehen worden, sagt Knut Krämer. „Wir hoffen, mit unserem Artikel eine wissenschaftliche Diskussion und weitere Untersuchungen über diese Art von Methanquellen anzuregen.“

Kontakt:
Knut Krämer
Telefon:0421-21865582
E-Mail: kkraemer@marum.de

Originalveröffentlichung:
Knut Krämer, Peter Holler, Gabriel Herbst, Alexander Bratek, Soeren Ahmerkamp, Andreas Neumann, Alexander Bartholomä, Justus E.E. van Beusekom, Moritz Holtappels und Christian Winter: Abrupt emergence of a large pockmark field in the German Bight, southeastern North Sea. Scientific Reports 7, 2017; DOI: 10.1038/s41598-017-05536-1

Ulrike Prange Pressestelle
MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

 

Save the Beach- Der Surf-Club räumt auf-machst Du mit? Treffpunktinfo

 

FotoL.Koch

Papiertüten tun´s auch

9. SCS Beach Clean Up auf Sylt am 26. März

Hunderte Tonnen Müll werden Jahr für Jahr von den Sylter Tourismus-Organisationen an den Sylter Stränden gesammelt und entsorgt. Hinzu kommen die unzähligen Müll-Massen, die von den Winterstürmen an die Sylter Küste gespült werden. Einwegflaschen, Autoreifen, Plastikbesteck und Einkaufstüten verschwinden nicht von alleine, denn was an den Stränden der Insel weggeworfen und angeschwemmt wird, ist gegen Verwitterung immun.

Um auch in der Nebensaison die abgelegenen Bereiche von dem Schmutz zu befreien, veranstaltet der Surf Club Sylt e.V. (SCS) am 26. März in Kooperation mit der Naturschutzgemeinschaft Sylt e.V., den Sylter Tourismus Services und der Surfrider Foundation Europe erneut den Beach Clean Up Sylt. „Jeder Strandspaziergang an unserer Küste macht deutlich, welche Ausmaße das Müllproblem angenommen hat. Und zwar weltweit, nicht nur bei uns. Es ist höchste Zeit auf Worte Taten folgen zu lassen“, so Markus Mager, Präsident des SCS.

Wer also bereit ist, sich ganz uneitel die Arbeitshandschuhe überzuziehen und mit einem Müllsack an den Sylter Stränden entlang zu wandern und aufzusammeln, was da einfach nicht hingehört, der zeigt Flagge für eine Bewegung, die alle Küsten weltweit so bitter nötig haben. Mülltüten und auch einige Handschuhe werden um 11 Uhr an den jeweiligen Stationen verteilt. Wer möchte, darf die eigens gesammelten vollen Müllsäcke gerne mit nach Westerland nehmen. Abschließender Treffpunkt ist in diesem Jahr um 15 Uhr erstmalig das neue Clubhaus des Surf Club Sylt in Westerland am Brandenburger Strand. Eine Premiere mit freudigem Hinblick auf die langersehnte Eröffnung des Vereinsheimes im Juni. Die restlichen Müllsäcke werden von den Tourismus-Services eingesammelt. Alle Mitwirkenden bekommen dort eine kulinarische Stärkung, gesponsert von Söl Kitchen Sylt und dem Restaurant Beach House Sylt. Selbstverständlich wird es keinerlei Einwegteller oder -besteck geben, somit ist jeder angehalten eine kleine Schüssel und einen Löffel mitzubringen. Die Sylt Quelle erfrischt alle Helfer mit Mineralwasser und Sylter Brause.

Kontakt:
Markus Mager
info@surfclubsylt.de

Kehr -aus gegen Plastik im NSG Nord-Sylt

EllenbogenTeam_Horst

 Reinigungsaktion im Naturschutzgebiet Sylt Nord auf dem Lister Ellenbogen am nächsten Samstag 21. Januar 2017 von 10:00 – 13:00 Uhr 

Wie auch schon letztes Jahr möchten die Sylter Werkstätten gemeinsam mit der Naturschutzgemeinschaft Sylt e.V. und der Gemeinde List im Rahmen des Projektes „Heimatliebe Sylt – Plastikinsel nein Danke“ das neue Jahr 2017 mit einer Reinigungsaktion im Naturschutzgebiet auf dem Ellenbogen starten. Bereits am 16.01.2016 kamen circa 60 Aktive zusammen, die in nur drei Stunden eine 10m^3 Mulde füllten – ein trauriger Erfolg. Nach den beiden Hochwasserständen Ende letzten Jahres gehen wir davon aus, dass die Nordsee uns auch dieses Mal wieder einige Überraschungen angeschwemmt hat.

Am Samstag den 21. Januar starten wir um 10 Uhr vom Parkplatz der Kitesurfer/Übergang 10 ins Naturschutzgebiet. Müllsäcke, Greifzangen und Handschuhe werden gestellt. Gerne können auch eigene Handschuhe und ein Spaten mitgebracht werden. Nach getaner Arbeit um 13 Uhr gibt es noch Suppe und etwas Warmes zu trinken. Dazu bitte Suppenteller, Löffel und Tasse mitbringen; wir wollen auch hier keinen weiteren Müll in Form von Plastikgefäßen und Pappbechern produzieren!

Das Betreuungsgebiet der Söl’ring Foriining besticht durch zahlreiche Besonderheiten. Es ist ein Sandhaken, der sich in ständiger Veränderung befindet und Wind und Wellen ausgesetzt ist. Seine Wildheit und Ursprünglichkeit ist Heimat für seltene Pflanzen- und Tierarten, die teilweise nur noch dort vorkommen und dadurch besonders schützenswert sind. Gerade deshalb hoffen wir auf eine rege Teilnahme. Durch andauernde Sturmphasen in den Herbst- und Wintermonaten kommt es immer wieder zu hohen Wasserständen. Die Nordsee mäandriert dann tief in die Dünenlandschaft hinein, bis das Wasser schließlich zur Ruhe kommt. So wird auch alles Mitgebrachte aus der Nordsee an ungewöhnlichen Stellen abgelagert. Leider findet sich neben Algen, Pflanzenresten und Holzstücken auch viel anthropogener Müll. Gerade Plastik stellt eine große Gefahr für die Umwelt dar. Es zersetzt sich nicht, sondern wird in den Meeren nur immer und immer kleiner. Fische nehmen Mikroplastik über ihre Nahrung auf und somit gelangt es auch wieder in den Nahrungskreislauf des Menschen. Um solchen Vorgängen entgegenzuwirken, hoffen wir auf viele Freiwillige, die uns helfen den Ellenbogen, eine einzigartige Naturlandschaft auf unserer Heimatinsel Sylt, von Unrat zu befreien.

Um Fahrgemeinschaften zu bilden, können sich Teilnehmer um 9:15 Uhr auf dem Parkplatz der Sylter Werkstätten treffen. Sollte das Wetter am 21. Januar nicht mitspielen, Monia und Hauke beim Müllsammelnschaut bitte bis 9 Uhr auf unserer Facebookseite nach, ob die Aktion stattfindet oder nicht. Auf der Homepage von Syltfunk Söl’ring Radio findet ihr ebenfalls Informationen.

Bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung. Die Naturschutzgemeinschaft Sylt sind von Montag bis Freitag unter Tel. 04651-44421 und die Sylter Werkstätten unter Tel. 8863700 erreichbar.

 

Naturschutzgemeinschaft Sylt

Freude bei Naturschützern und Touristikern: Sylter Wal-Lehrpfad geht in die zweite Runde

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Lothar Koch erklärt Umweltminister Robert Habeck Defizite beim Walschutzgebiet vor Sylt    (Foto: Joschka Knuth, Grüne)

 

 

 

 

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) teilte mir in diesen Tagen schriftlich mit, daß er die verbesserte Präsentation von Inhalten zum Walschutzgebiet vor Sylt sehr begrüßt.
„Ich halte das Projekt für sehr gelungen, da es für Einheimische und Besucher gleichermaßen verständlich, anschaulich und ansprechend die Themen Wal- und Trauerentenschutz,
Nationalpark, Weltnaturerbe, Klimaschutz und Sandvorspülungen als Küstenschutzmaßnahme darstellt“, so Habeck in dem Schreiben.

Im Nachgang zu seiner Bereisung der Insel Sylt im August, wo ich den Minister und den Landtagsabgeordneten Andreas Tietze über die neuen “Walstelen” direkt am Gebiet informieren konnte,
hat seine Abteilung im LKN (Landesamt für Nationalpark und Küsten-und Meeresschutz) Mittel und Wege ausgelotet, wie weitere interaktive Infoelemente finanziert werden könnten.
Darum hatten verschiedenen Institutionen und Naturschützer der Insel gebeten, da die neuen Infostelen begeistert von Bürgern und Urlaubern angenommen werden, aber aus Kostengründen bislang nur zwölf Strandübergänge mit Informationen zum Walschutzgebiet bereedert werden konnten.

„Aus verwaltungstechnischen Gründen ist es jedoch nicht möglich weitere Gelder aus dem Topf “Ausgleichsmittel für Sandentnahmen vor Westerland” zu ziehen“, heißt es aus dem Ministerium.
Auf Drängen des Ministers und Sylter Naturschützer hat das LKN aber andere Wege gefunden, mindestens zehn weitere Standorte auf Sylt mit neuen Waltafeln aus Projektgeldern zu finanzieren.

Zu diesem Zweck wird erneut die bewährte Expertengruppe aus Erlebniszentrum Sylt (Matthias Strasser), Schutzstation Wattenmeer (als freier Biologe Lothar Koch), Nationalparkamt (Matthias Kundy)
und der Firma NaturErleben aus Kiel zusammenkommen und in den nächsten Monaten weitere, ganz individuell gestaltete Infostelen für das Sylter Walschutzgebiet produzieren.

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Lothar Koch

Hunde und Drohnen bleiben in Naturschutzgebieten an der Leine

Hunde müssen in Naturschutzgebieten generell angeleint bleiben und

freilaufende Hunde am Strand des NSG Hörnum Odde- bisher nur per Gebietsverordnung, nun  per Gesetz klar verboten.

freilaufende Hunde am Strand des NSG Hörnum Odde- bisher nur per Gebietsverordnung, nun per Gesetz klar verboten.

Drohnenflüge werden in NSGs nicht mehr genehmigt.

In der gestrigen Sitzung des Landschaftszwckverbandes erläuterte Franz Bramrink von der Kreis-Naturschutzbehörde diese und andere Klarstellungen, die eine Novellierung des Landesnatur-schutzgesetzes vom 27.Mai 2016 mit sich gebracht hat*.

“Wir haben kein neues Gesetz”, so Bramrink, “aber vieles ist klarer formuliert und vereinfacht Arbeitsabläufe für Behörden und Antragsteller.”

So gab es beispielsweise für die Anleinpflicht von Hunden zahlreiche “wenn, dann” Formulierungen in unterschiedlichsten Schutzgebietsverordnungen, die nun per Gesetz klargezogen und vereinheitlich wurden. In den vergangenen Jahren wurde die Kreisbehörde von Anträgen zur Genehmigung von Drohnenflügen buchstäblich überschüttet  und musste jeweils zahlreiche Bedingungen abwägen. Nun ist klare Kante: keine Drohnenflüge in Naturschutzgebieten. Das gilt ab sofort.

Wer die Situationen in den Sylter Gebieten kennt wird gespannt sein, wer die neuen Regelungen des Landesnaturschutzgesetzes wohl wie kontrollieren und umsetzen wird. So bedeutet das beispielsweise für das Naturschutzgebiet Hörnum Odde ein “Aus” für freilaufende Hunde am Strand und keine regelmässigen Luftbilder mehr von der Entwicklung der Odde.

Eine weitere Neuerung des Gesetzes ist die Einführung einer bisher nicht gekannten Biotopkategorie: “arten-und strukturreiches Dauergrünland”.

“Davon gibt es auf Sylt mehr, als im restlichen Kreisgebiet”, erläuterte Franz Bramrink. Was das Biotop genau auszeichnet können eigentlich nur Fachleute erkennen. Eine Kartierung für Sylt mit den entsprechenden zu schützenden Flächen (hauptsächlich in Sylt Ost) liegt dem Landschaftszweckverband vor.

Ein weiterer interessanter Punkt der Sitzung war die Frage, ob der Landschaftszweckverband ein Modellprojekt “autonomes Fahren” für Sylt begrüssen solle. Nach einer ausführlichen Diskussion stimmten die Mitglieder bei einer Enthaltung dafür.

Lothar Koch wies für die Sylter Grünen darauf hin, daß der Landschaftszweckverband endlich für ein umfassenderes Modellprojekt zu alternativen Verkehrsmitteln und für ein insulares Verkehrskonzept eintreten müsse, statt immer wieder neu über kleinteilige Initiativen in dieser Richtung zu diskutieren.

“Wir werden sicherlich bald große Probleme mit dem Aufkommen von ungeübten, schnellen E-Bikes auf unseren schmalen Radwegen bekommen”, so Koch. Ein umfassendes Verkehrskonzept, das mit Perspektive auf  2020 alle neuen technischen Entwicklungsmöglichkeiten einmal bewertet und im Zusammenspiel für die Insel zuschneidet, sowie die Nutzung bestehender Strassen überdenkt, wäre bitter nötig, sagte der Autor des Zukunftsromans “Syltopia”.

Eine Unterstützung von autonom fahrenden Bussen oder Bahnen würde für ihn nur dann Sinn machen, wenn das zu einer realen Reduktion des Individualverkehrs führen würde.

Lothar Koch

* eine Broschüre zum novellierten Gesetz ist bei den Behörden erhältlich. Interessant daran ist, daß dort auch das Zusammenwirken mit dem Bundesnaturschutzgesetz gut dargestellt wird.

Bald mehr „Augen“ zum Schutz von Strand und kleinen Walen!

 

Rettungsschwimmer als "Augen für Meeresschutz"

Rettungsschwimmer als “Augen für Meeresschutz”

Strandarbeiter und Rettungsschwimmer können jetzt auch “Augen für sylter Meeresschutz” sein. Naturschutzverbände schulen derzeit Mitarbeiter der Kurbetriebe.

Vieles, was am Weststrand in Sachen Natur- und Meeresschutz gemacht wird ist selbst den Strand-Mitarbeitern der Kurbetriebe nicht ganz klar. Weshalb werden ganz bestimmte Vogelarten registriert und Totfunde abgesammelt und andere nicht? Wann genau sollen Seehundjäger informiert werden? Und was hat es eigentlich genau mit dem Sylter Walschutzgebiet auf sich?

Die Idee, mehr Umwelt-Wissen und Zusammenhänge zwischen Strandpersonal und Naturschutzmitarbeitern zu vernetzen, kam im Arbeitskreis der Sylter  Naturschutzverbände auf und wurde umgehend umgesetzt. “Es fördert doch das Verständnis für unser Anliegen enorm, wenn Rettungsschwimmer, Strandkorbwärter und Kurkartenkontrolleure besser Bescheid wissen, was in ihrem Strandabschnitt an Meeres-und Strandschutzmaßnahmen wichtig sein könnte”, meint Margit Ludwig von der Naturschutzgemeinschaft Sylt.”

“Das macht wirklich Sinn”, so die Nationalpark-Rangerin Anne Schacht, “schließlich sitzen entlang des vierzig Kilometer langen Strandes ja über hundert Mitarbeiter der Kurbetriebe, die durchaus nebenbei ein “Umweltschutz-Auge” auf Strand und Meer haben könnten.”

Dennis Schaper von der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum ergänzt: “Das erste europäische Walschutzgebiet, das sich über die Landes-Nordseegewässer vor Sylt und Amrum erstreckt ist immer noch wenig bekannt. Dabei sieht man gerade in diesen Tagen überall kleine Schweinswale mit ihren frischgeborenen Kälbern auftauchen. An den Stränden liegen verstärkt Seehundsheuler. Es wäre gut mit geschulten Helfern die Sichtungsdaten zu sammeln und Wale und Robben vor menschlichen Störungen aller Art zu schützen.”

„Die Strand-Mitarbeiter der Kurbetriebe könnten über das Schutzgebiet und seine Bewohner in Gesprächen mit interessierten Gästen fachkundig Auskunft geben, wenn Sie mehr darüber wüssten. Deshalb setzen wir gemeinsam mit den Kurbetrieben zwischen Hörnum und List in diesen Tagen eine Veranstaltungsreihe um, die der naturschutzfachlichen Schulung dient. Wir freuen uns sehr, daß wir bald mehr Augen für den Sylter Meeresschutz haben“, meint Walter Körnig, der Beauftragte des NABU in List.

Dabei soll es nicht nur um Meeressäuger gehen, sondern auch um verschiedene Projekte zum Thema Plastikmüll im Meer und die Kontrolle von Strandverschmutzungen. Die Verbände erhoffen sich von interessierten Kurbetriebsmitarbeitern schnelle Weiterleitung von Informationen, wenn besondere Sichtungen oder Funde von naturkundlicher oder umweltschutztechnischer Bedeutung gesichtet werden.

Die Kurbetriebe der Insel haben das Angebot der Naturschutzverbände sofort dankbar angenommen  und ihre Strand-Mitarbeiter für die Teilnahme an einer einstündigen Info- Veranstaltungen der Verbände freigestellt. Die Teilnahme an den Infoverantstaltungen und am Strand-Beobachtungsnetzwerk sind für die Mitarbeiter natürlich freiwillig.

 

Lothar Koch

für die Schutzstation Wattenmeer eV., die Naturschutzgemeinschaft Sylt e.V., den NABU, die sylter Nationalpark-Rangerin

 

Schutzstation fordert Maßnahmen gegen Artenschwund in Nordsee und Wattenmeer

Seehundbank vor Kohlestaubkraftwerk in Esbjerg, Foto: L.Koch

Mehr Null-Nutzungszonen im Watt gefordert, Foto: L.Koch

Der Umweltverband Schutzstation Wattenmeer fordert einen besseren Artenschutz auch unter Wasser. Hintergrund ist die Meldung des Bundesumweltministeriums, daß jede dritte Tierart in Nord-und Ostsee mittlerweile vom Aussterben bedroht ist.

Von insgesamt 1695 untersuchten Arten der deutschen Küsten-und Heeresgebiete sind rund 30% gefährdet, ließ Bundesumweltministerin Hendricks dieser Tage über ihre Staatssekretärin Schwarzelühr-Sutter verkünden. Besonders gefährdet seien: Nagelrochen, Glattrochen, Dornhai (Schillerlocke), Hundshai, Aal, Alpenstrandläufer, Eisente, und Eissturmvogel über viele weitere Arten lägen gar keine verläßlichen Daten vor.

 „Wir brauchen mehr Flächen in Nordsee und Nationalpark, auf denen menschliche Nutzung völlig ausgeschlossen ist“, fordert Katharina Weinberg von der Schutzstation Wattenmeer. Lediglich drei Prozent der Nationalparkfläche sind bisher von der Fischerei ausgenommen (Nullnutzungszone). Das gesperrte Gebiet südlich von Sylt sei viel zu klein, um dem dramatischen Artenverlust wirksam begegnen zu können. Vor allem die Fischerei mit Grundschleppnetzen hat über Jahrzehnte zu einem Rückgang vieler bodenlebender Arten und ganzer Lebensgemeinschaften geführt. Die verbliebenen Bodentiere sterben ebenso wie junge Fische oft massenhaft in den Netzen der Krabbenkutter.
Die Nationalparks im Wattenmeer sind die letzten, die den bundesweit vorgeschriebenen Anteil von über 50 Prozent Nullnutzungszonen weit verfehlen. Erforderlich sind aus Sicht der Schutzstation Wattenmeer die Einrichtung nutzungsfreier Zonen auf 75 Prozent der Wattenmeerfläche sowie die Entwicklung naturschonender Fangtechniken. Von einem verbesserten Schutz würde neben der Natur auch die Fischerei im Nationalpark langfristig profitieren. „Internationale Erfahrungen zeigen, dass konsequent umgesetzte Meeresschutzzonen zu einer Erholung von Fischbeständen auch auf der restlichen Fläche führen“, sagt Weinberg. Auf diese Weise könne sich die Natur erholen und künftigen Generationen von Fischern sei es möglich, ihren Beruf nachhaltig auzuüben.
„Die Landesregierung hat sich auf die Fahnen geschrieben, mehr Wildnis zu wagen“, sagt Weinberg. Dieses gerade in einem Nationalpark umzusetzen und das gültige Bundesgesetz zu erfüllen, müsse selbstverständlich sein.

L.Koch und Dipl.Biol.Christof Goetze, – Pressesprecher- , Naturschutzgesellschaft SCHUTZSTATION WATTENMEER e.V.

67,6 Prozent gingen nicht zur Wahl beim Hallen-Entscheid

Die Hallen 25 und 28 bleiben stehen. Das ist das Ergebnis des gestrigen Bürgerentscheids

Schrotthalle auf dem Fliegerhorst

Halle aus dem 2. Weltkrieg auf dem Fliegerhorst

(s. Statistik). Von den 12824 Wahlberechtigten hatten 67,6 Prozent keine Meinung oder keine Gelegenheit, zu diesem Thema abzustimmen. Erstaunlich, denn der “Wahlkampf” wurde mit einer erheblichen “Materialschlacht” geführt, wie sie selbst bei Kommunalwahlen auf Sylt bislang kaum erlebt wurde. Das “Material” zeigte sich vor allem in Großanzeigen, Plakaten, Zeitungsbeilagen und Flyern der Abrissgegner.  Sie investierten zig-Tausende von Euro in die Werbung für Ihren Standpunkt und hatten damit Erfolg bei ca 25% der Wahlberechtigten. Das reichte aus um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Ob die Bereitschaft für die Aufwendung dieser Mittel von Unternehmerseite her allein aus Sympathie für die ehrenamtlichen Hallennutzer geschah, oder auch spekulative Absichten für das Fliegerhorstgelände eine Rolle spielen, wird die Zukunft zeigen.

Die Abrissbefürworter blieben in der Sache und im Wahlkampf recht sparsam beim Einsatz finanzieller Mittel, hatten sie doch ihre Hauptargumentation auf den immensen Kostenfaktor gelegt, den ein Erhalt der Hallen nach sich ziehen würde. Doch die Erwartung, daß vernünftige Sachargumente eine emotional geführte Debatte nennenswert beeinflussen können wurde wie schon so oft bei früheren Entscheidungen auf der Insel enttäuscht.Bürgerentscheid Ergebnis

Nun sind die Abrissgegner am Zug und mit ihnen deren Unterstützer, also vor allem die Sylter Unternehmer und die CDU. Sie müssen jetzt zeigen, ob sie ihre vollmundigen Versprechen aus dem Wahlkampf halten können:
- Bereitstellung funktionstüchtiger Hallen für den Katastrophenschutz mit nur ca. 500 000 Euro Einsatz und ehrenamtlicher Arbeit.

- Abwendung von Zahlungen an die BIMA (ca 400 000 Euro an die Bundesanstalt für Immobilien)

- Ebnung von rechtlichen Hürden zur Weiterverwendung der bislang illegal genutzen und denkmalgeschützten Hallen  im Aussenbereich

Die Abriss-befürwortenden Parteien sind aufgerufen die kommenden Entwicklungen in dem Gebiet genau zu beobachten und sicherzustellen, daß über die Nutzbarmachung der Hallen keine weiteren Begehrlichkeiten durchgesetzt werden, wie beispielsweise eine Änderung der Flächennutzungsplanung, um weitere Gebäude in dem naturgeschützten Areal zu erreichten. Das sind sie den knapp 1000 Wählern schuldig, die für einen Abriss gestimmt haben.

Lothar Koch

Sylt- Speed-Dating-Hotspot für Königinnen nimmt Arbeit in den Dünen auf

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Hans Joachim Totzek sorgt für diskrete Vermittlung von Hoheiten nach Sylt

Wenn Hans Joachim Totzek aus Hamburg über Sylt fährt erkennt ihn fast niemand. Dabei ist er begehrt bei  Königinnen aus ganz Europa. Er vermittelt wohlgeborenen Hoheiten Partner mit ausgezeichnetem Ruf und überprüfter Herkunft.

Totzek verfügt über viel Land auf Sylt. Es liegt gleich bei der berühmten Sansibar, wo sich von je her Adel und Prominenz die Klinke in die Hand gibt. Totzeks Territorium ist ca. 7,5 Quadratkilometer groß.Von hier aus betreibt er einen Dating-Hotspot für Königinnen aus ganz Europa.

Gemeint ist eine der größten Zuchtanlagen zur kontrollierten Anpaarung von Bienenköniginnen in Deutschland. Sie liegt versteckt in der Botanik karger Schwarzdünen, nahe des Schullandheims Puan Klent.

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Viele schwärmen für Königinnen. Hier sind es 20 000 Fans in einem Bienenkasten.

Hans Joachim Totzek ist seit über 27 Jahren der Vorsitzende der Norddeutschen Peschetz Zuchtgemeinschaft (www.npz-ev.de), einem gemeinnützigen Verein von Bienenzüchtern mit Sitz in Hamburg. Im späten Frühjahr zieht es ihn stets nach Sylt.

Dieses Jahr war der 26. Mai Stichtag. Ab heute erwartet Totzek zwölf Reinzuchtvölker.  Die besonderen Drohnenstämme stammen diesmal aus Hamburg und Kiel. Das wertvolle Erbgut der männlichen Bienen (Drohnen) ist bei  Imkern und  Züchterprofis sehr begehrt. Immerhin haben die “auserwählten Herren” Leistungsprüfungen hinter sich und weisen auf der Internationalen Zuchtplattform „Beebreed“ Spitzenwerte auf. Solche Auszeichnungen lockt Bienenzüchter aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland nach Sylt. Die haben ihre jungfräulichen Königinnen für den Hochzeitsflug fit gemacht und bringen sie ab jetzt laufend über den Sommer zur Anpaarung nach Puan Klent.

In den Sylter Heidedünen ist schon alles vorbereitet. Rund 400 farbige Schutzhäuschen für

Belegstellenleiter Rudolf Schneider kümmert sich um Komfort und Bewirtung im "Bienenhotel"

Belegstellenleiter Rudolf Schneider kümmert sich um Komfort und Bewirtung im “Bienenhotel”

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Damit diese Made zur Königin wird, muss sie mit königlichem Elixier von Arbeiterbienen gefüttert werden, dem “Gele Royale”

800 Königinnen sind aufgestellt, durchnummeriert, mit Codes versehen und auf dem 12000 qm großen Areal platziert. Doch die Königinnen fliegen nicht einfach solo in den Schutzhäuschen herum. Sie befinden sich mit ca. 2 Suppenkellen Arbeiterinnen und einer Ration Futterteig in Einwabenkästchen, die in die Schutzhäuser hineingehängt werden. Der Dating-Hotspot kann gleichzeitig bis zu 500 Königinnen beherbergen. Die Kästen werden ausschliesslich mit Bienen beschickt, die allesamt gesundheits- und leistungsgeprüft sind. Nicht auszudenken, wenn Seuchenerreger, wie die Faulbrut auf die Insel eingeschleppt würden. Die könnten sonst später von Sylt aus über ganz Deutschland verschleppt werden.

Es geht um Zucht- und Zucht bedeutet in Bienenzüchterdeutsch “eine kontrollierte Fortpflanzung mit dem Ziel genetischer Umformung”. Umformung wohin? Zu mehr Sanftmut, mehr Honigleistung und optimalen Wabensitz. Letztendlich soll eine gesunde, stabile Biene produziert werden, die optimal in Europas wildblumenarmen Agrarsteppen und Stadtsiedlungen überleben kann. Dazu gehört auch eine Mindesttoleranz gegen die gefährliche, asiatische Varoamilbe, die jährlich für die Vernichtung von Tausenden von Bienenvölkern verantwortlich gemacht wird.

Aber weshalb ausgerechnet auf Sylt? Gut, Sylt wird auch als die Königin unter den friesischen Inseln bezeichnet. Hier verkehren von jeher schönen Bienen und reiche Honigsauger, Prominente, Adlige mit und ohne Volk oder Hofstaat- aber beeindruckt das die Bienen oder ihre Züchter?

Nein! Es geht einzig und allein um die abgelegene Position der Belegstation. Hier, mitten im Wattenmeer, fernab anderer Bienenstöcke ist gezielte, reinrassige Zucht möglich- und das ganz ohne Paparazzi! Deshalb auch die 7,5 Kilometer Abstandsregel des Bienenreiches von Puan Klent. Totzek und seinem Verein ist eine “fremdbienenfreie Zone” in dieser Größe vom Land Schleswig-Holstein gesetzlich zugesichert worden. Der Landes-Umweltminister hat sich vor einigen Jahren noch höchstpersönlich für die Belegstation bei Puan Klent eingesetzt, denn “Schleswig-Holstein ist ein wichtiges “Bienen- Land”". Dabei geht es weniger um die Honigproduktion, sondern vielmehr um die Bestäubungsleistung der kleinen Brummer. “Obstbauern könnten ihren Betrieb dicht machen, wenn Imker ihnen nicht ihre Bienenvölker zum richtigen Zeitpunkt in die Kulturflächen stellen würden.” sagt Hans Joachim Totzek und ergänzt: “Ganz nebenbei werden auch unsere heimischen Bäume, Sträucher und Blumen bestäubt und tragen wertvolle Früchte für Mensch und Tier.”

“Das genetische Material muss absolut sauber bleiben”, sagt der Verbandsvorsitzer. Folglich ist jeder andere Imker, der auf dem südlichen Nehrungshaken der Insel Sylt  Bienen fliegen läßt, ein Schwarzimker und kann mit Strafverfolgung rechnen. Der nächste legale Zucht-Bienenstock ist erst wieder rund 30 km entfernt im Listland zur finden. Sylter Honigimker stellen ihre Kästen fernab von Puan Klent in Sylt-Ost oder Westerland auf. Eine Bienenhaltung in der kargen Dünenlandschaft des südlichen Sylthakens lohnt ohnehin nicht. Die Bienen würden im spärlichen Blütenangebot des Heidekrauts verhungern. Eine Bienenkönigin kann maximal fünf Kilometer weit fliegen, eine Drohne schafft gerade mal einen Kilometer. Ein Flug über´s Meer zur Insel ist also weitgehend ausgeschlossen.

EWK-Kontrolle

Belegstellenleiter Schneider kontrolliert Ihre Hoheit auf Eilage.

Über viele Jahrzehnte hat die Zuchtgemeinschaft auf Sylt Bienenvölker mit guten Leistungsmerkmalen herausgezüchtet. Dabei schwärmen die Drohnen bei richtigem Wetter geballt an Drohnensammelplätze, oft thermisch optimal geeignete Standorte in zwei bis fünf Metern Höhe. Die Königinnen fliegen dann gezielt zu den Drohen und lassen sich dann von bis zu 26 Männchen begatten. Während “Ihre Hoheit” zurück in ihren Einwabenkasten fliegt, sterben die Freier unmittelbar nach dem Hochzeitsflug. Die Königin beginnt kurz darauf mit der Eierproduktion.Nach dem ein Belegstellenleiter alles auf einer Zuchtkarte registriert hat, kann der Besitzer seine Königin wieder abholen und mit einem Anlegervolk vereinen,  aus dem wieder Drohnen, Arbeiterinnen und Königinnen gewonnen werden. So geben sich  bis zum 12. August des Jahres Imker und Züchter beim “Dating Hotspot” in Puan Klent die Ehre mit ihren Hoheiten. Seit 1949 waren es schon über 68.000 Königinnen, die hier gezielt gleich mehrere Partner fanden.

Das Zuchterbnis ist eine sanftmütige Honigbiene, die niemandem etwas zu Leide tut.

Das Zuchtergebnis ist eine sanftmütige Honigbiene, die niemandem etwas zu Leide tut.

Obwohl das ehrenamtliche Geschäft brummt, ist Totzek besorgt. “Jede unkontrollierte Schwarzdrohne könnte einen finanziellen Schaden anrichten, der im fünfstelligen Bereich liegt”.  In 2015 gab es erstmalig Probleme. Irgendwo in einem Dorfgarten, der innerhalb Totzek´s Reich liegt,  hatte wohl jemand einen illegalen Bienenstock eingerichtet. Deshalb hat er sich dieses Jahr mit dem Landschaftszweckverband und dem Team der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum zusammengesetzt, um rechtzeitig zu Beginn der Queen-Dating-Saison Fremdbienenstöcke aufzuspüren. Für jeden Hinweis in dieser Richtung ist der Zuchtverein NPZ e.V. (Tel: 04104/2782) dankbar.

Text: Lothar Koch

Alle Fotos: Norddeutschen Peschetz Zuchtgemeinschaft (www.npz-ev.de)

Flugplatzhalle darf nicht genutzt werden– die Posse geht weiter!

Westerland, Juni 2019 :”Im Rathaus wiederholte der Gemeinderat zum vierundneunzigsten Mal eine Abstimmung über die Frage, ob eine marode Halle aus dem zweiten Weltkrieg abgerissen oder saniert werden solle. Jedesmal musste der Bürgervorsteher einzelne Fraktionsmitglieder wecken, die am ovalen Tisch der Inselvertreter eingeschlafen waren, jedesmal wiederholte er anhand eines Bebauungsplanes das Für und Wider, jedesmal gab es danach kontroverse Diskussionen. Das ganze Spektakel dauerte die Nacht hindurch, bis alle in einen ziemlich erschöpften Tiefschlaf fielen.” Auszug aus Syltopia, die Doku-Fantasy von Lothar Koch

"Nazihalle" 28

“Nazihalle” 28

 

Wird es tatsächlich so weitergehen, wie ich im vergangenen Jahr in meinem Roman SYLTOPIA prophezeit habe? Die Posse um die Wehrmachtshallen 25 und 28 auf dem ehemaligen Fliegerhorst-gelände läuft nun schon seit Jahren– und kein Ende in Sicht. In diesen Wochen kulminiert das ganze Thema.

Zur Erinnerung: Vor etlichen Jahren beschloß der Gemeinderat Sylts den Abriss der Hallen, weil seit der Aufgabe der militärischen Nutzung keine rechtliche Grundlage mehr für den Betrieb und Erhalt der Hallen existiert. Dafür sollte das Gelände, das zur Nazizeit teilweise enteignet und militärisch überbaut wurde und einen 200 Jahre alten Wald beherbergt renaturiert werden. Bei Nichterfüllung des Renaurierungs-Vertrages mit dem Bund, der das Gelände der Gemeinde überließ, fallen rund 200.000 Euro Rückzahlungen pro Halle an die zuständige Bundesanstalt BIMA an.

„Wir sehen im Abriss der Hallen eine letzte Chance, der Insel ohne wesentliche Nachteile eine relativ großes Stück Natur zurückzugeben, das dauerhaft vor Spekulation geschützt wäre.“ sagt Roland Klockenhoff von den Grünen. Es könnte zu einem neuen Naherholungsgebiet für Mensch und Natur gestaltet werden, zum Beispiel als “Wilde Weide”.

Lornsenhain- ältester Wald der Insel aus dem 19 Jahrhundert

Lornsenhain- zweitältester Wald der Insel aus dem Jahre 1821

Gegen diese Pläne macht seit über einem Jahr eine Bürgerinitiative und die Fraktion “Zukunft Sylt” mobil. Die Initiative will die Hallen für den Kastastophenschutz sichern. Hintergrund ist eine hinlänglich geduldete, letztendlich aber über Jahre illegale Nutzung der Hallen durch ehrenamtliche Verbände wie die Feuerwehr und das DRK. Derzeit nutzen ehrenamtlichen Katastrophenschützer die Halle 28 als Materiallager und Fuhrpark für ihre Fahrzeuge. Obwohl die Gemeinde den Rettungskräften den Neubau einer Halle am Flughafen avisiert hat, die mit rund 500.000 Euro veranschlagt wird, will die Initiative an den Wehrmachtshallen festhalten. Für deren Restaurierung veranschlagt die Gemeinde Sylt nach gutachterlicher Stellungnahme 4,9 Millionen Euro. Erschwerend kommt hinzu, daß die Hallen aus relativ unerfindlichen Gründen vor einigen Jahren auf die Liste denkmalgeschützter Gebäude Nordfrieslands gerutscht waren. Dieser Umstand bedeutet, daß Bund, Land und Kreis sich mit verschiedenen Forderungen gegenseitig blockieren. Der Bund und  Land wollen Abriss und Denaturierung, der Kreis hingegen Denkmalschutz. Der ehemalige Beschluss der Gemeinde pro Abriss ist innerhalb der Fraktionen und auch zwischen den Inselgemeinden wohl vor allem aus wahltaktischen Gründen inzwischen erneut zum Zankapfel geworden.

Die Bürgerinitiative setze in diesem Frühjahr durch das Sammeln von ausreichend Stimmen in der Gemeinde einen Bürgerentscheid durch, der am 12. Juni 2016 das Schicksal der Hallen klären soll. Die Bürger der Gemeinde können dann direkt pro oder contra Abriss abstimmen.

Heute kam dann der Paukenschlag aus der Bauaufsichtsbehörde des Kreises Nordfriesland: Mit einer Androhung von 500.000 Euro Bußgeld bei Verzögerung des angeordneten Sofortvollzuges, schickte die Behörde eine Nutzungsuntersagung der Halle 28. Die Halle sei aus Gründen der Baufälligkeit und des mangelnden Brand- und Elektroschutzes eine Gefahr für Leib und Leben und müsse unverzüglich von den Fahrzeugen des DRKs, der Feuerwehr und weiteren Gegenständen geräumt werden.

Es könnte also tatsächlich passieren, daß Sylt nach einem (teuren) Bürgerentscheid, der sich für den Erhalt der Hallen ausspricht zwei baufällige Gebäude besitzt, die mit hohen Kosten im Sinne des Denkmalschutzes von der Gemeinde restauriert werden müssen und dann nicht genutzt werden dürfen. Zusätzlich darf die Gemeinde dann noch rund 400.000 Euro Rückzahlungen an den Bund leisten. Kosten und Posse ohne Ende?
Syltopia, ick hör Dir trapsen!

 

Lothar Koch