Naturschützer vermitteln  Strandmitarbeitern Meer-Schutz-Wissen.

Sylter Naturschutzverbände schulen derzeit wieder Mitarbeiter der Kurbetriebe in Sachen Natur & Umwelt.

Rettungsschwimmer als "Augen für Meeresschutz"

Rettungsschwimmer als “Augen für Meeresschutz”

Vieles, was am Weststrand in Sachen Natur- und Meeresschutz gemacht wird, ist selbst den Strand-Mitarbeitern der Kurbetriebe nicht immer einleuchtend: Weshalb werden ganz bestimmte Vogelarten registriert und Totfunde abgesammelt und andere nicht? Wann genau sollen Seehundjäger informiert werden? Und was hat es eigentlich  mit dem Sylter Walschutzgebiet und dem Dünenschutz auf sich?

„Die Idee, mehr Umwelt-Wissen und Zusammenhänge zwischen Strandpersonal und Naturschutzmitarbeitern zu vernetzen, wurde vor einigen Jahren in die Tat umgesetzt und von allen Seiten begrüßt“, sagt Margit Ludwig von der Naturschutzgemeinschaft Sylt, und ergänzt: “Es fördert doch das Verständnis für unser Anliegen enorm, wenn Rettungsschwimmer, Strandkorbwärter und Kurkartenkontrolleure besser Bescheid wissen, was in ihrem Strandabschnitt an Meeres-und Strandschutzmaßnahmen wichtig sein könnte”.

“Das ergibt wirklich Sinn”, so die Nationalpark-Rangerin Anne Schacht, “schließlich sitzen entlang des vierzig Kilometer langen Strandes ja über hundert Mitarbeiter der Kurbetriebe, die durchaus nebenbei ein “Naturschutz-Auge” auf Strand und Meer haben könnten.”

Esther Lutz von der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum ergänzt: “Gerade in diesen Tagen sind vor dem Weststrand viele kleine Seehunde und Schweinswale unterwegs. Im Zusammenspiel von Seehundjäger und Naturschutzverbänden sind auch die Rettungsschimmer wichtige Partner bei der Heuler-Meldung und Wale-Erfassung“.

„Das Projekt hat sich bereits in den vergangenen Badesaisons bewährt. Die Strand-Mitarbeiter können interessierten Gästen fachkundig Auskunft geben, sofern sie unsere naturschutzfachlichen Schulung mitgemacht haben“, meint Walter Körnig, der Beauftragte des NABU in List.

Dabei soll es nicht nur um Meeressäuger gehen, sondern auch um verschiedene Projekte zum Thema Plastikmüll im Meer und die Kontrolle von Strandverschmutzungen. Die Verbände erhoffen sich so eine schnellere Weiterleitung von Informationen, die von naturkundlicher oder umweltschutztechnischer Bedeutung am Strand sind. Eine gute Vernetzung vereinfacht die Kommunikation der verschiedenen Akteure und definiert genauer die Zuständigkeiten.

Von den Kurbetrieben der Insel werden die Strand-Mitarbeiter eigens für die Teilnahme an den einstündigen Info- Veranstaltungen der Verbände freigestellt. Die Teilnahme an den Info-Treffen und am Strand-Beobachtungsnetzwerk sind für die Mitarbeiter natürlich freiwillig.

Für jede Gemeinde werden außerdem wieder Informationsmappen mit  Infomaterialien geschnürt, die den Mitarbeitern an den Stränden zur Verfügung stehen.

Lothar Koch, Der NaturReporterSylt,

für die Schutzstation Wattenmeer eV., die Naturschutzgemeinschaft Sylt e.V., den NABU, die sylter Nationalpark-Rangerin

 

Wer darf Sylt das Wasser reichen?Aussagen von EVS und VEN widersprechen sich.

Wie sicher ist eine ökologisch vertretbare Trinkwasserversorgung auf Sylt  in Zukunft? Naturschützer warnen vor Übernutzung.
Wasserversorger irritieren mit krass gegensätzlichen Verlautbarungen.

Im Sommer 2017 warnte die EVS in einer offiziellen Antwort auf eine Anfrage der Grünen (und weiterer Parteien) an die Gemeinde Sylt noch, dass die Wasserversorgung in fünf Jahren mit den bestehenden Brunnen knapp werden könnte. Erst vor wenigen Monaten bestätigte der Leiter der EVS noch diese Haltung, ja machte sie dringlicher, in einem Referat bei der Naturschutzgemeinschaft Sylt(s. folgenden Artikel).
In den vergangenen Wochen rund um die Kommunalwahl erschienen in der Sylter Rundschau jedoch plötzlich eine Stellungnahme und ein Artikel in denen EVS und VEN (Wasserversorger der Norddörfer) derlei Befürchtungen weit von sich wiesen und die Naturschützer der Panikmache bezichtigten.Der Leiter der VEN sprach gar von traumhaften Bedingungen beim Sylter Trinkwasser. Einer Bitte an die Sylter Rundschau, diese Diskrepanz durch sorgfältige, journalistische Recherche aufzuklären, wurde bislang nicht nachgekommen. Das macht die Angelegenheit für den Bürger eigentlich nur noch bedrohlicher: Inwieweit können wir Aussagen dieser Firmen, die eine unserer wichtigesten Ressource verwalten noch trauen und wer kümmert sich noch engagiert um die objektive Bewertung von Informationen?*

*Nachtrag vom 13.6.:Die Rundschau berichtet nun: SHZ-Artikel zum Thema

Dünenheide im NSG Hörnum Odde

Empfindliche Dünenheide. Flora und Fauna braucht einen hohen Grundwasserspiegel.

Hier der Bericht aus dem Vortrag der EVS bei der  Naturschutzgemeinschaft:

Im Frühjahr lud die Naturschutzgemeinschaft Sylt in Braderup zu einer Vorstandssitzung den Leiter der EVS, Georg Wember und seinen Trinkwasser-Experten Karl Dettmer ein, um etwas über den Stand der Trinkwasserversorgung auf Sylt zu erfahren. Die Nutzung des Süßwasserreservoirs unter der Insel ist nicht nur lebenswichtig für alle Bürger, sondern auch von ökologischer Bedeutung für Tiere und Pflanzen in Heiden und Dünen, da diese von anstehendem Grundwasser direkt abhängig sind.

Warnungen aus der Grundwasserblase
Die beiden Experten erläuterten anhand von Grafiken die aktuelle und zukünftige Versorgungslage der Insel mit Trinkwasser, das aus 16 Brunnen der EVS gefördert wird und einigen weiteren der VEN (Versorger der Norddörfer).

Die Warnungen, die sich aus dem Vortrag ableiten liessen, waren nicht zu überhören: So führte Herr Dettmer aus: ” Die Wasserversorgung auf Sylt ist auf Dauer nicht gewährleistet, da sich jederzeit Probleme ereignen können, die zur Schliessung von Brunnen beitragen könnten”. Dazu gehören Salzwassereinbruch, Schadstoffbelastung, besonders im Hauptbrunnenfeld unter dem Flughafenareal und aktuell, die Verseuchung des Bodens mit Chlorkohlenwasserstoffen aus einer ehemaligen Reinigung in Westerland. Wegen letzterer sind derzeit bereits Brunnen in ihrer Leistung deutlich heruntergefahren, um die Gifte nicht ins Trinkwasser zu ziehen. Im Bereich des Fliegerhorstes ist mit zahlreichen Altlasten aus dem Krieg und Flugbetrieb der vergangenen achtzig Jahre zu rechnen, die besonders mobilisiert werden könnten, wenn nun, wie bereits geschehen und weiter geplant, Flächen entsiegelt werden (Abriss alter Gebäude und Betonflächen). Das alles ist besonders relevant, weil die Experten ausführten, dass derzeit weniger als 20% Brunnenreserve vorhanden ist, um im Notfall auszugleichen.

Immer mehr Menschen verbrauchen Wasser auf Sylt
Die Verbrauchszahlen an Trinkwasser steigen von Jahr zu Jahr mit steigenden Menschenmassen auf der Insel. Die Personenzahl die sich an Spitzentagen auf der Insel aufhält, beläuft sich nach den Berechnungen der EVS auf 207.500 Menschen die maximal 12.700 qm Wasser pro Tag allein im EVS -Versorgungsgebiet verbrauchen. Die reale Zahl läge auf der gesamten Insel vermutlich noch höher, möglicherweise bei 230 000 Menschen, so Dettmer.

Dass die Sylter Wasserversorgung mit den bestehenden Brunnen und “wenn keine weiteren Hotelbauten hinzukommen”(EVS) nur noch für etwa 5 Jahre gewährleistet sei, hatte die EVS im vergangenen Sommer bereits auf eine Anfrage der Grünen im Umweltausschuss bekannt gegeben. In deren Antwort hiess es, dass seit 2013 die Trinkwasserförderung auf der Insel um fast 230 000 m3/Jahr angestiegen sei. Bis 2019 rechne die EVS mit einem Anstieg um knapp 400 000 m3/Jahr auf 2.500 000 qm. Die technischen Möglichkeiten der Wasserentnahme werden von der EVS auf 2,8 Millionen m3/Jahr geschätzt, wenn alle 16 verfügbaren Brunnen voll betriebsbereit sind.
Und, so Wember und Dettmer unisono,: “Es gibt weit und breit, keine „Nachbarn“ die der Insel Trinkwasser in den erforderlichen Mengen liefern könnten, auch nicht am Festland”. Die Folge wäre also die weitere Exploration von Brunnenfeldern, die in der Dünenlandschaft des NSG Nordsylt/Listland vorgenommen werden müssten.

Ökosystem Dünenheide in Gefahr
Laut Dr. Roland Klockenhoff, dem Vorsitzer der Naturschutzgemeinschaft Sylt, könnte sich das jedoch fatal auf zahlreiche geschützte Pflanzen- und Amphibienarten in der Sylter Dünenlandschaft auswirken und letztlich auch für die Sylter EinwohnerInnen. Die Gefährdung der Wasserversorgung mit den existierenden Brunnen sei auch eine Folge des unbegrenzten Baubooms unter einer fragwürdigen Wachstumsphilosophie der Tourismusindustrie, so Klockenhoff. Letztes Beispiel dafür sei die Genehmigung eines weiteren Großverbrauchers in List, der Hotelanlage Lanserhof.

Laut Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer ist Sylt  einer der

Laichgebiet von seltenen Kreuzkröten: Nasses Dünental bei Rantum

Laichgebiet von seltenen Kreuzkröten: Nasses Dünental

wichtigsten natürlichen Lebensräume der Kreuzkröte in Deutschland. Deutschland ist nach EU-Recht verpflichtet, die Kreuzkröte zu erhalten.
“Die Frage ist daher nicht, ob man den Krötenbestand weiter schwächt, indem man Wasser aus den Dünen pumpt. Die Frage muss vielmehr sein, wie man die
Lebensbedingungen der Kröten im Listland verbessert”, so Borcherding.

Wasserentnahmen sind nach Landes-, Bundes- und Europarecht im Listland
heutzutage unzulässig, da auch die Pflanzen und Tiere der feuchten
Dünentäler höchstgradig selten und gefährdet sind. Es ist daher
vorstellbar, dass sogar die EU-Umweltverwaltung an einer Wasserentnahme im
Listland Anstoß nehmen und einschreiten würde. Auch Naturschutzverbände sind wären bereit, Klage einzureichen.

Auf die Frage eines Vorstandsmitgliedes der NSG an die beiden Herren der EVS, inwieweit sie diese Warnungen denn auch mit Nachdruck öffentlich machen würden, antwortete EVS Leiter Wember, dass das nicht die Aufgabe der EVS sei. Die Aufgabe der EVS sei einzig und allein die stetige Gewährleistung der Trinkwasserversorgung. Um die Interpretation der Zahlen, die die EVS ermittelt und die politische Implementierung von Massnahmen,  müssten sich andere kümmern.

 

Lothar Koch

 

Schöpferisches im Keitumer Schöpfwerk

Sonderveranstaltungen im Alten Schöpfwerk in Keitum: „Natur triff Kultur“IMG_1311

 „Unsere Sonderveranstaltungen richten sich an alle, die gleichermaßen an Natur und Kultur interessiert sind und wir freuen uns auf fünf exklusive Veranstaltungen im Keitumer Schöpfwerk“ sagt Esther Lutz von der Schutzstation Wattenmeer.

Seit März 2018 können interessierte Gäste die neue Nationalparkstation im Alten Schöpfwerk in Keitum am Deich besuchen und bestaunen. Anlässlich des Eröffnungsjahres starten nun ab Juni fünf exklusive Sonderveranstaltungen in der gemütlichen Vogelwärterstube bei Tee und Kerzenschein.

28.6. Lesung und Diskussion
Den Auftakt macht der Sylter Meeresbiologe und Autor Lothar Koch am 28. Juni um 20:15 Uhr. Er  liest Passagen aus seiner durchgeknallten Insel-Utopie „SYLTopia“  und beantwortet Fragen rund um die Sylter Politik. „SYLTopia“ ist eine transformative Reise ins Sylt des Jahres 2050 – eine Utopie, stets entlang des wahrscheinlich Möglichen.

09.08. Beobachten und Zeichnen
Am 09. August gibt es gleich zwei Events im Schöpfwerk: von 14- 18 Uhr sind alle Laien und Nicht-Laien zu einem Workshop eingeladen in dem der eigene Blick für´s Detail geschärft werden kann. Unter der Leitung der Künstlerin Nathalie Lutz können alle Teilnehmer*Innen die Natur beobachten, zeichnen und auf sich wirken lassen.

09.08. Singen und Texten
Um 20:15 Uhr wird es dann bunt und musikalisch. Die Freiwilligen der Schutzstation Wattenmeer präsentieren auf der kleinen Vogelwärterbühne ihre Singer-Songwriter Talente, denen Sie bei einer Tasse Tee lauschen können.

16.08. Lesung und Diskussion
Am 16. August um 20:15 Uhr wird Edda Raspé von der Naturschutzgemeinschaft Sylt aus der beeindruckenden Biografie der Sylter Umweltaktivistin Klara Enss vorlesen und über aktuelle Möglichkeiten des Engagements für Sylter Natur und Umwelt sprechen.

19.09. Vogelstimmen und Spezialwissen
Während der Hochsaison des Vogelzugs können Sie am 19. September um 18:30 Uhr bei „Vogelstimmen und Ambiente“ einen informativen und stimmungsvollen Abendspaziergang am Nössedeich mit professionellen Ornithologen erleben.

Zu allen Veranstaltungen, die Sie am besten per Fahrrad besuchen,werden heiße und kalte Getränke serviert und eine Spende von 12€ erbeten. Der Erlös kommt zu 100% der Schutzstation Wattenmeer zu Gute.

Arche Wattenmeer- Tag der offenen Tür in Hörnum

Tag der offenen Tür in der Arche Wattenmeer am 27. Mai 2018

Arche_außenDie Schutzstation Wattenmeer lädt am Sonntag, den 27. Mai, alle Hörnumer Bürger und Sylter Gäste zu einem Tag der offenen Tür von 10.00 bis 18.00 Uhr in die Arche Wattenmeer ein. Der Eintritt in die Nationalparkausstellung ist während des gesamten kunterbunten Programms kostenfrei.

Einer der Höhepunkte ist in diesem Jahr die neuartige Indoor-Wattwanderung. Auf dieser Erlebnistour können die Gäste trockenen Fußes auf verschiedenen Stationen die Tier- und Pflanzenwelt des Weltnaturerbes erkunden. Die Erlebnistour ist jeweils von 10:00 bis 12.00 Uhr und von 13.30 bis 16.00 Uhr begehbar. Besonders findige Wattgänger können dabei sogar Preise gewinnen.

Eine Führung durch die Ausstellung und eine Stunde voller Spiele über das Leben im Watt stehen ebenfalls auf dem Programm. Viele Lacher und einige Überraschungen sind garantiert, wenn die Arche- Freiwilligen ihr Theaterstück um 16.15 Uhr zur Aufführung bringen, dass sie extra für den Tag der offenen Tür einstudiert haben.

Nach einer Strandwanderung und der Fütterung der Aquarientiere gibt um 18.00 Uhr Biologe Rainer Borcherding einen faszinierenden Einblick in die Welt der Muscheln und Schnecken im Nationalpark. Das Café Leuchtturm sorgt durchgängig mit Kaffee, Tee und reichlich Wattkuchen dafür, dass der Tag garantiert keine trockene Veranstaltung wird.

Eine Ausstellung über Pottwale runded dass interessante Programm ab.

Arche Wattenmeer

Rantumerstr. 33, 25997 Hörnum / Sylt, Telefon: 0 46 51/88 62 229

Grüne räumen bei der Kommunalwahl 2018 in Sylt ab

vorläufig amtliches Wahlergebnis der Gemeinde Sylt. Quelle: Gemeinde Sylt

Kommunalwahl 2018: vorläufig amtliches Wahlergebnis der Gemeinde Sylt. Quelle: Gemeinde Sylt

Bündnis 90/Die Grünen sind die Gewinner dieser Kommunalwahl in der Gemeinde Sylt. Abgesehen von den Insulanern und der Zukunft, die unter “Sonstige” zusammengefasst werden, sind die Grünen die einzige Partei, die gegenüber 2013 zugelegt hat und das gleich um knapp 5 %. Die Wähler haben das Engagement im Verlaufe des vergangenen Jahres und die Aufstellung und Aktivitäten ausgewiesener Inselkenner offenbar honoriert.

Einen absoluten Senkrechtstart legten die Grünen in der Gemeinde List hin. Hier erreichte die erstmalig aufgestellte Partei aus dem Stand 10,9 %. Leider hat die CDU jedoch die absolute Mehrheit, sodass auch in dieser Legislaturperiode keine erheblichen  Kursänderungen mit einem grünen Sitz zu erwarten sind.

Ergebnisse von 2013 und 2009

Ergebnisse von 2013 und 2009

Sylter Grüne blicken mit Konstantin v. Notz über Sylter Tellerrand

Bundestagsabgeordneter Konstantin von Notz informiert sich auf Sylt „ganz oben“ und wird mit Themen des Insel,- Meeres- und Klimaschutzes vertraut gemacht.

von links n. rechts: Konstantin v. Notz, Lothar Koch, Dennis Schaper, Dr. Roland Klockenhoff auf der Aussichtsdüne List

von links n. rechts: Konstantin v. Notz, Lothar Koch, Dennis Schaper, Dr. Roland Klockenhoff auf der Aussichtsdüne List

Von der Aussichtsplattform nahe der Weststrandhalle List auf Sylt schweifen die Blicke des MdB Konstantin von Notz und der beiden Grünen Insel-Experten Lothar Koch und Dr. Roland Klockenhoff nach einem kräftigen Gewitterguss über Dünenlandschaft, Nordsee und Wattenmeer.

„Von hier hat man eine ganz andere Perspektive auf die Republik, als aus einem Abgeordneten Büro in Berlin“ sagt Konstantin von Notz. Hier weht der Wind von vorn und Naturgewalten stehen ganz real im Vordergrund, nicht die virtuellen Landschaften der Social Medias und Datennetze, für die von Notz Grüner Experte ist und über die er am Vorabend ausführlich in vollem Saal in Westerland berichtete.

Dr. Roland Klockenhoff , Grünen-Kandidat der Gemeinde Sylt erläutert anhand eines der ersten Naturschutzgebiete Deutschlands (NSG Nord Sylt, 1923) die Sylter Problematik: „Die touristischen Wachstumsgrenzen sind auf Sylt bereits überschritten. Unser Trinkwasser wird knapp. Das kann sich in wenigen Jahren fatal auf zahlreiche geschützte Pflanzen- und Amphibienarten in dieser Dünenlandschaft auswirken und letztlich auch für die Sylter. Die Sylter Wasserversorgung ist laut EVS mit bestehenden Brunnen nur noch für etwa 5 Jahre gewährleistet. Es gibt weit und breit, keine „Nachbarn“ die der Insel Trinkwasser in den erforderlichen Mengen liefern könnten, auch nicht am Festland. Der Wasserverbrauch steigt von Jahr zu Jahr. Die EVS geht anhand des Tagesverbrauches an Grundwasser von 230 000 Menschen in der Hochsaison aus, die gleichzeitig auf der Insel sind. Viel zu viele! Und der Tourismus will das noch steigern.“

Lothar Koch richtet die Aufmerksamkeit des Abgeordneten auf das offene Meer: „Wir blicken auf die grössten Naturschutzgebiete Deutschlands: Das Walschutzgebiet im Nationalpark und das ganz neue NSG „Sylter Aussenriff“ (seit Dez. 2017). Die Meeresschutzgebiete sind das Ergebnis jahrzehntelanger Forschungsarbeit, naturschutzpolitischer Aktivitäten von Umweltverbänden und grüner Politik. Gerade jetzt dürfen wir in Berlin nicht nachlassen auf die aktuell laufenden Ressortabstimmungen um die Managementpläne des vor sechs Monaten ausgewiesenen NSG Sylter Aussenriffs einzuwirken. Sonst bleiben die Meresschutzgebiete „Papier-Parks.“ Sylt hat ein grosses Interesse daran, dass das Meer vor seiner Haustür bestmöglichen Schutz erfährt“. Dazu gehört ein räumliches Zonierungskonzept und insbesondere, dass die Lücke der Notschlepper-Bereitstellung bei den nordfriesischen Inseln in unmittelbarer Nähe des NSG zu schließen ist. Auch die lauten militärischen Aktivitäten müssen überprüft und den Anforderungen eines Naturschutzgebietes für Kleinwale und Seetaucher angepasst werden. Die Fischerei sollte aus dem NSG ganz herausgehalten werden und der Windpark Butendiek mit Auflagen immer Seevogel-verträglicher gemacht werden. Immerhin raubt er derzeit den geschützten Seetauchern rund 20% ihres Lebensraumes und das in einem eigens für diese Tiere ausgewiesenen Schutzgebiet.“

DSCN3224Am lister Strand bewegt sich die Gruppe zum Rohr der Sandvorspülung. Hier haben Winterstürme rund 20 m Dünen und tausende Tonnen Sand weggeräumt. Der soll nun wieder vorgespült werden. „Sylt braucht auch in Zukunft diesen Sand um weiter zu existieren. Das muss ganz klar im Bund kommuniziert werden, der den Löwenanteil der Gelder trägt.“ sagt Roland Klockenhoff. „In Zukunft werden wir weitere Mittel für die Ostseite der Insel brauchen.“ Dieses Jahr werden es 5 Millionen Euro sein. Das sind auch Kosten des Klimawandels. „Klimaschutz ist also Küstenschutz!“ meint Lothar Koch. Grüne Politik muss daher weiter an der Reduzierung klimaschädlicher Abgase dran bleiben. „Das gilt auch für die Sylter Kommunalpolitik“, sagt die Lister Grüne Margot Böhm. „Wir brauchen endlich eine E-mobile Verkehrswende auf Sylt, statt lange Autostaus zwischen Westerland und Kampen. Weit über eine Million Autoverladungen/Jahr verkraftet eine Insel einfach nicht, die mit gesunder Luft wirbt.“

Weniger Meter später stossen die Grünen Strandwanderer auf angetriebene Plastikteile. Für Margit Ludwig von der Naturschutzgemeinschaft Sylt und Dennis Schaper von der Schutzstation Wattenmeer leider ein vertrautes Bild. „Es gibt unter den über tausend Naturexkursionen, die wir Sylter Verbände mit Erwachsenen und Kindern durchführen, kaum eine mehr, auf der wir zwischen Muscheln und Schnecken nicht auf Wohlstandsmüll stossen“ sagt Margit Ludwig. Und Dennis Schaper ergänzt: „Robert Habecks Plastik-Steuer dürfte der wirkungsvollste Weg sein, endlich die Plastik-Wegwerf-Flut einzudämmen. Auf der Insel sollten Sylter Unternehmer und Gemeinden endlich für Plastik-Müll -freie Veranstaltungen sorgen!“

„Wegen der militärischen Übungen in Meeresschutzgebieten der Nord-und Ostsee werden wir Grünen eine Anfrage bei der Bundesregierung stellen“ verspricht v. Notz zum Schluss und: „Die Kommunalwahl auf Sylt nächstes Wochenende werde ich genau verfolgen- Eure Naturschutzschaktivitäten auf der Insel können gar nicht hoch genug bewertet werden!“

 

NaturReporter informiert MdB Konstantin von Notz auf Sylt

notzplakat

Sylt-Grüner Frühling bei 55° mit dem Bundestagsabgeordneten Konstantin von Notz 

Bundestagsabgeordneter Konstantin von Notz informiert sich auf Sylt „ganz oben“ und berichtet  in Westerland aus seinen Fachgebieten.

 Auf Einladung der Sylter Grünen kommt Konstantin von Notz, der Grüne Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende, am 29.04.2018 auf die Insel. Als ordentliches Mitglied im Innenausschuss und im parlamentarischen Kontrollgremium oder auch aus seiner Arbeit in der Kommission für den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken und –Medien, gibt es interessantes und aktuelles aus Berlin zu berichten.

 Bei Wein, Käse & ner These ins Westerländer Podium

Am Sonntag den 29.04.18 um 19 Uhr laden dazu die Sylter Grünen ins Podium/Westerland (über Alter Kursaal) ein.

Bei „Wein, Käse & ner These“ haben SylterInnen und UrlauberInnen die Möglichkeit, mit dem Bundestagsabgeordneten und den Sylter Grünen ins Gespräch zu kommen und über bundes- und kommunale Belange zu diskutieren.

 Natur und Umwelt mal ganz Oben

 Am Montag den 30.04.18 können interessierte BürgerInnen von  10 – ca. 11:30 Uhr an einem gemeinsamen natur- & umweltpolitischen Strandspaziergang mit Konstantin v. Notz und dem Sylter Biologen Lothar Koch und dem Grünen Kandidaten Dr. Roland Klockenhoff  teilnehmen. Der Treffpunkt liegt nördlich des 55 Breitengrades in List an der Weststrandhalle (Wonnemeyer/List).
Die Sylter Grünen haben dieses Jahr erstmalig neben der Gemeinde Sylt auch in der Gemeinde List KandidatInnen zur Kommunalwahl am 6. Mai aufgestellt. Ein Grund mehr, den Grünen Bundestagsabgeordneten mit der Schönheit der Sylter Naturlandschaft in der nördlichsten Gemeinde Deutschlands bekannt zu machen.

Auf diesem Spaziergang sollen vor allem Themen des Natur- und Umweltschutzes angesprochen werden, die sowohl für Sylt als auch von bundesweiter Bedeutung sind.

 

 

 

Total versiebt- Baustelle Lanserhof und der Küstenschutz

Sandmassnahme Blidselbucht

Sandmassnahme Blidselbucht

Seit Monaten können wir zuschauen, wie riesige Mengen Dünensand von einem großen Grundstück in List, nahe des Wattenmeeres abgetragen werden. Hier entsteht eines der teuersten Wellnesshotels der Republik: der Lanserhof. Die Kurklinik wird nahe des Arosa- Hotels, auf dem ehemaligen Gelände der Bundeswehr gebaut, das schliesslich von der BIMA veräussert wurde.

Der Eingriff in die Dünenlandschaft ist zulässig, weil es sich um ein Bebauungsgebiet handelt. Naturschutzverbände wurden nicht zur Bewertung des Vorhabens hinzugezogen, wie es sonst oft üblich ist, wenn in Heideflächen massiv eingegriffen wird. Bei der Baumassnahme fallen rund 70 000 Kubikmeter Dünensand an, die normalerweise als ans Festland transportiert werden müssten. Der Landschaftszweckverband und das LKN (Küstenschutzbehörde) machten dem Baukonsortium jedoch einen lukrativen Vorschlag: “Wenn ihr uns den guten Dünensand für Küstenschutzzwecke an der Ostseite der Insel kostenlos zur Verfügung stellt und an Ort und Stelle abliefert, spart ihr euch den kostenträchtigen Transport über den Hindenburgdamm.”

Hintergrund ist die richtige Überlegung, dass die Erosion auf der Ostseite fortschreitet und dort statt mit Beton eben auch, wie bei den Sandvorspülungen an der Westseite, gezielt Sandersatz vorgespült werden könnte.

Sandmassnahme Munkmarsch

Sandmassnahme Munkmarsch

Gesagt getan. Eine sylter Baufirma wurde seitens des Lanserhofes beauftragt, den Aushub nach Munkmarsch und in die Blidselbucht zu transportieren. Voraussetzung war jedoch, dass es guter feiner, vorgesiebter  Dünensand sei.

Nun stellte sich raus, dass die Firma sich versiebt hat. Offenbar sind grössere Mengen Bauschutt in dem Sand verblieben, der jetzt durch den starken Ostwind am Ufer des Nationalparks freigeweht wurde. Jede Menge Sand liegt jetzt in den Vorgärten der Munkmarscher und jede Menge Bauschutt am Wattufer. Darüber, wie der Dreck in den kommenden Monaten abgeräumt werden könnte, zerbrechen sich jetzt wohl einige den Kopf. Dass das LKN nicht von vornherein Sandfangzäune installierte ist erstaunlich, denn Erfahrung hat diese Behörde eigentlich genug.

Fazit: für so einen sensiblen Standort wie das Naturschutzgebiet Wattenmeer/Nationalpark Wattenmeer wurde seitens des LKN (Meeresschutzbehörde) nicht sorgfältig genug geprüft.

 

Lothar Koch

Naturschutz auf Sylt, Folge 6: Der Nössekoog – das grüne Herz von Sylt

Nössekoog Übersicht

In einer Serie stellt die Naturschutzgemeinschaft Sylt und die Söl’ring Foriining das Thema „Natur auf Sylt“ in seiner ganzen Bandbreite in der Sylter Rundschau dar. Erschienene Artikel werden auf natuerlichsylt.net veröffentlicht und archiviert. Es werden Institutionen und Vereine vorgestellt und auch  Menschen, die sich für die Sylter Natur einsetzen.

In der sechsten Folge gibt Dr. Thomas Luther, Vogelexperte und Augenarzt auf Sylt,  einen Überblick über die Entwicklung des Nössekooges (Tinnumer Wiesen).

 

 Von Tränkekuhlen, freiem Horizont und Kampfläufern

„Lasst uns zu den Kampfläufern fahren!“ – Früher haben viele Sylter ihre Kinder eingepackt und sind in die Wiesen zwischen Tinnum und Morsum gefahren, um im Frühjahr ein ganz besonderes Schauspiel zu beobachten: das Balzturnier des Kampfläufers. Hier lieferten sich auf den feuchten Wiesen zwischen Wollgrasbulten die ganz verschiedenfarbigen Männchen mit aufgestellten Halskrausen einen wilden Kampf um die Weibchen. Es flogen die Federn, als in hoher Geschwindigkeit gesprungen, ausgewichen und umherstolziert wurde. Leicht war es, diese Turniere mitzuerleben, da sich die Vögel auf den immer gleichen traditionellen Plätzen einfanden.

Kampfläufer

Das ist nun schon dreißig Jahre her, dass hier der letzte Kampfläufer seine Jungen aufzog, er ist inzwischen in Deutschland als Brutvogel fast komplett ausgestorben. Dennoch ist der Nössekoog noch immer ein sehr bedeutendes Brutgebiet für andere bedrohte Wiesenvögel.

Dieses grüne Stück Land, das sich von den Ostdörfern nach Süden hin bis zum Wattenmeer erstreckt ist 1936, auch im Zuge der Entstehung des Rantum Beckens eingedeicht worden. Es ist Marschland. Die alten Priele, die nun als Entwässerungssiele die Wiesen durchziehen und die Warften, auf denen viele der alten Häuser noch ruhen, erinnern an den früher regelmäßigen Kontakt mit der Nordsee.

Im Auto, bei Tempo 100 auf der Bäderstraße, lässt sich dieses Terrain nicht hinreichend erschließen. Wenn man zu Fuß oder auf dem Fahrrad unterwegs ist und sich Auge und Ohr langsam wirklich öffnen, der Morgennebel noch über den Flächen liegt, dann beginnt sich der Zauber dieser auf den ersten Blick eintönigen Wiesenlandschaft zu entfalten.

Über die Jahre wurde hier das anfänglich umgebrochene Ackerland vermehrt wieder zu Grünland, da durch die Nässe in den Niederungen der Ertrag zu gering und der Aufwand zu groß war. Heutzutage werden die Flächen größtenteils als Weideland für Robustrinder und Pferde und zur Heumahd genutzt. Im Gegensatz zum Watt oder zur Dünen- und Heidelandschaft ist der Nössekoog also keine Natur- sondern eine Kulturlandschaft, der erst durch die menschliche Nutzung zu diesem einzigartigen Lebensraum werden konnte. Regelmäßige, behutsame, also extensive landwirtschaftliche Nutzung ist absolute Grundvoraussetzung zum Fortbestehen dieser Landschaft. Würde sie unterbleiben, wüchsen innerhalb weniger Jahre Gebüsche und Gehölze so hoch, dass der ursprüngliche Charakter mit seinen freien Sichtachsen mit ungehindertem Horizontblick für Mensch und Tier verloren gehen würde.

Und dieser freie Blick über weite Distanzen ist unabdingbar für das Überleben der vielen seltenen Vogelarten. Zu den in Europa am stärksten gefährdeten Vogelgattungen, die eben gerade im Nössekoog beheimatet sind, gehören die Wiesenvögel wie Kiebitz, Austernfischer, Rotschenkel, Bekassine und Uferschnepfe. Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten auf dem Festland durch Intensivierung der Landwirtschaft, Trockenlegung und Umwandlung von Grünland in Ackerland (zum Beispiel zum Anbau von Mais zur Biogasgewinnung) sehr viele ihrer angestammten Brutgebiete verloren. Die Einbrüche sind verheerend, viele Wiesenvogelarten haben in den letzten dreißig Jahren über 90% ihres Bestandes eingebüßt. Viele Arten sind in Mitteleuropa ausgestorben oder stehen kurz vor dem Aussterben.

Der Nössekoog gilt als eines der zehn wertvollsten Gebiete für die Uferschnepfe Uferschnepfelandesweit. Während auf dem Festland die meisten der für die Wiesenvögel wichtigen Gebiete unter Schutz stehen, gilt für den Nössekoog weder Natur- noch Landschaftsschutz. Das Besondere ist hier, dass Landwirte freiwillig Wiesenvogelschutzprogrammen beitreten, in denen Düngung, Menge des Viehbesatzes und Mähtermine geregelt sind. Jäger verzichten aus freien Stücken auf Aufforstung; Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte auf der Insel werden hier umgesetzt, der Bauhof reduziert die Gebüsche an den Wegen, um den ursprünglichen Charakter dieser Landschaft zu erhalten.

Es werden sogenannte Tränkekuhlen angelegt – flache Wasserstellen in den Wiesen, um das Nahrungsangebot für Jungvögel zu erhöhen, aber auch den selten gewordenen Amphibien  wie zum Beispiel dem Moorfrosch eine Heimstatt zu geben.

Der Bruterfolg aller Wiesenvögel in den letzten Jahren war sehr gering. Daher ist es so wichtig, die Chancen zur Aufzucht der Jungen zu verbessern. Jäger versuchen die Bestände der Bodenfeinde zu begrenzen und Nistmöglichkeiten für Krähen und Greifvögel sollten gar nicht erst entstehen.

Werden Schutzmaßnahmen konsequent umgesetzt, zeigen sich zum Beispiel am nahen Festland schon wieder erste Erfolge. Vielleicht können wir demnächst auch wieder unseren Kindern zurufen: „Lasst uns zu den Kampfläufern fahren!“

 

Zwischen Dieselporsche-Trecker und Wasserstoffboot klafft eine erschreckende Lücke

Radspuren auf Verkehrsstrassen könnten helfen, Autos zurückzudrängen und Radler zu fördern.

Sylt kommt nicht auf Spur bei E-Mobilität und umweltverträglichem Tourismus

Während die Republik noch hitzig darüber diskutiert, wie mit dem Urteil des BVerG zum Dieselverbot umzugehen sei, reagiert Sylt sofort: Die Rundschau berichtet im locker-flockigen Unterhaltungsstil, (völlig unkritisch, wie über eine Theateraufführung), dass für den Mai erstmal ein Innenstadt-Corso von alten Diesel-Porsche-Treckern geplan seit, die ihre Abgase bis auf die Strandpromenade ausfahren dürften.

Ähnliches sind wir ja schon vom jährlichen Harley-Treffen gewöhnt. Gehört das zur “zielgruppenorientierte Markenpflege” des Sylter Strategiekreises für den Tourismus?
Gleich in der folgenden Ausgabe von heute gibt es dann in der SR das denkwürdige Statement: “Sylt wird zum Vorreiter in der Elektromobilität”-es folgt ein Artikel über verschiedene Firmen, die zu den Klimatagen ihre neuen “Spielzeuge” aus der Wasserstofffahrzeug-Technik vorstellen wollen. Allesamt Prototypen, die noch jahrelang entfernt von einer Serienproduktion sind. Dazwischen klafft ein verkehrspolitischer Abgrung in der Realität, was die Infrastruktur für Elektromobilität auf der Insel angeht.
Eine beschämend kleine Anzahl von E-Mobilien ist hier gemeldet und das Netz von Lademöglichkeiten lückenhaft und teuer. In Sachen Umsetzung lang geplanter Verkehrs-und Radwegekonzepte schleicht Sylt jedoch wie eine Schnecke im Rückwärtsgang.
Zum Thema “Diesel-Urteil” gab es von den Insel-Grünen deshalb kürzlich folgendes Statement:
“Wir begrüßen das höchstrichterliche BVG-Urteil, Fahrverbote zu ermöglichen und damit als Gemeinden notfalls handlungsfähig zu werden.
Das hohe Gerichte bezeugt, dass Gesundheitsgefährdung durch Autoverkehr entsteht. Grenzwerte sind jedoch meist politische Kompromisse und werden nicht unbedingt an der best-möglichen Gesundheitsqualität festgelegt.
Genau damit der macht Sylt aber Werbung: „Die Sylter Luft ist wie Champagner“ heisst es da. Zahlreiche gesundheitsfördernde Angebote für die Atemwege, sind in den Sylt-Prospekten zu finden. Alle Insel-Gemeinden in Strandnähe sind offizielle Nordseeheilbäder und Luftkurorte.
Gleichzeitig rollen pro Jahr über eine Million PKW und eine unbekannte Menge LKW über den Hindenburgdamm, zusätzlich 70 000 Autos über die Römö Fähre und 15000 insulare Fahrzeuge.
Die Züge selbst sind unglaubliche Diesel-Dreckschleudern, die Millionen von Litern allein auf der Autozugstrecke pro Jahr verbrauchen und einen Teil zwischen Morsum und Westerland abgasen. Wir Grünen fordern  vor dem Hintergrund der aktuellen Rechtslage möglichst bis Pfingsten :
Die Einrichtung von Luft-Messstellen an den Verkehrsbrennpunkten der Insel und eine transparente Auswertung und Veröffentlichung der Daten.
Dabei geht es gar nicht um die Frage, ob die  gerichtlich vorgegebenen Grenzwerte eingehalten werden, sondern darum, ob die Sylter Luft dem Anspruch der gesundheitsfördernden insularen Angebote des Tourismus über das Jahr entspricht.
 Wie gut jetzt ein Instrument zu haben, den überbordenden Autoverkehr notfalls in seine Schranken weisen zu können.
Die gemeinsame Aufgabe von Politik und Verwaltung bleibt nun, das längst verabschiedete Verkehrskonzept umzusetzen.
Weiterhin ist alles dran zu setzen, dem Busfahren Vorrang zu gewähren, die Elektrifizierung der Busflotte zu unterstützen,sowie die Subventionierung des kerosinlastigen Flugverkehrs zu überdenken.”
Lothar Koch