Autorenlesung „Syltopia“ sorgte für Wirbel auf Norderney

Sylt und Norderney-die Probleme ähneln sich…

 

MitgliederInnen der BI "Lebenswertes Norderney" zeigen Ihre Transparente

MitgliederInnen der BI “Lebenswertes Norderney” zeigen Ihre Transparente

Vor der alt-ehrwürdigen Bibliothek im Conversationshaus zu Norderney entrollten am Freitag Abend den 13.7. AktivistInnen der Bürgerinitiative „Lebenswerte Insel Norderney“ ihre Transparente auf denen Slogans wie „Stoppt den Ausverkauf der Insel“, „Keine weitere Naturversiegelung und bauliche Verdichtung“ oder „Für stadtnahes Grün“ zu lesen war. Die BI setzt sich seit Monaten dafür ein, dass der Stadtrat sich gegen die  mit 22 Wohneinheiten geplante Bebauung einer Brachwiese mitten im Stadtzentrum entscheidet. Der von Norderneys Grünen in die Bibliothek eingeladene Juister Autor, Lothar Koch freute sich sichtlich über die flankierende Aktion zu seiner Lesung aus dem Roman „Syltopia“.

Lothar Koch liest im Conversationshaus zu Norderney aus "Syltopia"

Lothar Koch liest im Conversationshaus zu Norderney aus “Syltopia”

„Dass Insulaner sich für die Natur, die Lebensqualität der Einwohner und die Authentizität ihrer Insel einsetzen ist genau das Thema meiner kritischen Doku-Fantasy „Syltopia“, sagt Koch. Der auf Juist aufgewachsene Biologe lebt seit dreißig Jahren auf Sylt und begleitet die Politik der grossen Nordseeinsel als engagierter Umweltschützer. „Ob Sylt, Juist, oder Norderney: Viele aktuelle Probleme ähneln sich, meint Koch: Drastisch gestiegen Grundstückspreise und Mieten lassen Insulaner abwandern. Geburtenstationen schliessen und tragen so zum „Aussterben“ echter Insulaner bei. Eine Verdichtung der Bebauung in den Dörfern, immer schnellere Bettenwechsel für Kurzurlauber, Schwächung der örtlichen Infrastruktur und Nachbarschaft durch immer mehr leerstehende Häuser, die als reine Spekulationsobjekte gebaut werden und in kleinen Dörfern auch eine zunehmende Überfremdung durch Servicepersonal aus dem Ausland, drohen ein authentisches Urlaubserlebnis und die Lebensqualität Alt-Eingesessener zunehmend zu belasten.“

Die meisten der fünfzig Zuhörer zeigten sich begeistert von dem utopischen Roman des 58jährigen Insulaners, der mit einer Revolte auf Sylt beginnt und einer Vision von einem entschleunigten, entspannten und lebenswerten Inselparadies endet. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele Parallelen zwischen Sylt und Norderney gibt“ sagte Karin Rass von den Grünen, die mit dem Autor zuvor eine „umweltpolitische Inselführung“ gemacht hatte. „Es ist motivierend und gut zu wissen, dass sich auf Norderney und auch auf anderen Inseln wieder mehr Einheimische für ihre Insel engagieren.“

 

Syltopia- Total durchgeknallt- Revolution auf der Insel

364 Seiten, 14,9 Euro

von Lothar Koch, Clarity Verlag

ISBN 978-3-00-049308-9

www.syltopia.de

 

Grüne Meerringelwürmer verabreden sich und sterben am Strand

Tanz der “Seeschlangen” 

Meerringelwürmer treiben in Neumondnächten im April/Mai an die Strände

Meerringelwürmer treiben in Neumondnächten im April/Mai an die Strände
Foto: L.Koch

 Besonderes Naturphänomen im Nationalpark Wattenmeer

Am Sonntag und Montag konnten Strandspaziergänger auf Sylt und Föhr ein ganz besonderes Naturschauspiel beobachten: den Laichtanz des Grünen Meerringelwurms (Bereis virens). Zu Hunderten wurden die zwanzig bis vierzig Zentimeter langen Borstenwürmer entkräftet an den Strand gespült, nachdem sie in der Nacht zuvor ihr Laichgeschäft erledigt hatten.

„Nur in einer einzigen Nacht im Jahr steigen alle männlichen Grünen Meerringelwürmer zur Meeresoberfläche empor“, berichtet Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer. Auslöser ist der erste Voll- oder Neumond nach dem Erreichen von sechs Grad Wassertemperatur. Dann schwimmen sie stundenlang in wilden Kreisen umher und verteilen ihr Sperma im Wasser. Die Geschlechtszellen regnen zu den Weibchen hinab und befruchten dort die abgegebenen Eier. Die meisten Wurm-Männchen sind nach dem Laichtanz so entkräftet, dass sie an den Strand gespült oder von Fischen und Möwen gefressen werden.

Indem die Würmer sich mit Hilfe von Wassertemperatur und Mondlicht alle in einer Nacht „verabreden“ und gleichzeitig erscheinen, erhöhen sie ihre Überlebenschance. „Fische fressen die Würmer zwar mit Begeisterung, aber sie können sich in der ‚Nacht der tanzenden Würmer‘ nur einmal den Magen mit Würmern vollstopfen“, erläutert Borcherding. Seien alle Fische satt, könnten die restlichen Meerringelwürmer unbehelligt ihren Balztanz im freien Wasser vollführen. Das Laichereignis der Meerringelwürmer war in diesem Jahr offenbar besonders deutlich ausgeprägt, wie einige Meldungen von angespülten Würmern im Webportal BeachExplorer.org zeigen.

Neben den Meerringelwürmern wurden auch einige andere Frühlingsphänomene im Wattenmeer von den über 1.700 Nutzern des BeachExplorers dokumentiert: So strandeten vor der ostfriesischen Küste zwei Große Pfeilkalmare, die zum Laichen in die Fjorde Norwegens unterwegs waren und sich in die Nordsee verirrt hatten. Auf Sylt wurde ein toter Seehase angespült. Dieser einheimische „Kugelfisch“ laicht ebenfalls im Frühjahr und erschöpfte Exemplare werden oftmals angespült. Außerdem sind derzeit überall auf den Wattflächen kleine Gallertkugeln zu finden. Es sind die Eigelege von verschiedenen Borstenwürmern, die im Wattboden leben.

Die Meldung von naturkundlichen Phänomenen ist durch Internet und Smartphone-Apps heute sehr einfach und wird als „Citizen Science“ oder Bürgerwissenschaft bezeichnet. Die Schutzstation Wattenmeer bietet mit der kostenlosen App BeachExplorer die Möglichkeit, alle Arten von Strandfunden anhand von Bildern zu erkennen und dann zu melden. Für die Ostsee gibt es entsprechend den BalticExplorer.

 

Meldung von Strandfunden: https://www.beachexplorer.org/

 Rainer Borcherding, Schutzstation Wattenmeer

Das kanarische „Oster-Ei“: Neuerscheinung auf La Gomera: Bildband & Lesebuch- Die Insel der Delfine

Heute mal etwas Schönes zu einer anderen wunderbaren Insel: La Gomera, die Zweitkleinste der Kanaren:

Buchtitel

Die Neuerscheinung aus Lothar Koch´s ClarityVerlag

 

 

NEUERSCHEINUNG 

Bildband und Forscher-Geschichten von La Gomera
Die Insel der Delfine – Begegnungen auf dem Meer vor La Gomera
vom Meeresbiologen und Walexperten  Fabian Ritter
mit einem Vorwort von Lothar Koch
Der Atlantik um die kleine kanarische Insel La Gomera gilt als eines der artenreichsten Meeresgebiete für Wale und Delfine (Cetaceen) und ist gleichzeitig einer der besten Plätze weltweit, wo man diese faszinierenden Meeressäuger in ihrem natürlichen Lebensraum begegnen kann.
Der Meeresbiologe Fabian Ritter hat nun in einem wunderschönen Bildband die eindrucksvollsten Erlebnisse und Fotografien aus zwei Jahrzehnten Forschungs- und Bildungstätigkeit auf den Kanaren veröffentlicht. Auf über 100 Seiten eröffnet sich Leser*innen und Betrachter*innen die Welt der Wale und Delfine vor La Gomera. Der Autor ist Verhaltensforscher und Walexperte, dementsprechend wird das Buch von der langjährigen Erfahrung mit den Tieren gespeist. Ritter schreibt jedoch nicht im Wissenschaftsstil, sondern erzählt von seinen ganz persönlichen „magischen Momenten“ auf dem Atlantik, bei denen er nicht selten Auge in Auge mit den “Giganten und Akrobaten des Meeres” war.
Fabian Ritter illustriert seine spannenden und interessanten Forschergeschichten mit über 240 Fotos. Dazu gehören fantastische Portraits einzelner Tiere, Darstellungen seltener Verhaltensweisen und immer wieder einfach wunderschön anmutende Fotografien von springenden Delfinen, majestätischen Walen sowie faszinierende Landschaftsaufnahmen La Gomeras.
Ritter kam 1995 als junger Mann auf die kanarische Insel, um Daten für seine Diplomarbeit über Wale zu sammeln. Gleich im ersten Jahr gelangen ihm spektakuläre Unterwasser-Aufnahmen von Schnabelwalen: Die bis heute einzigen Fotos, die ein säugendes Schnabelwal-Kalb dieser scheuen Art zeigen.
Ritter führte  die ersten Forschungen an Walen und Delfinen vor La Gomera durch. Dies mündete auch in der Gründung des gemeinnützigen Vereins M.E.E.R., dessen Vorsitzender er ist. M.E.E.R. setzt sich seit 1998 für den Schutz des Meeres ein und leistet dabei immer wieder Pionierarbeit.(www.m-e-e-r.org)
Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, dass Ritter in „Die Insel der Delfine“ auch nachdenklich Töne anschlägt und darauf hinweist wie wichtig es heute ist, die Meere besser zu schützen. Er versäumt auch nicht in drei speziellen Exkursen neue Konzepte anklingen zu lassen, die sich aus der aktuellen Forschung ergeben: Haben Delfine und Wale Persönlichkeit, Selbstbewusstsein, ja sogar Kultur? Sind sie uns vielleicht ähnlicher, als wir das bisher vermutet haben? Und wenn ja: Was bedeutet das für unseren Umgang mit diesen faszinierenden Tieren?
Inzwischen ist Meeresbiologe Ritter zu einem der engagiertesten Walschützer Europas geworden. International setzt er sich mit M.E.E.R. für die Meeressäuger ein. Außerdem ist er als Campaigner für Whale and Dolphin Conservation (WDC) in nationalen und internationalen Gremien tätig. Darüber hinaus betreut er bei der Internationalen Walfang Kommission (IWC) die Datenbank zur Erfassung von Kollisionen zwischen Schiffen und Walen. Der Insel La Gomera ist er stets treu geblieben, dort leitet er jährlich Praktikumskurse für Studenten und treibt zusammen mit dem M.E.E.R.-Team das inzwischen preisgekrönte Projekt MEER La Gomera voran.
Der Zusammenklang von Forschungswissen aus erster Hand, den atemberaubenden Fotografien und der Begeisterung eines Biologen, der mit ganzem Herzen bei seiner Arbeit ist, lässt den Leser während der Lektüre selbst zum begeisterten Walbeobachter werden!
Konsequent erscheint auch die umweltfreundliche Produktion (FSC zertifiziertes Papier, mineralölfreie Druckfarben und CO2-neutraler Druck) dieses Bild- und Erzählbandes. Zudem fließt 1.- € pro verkauftem Buch in die Arbeit des gemeinnützigen Vereins M.E.E.R.
Die Insel der Delfine- Begegnungen auf dem Meer vor La Gomera
von Fabian Ritter
mit einem Vorwort von Lothar Koch
 gebunden, Großformat 29,7 x 21 x 1,3 cm
Seiten: 107
Abbildungen: 246, vierfarbig
Preis: 19,95 Euro
Erscheinungsdatum: 21.02.2018
ISBN 9783947274062
Jetzt direkt zu bestellen unter www.syltopia.de, www.clarityverlag.de, oder über jede Buchhandlung in Deutschland.
ClarityVerlag, Sylt
Germany
0049/4651201088
Auf den Kanaren ist das Buch zur Zeit nur im Valle Gran Rey auf La Gomera verfügbar. (El Fotograf, Oceano, Club del Mar, Bioladen Ansiria, Ökotors, Timah, Finca Argayall).
Kontakt zum Autor Fabian Ritter für Interviews und Lesungen:
meer.ritter@web.de
Tel: derzeit auf La Gomera: +34 64210 2482 (auf Gomera nur noch bis 4.4.)
Text auf der Buchrückseite:
 Drei Meilen vor La Gomera
»Weit entfernt der Insel dümpeln wir ruhig auf dem sattblauen Atlantik, um uns herum eine spritzig spielende Delfinschule oder lässig treibende Pilotwale, deren Atemgeräusche rund um das Boot von den Geheimnissen der Tiefe erzählen. Dann der Blick zurück auf das Eiland, das wie eine Fata Morgana mächtig aus dem Dunst aufragt. Seine vulkanischen Felsformationen ähneln von hier aus den Rückenfinnen von Walen und Delfinen. Als wären die herausragenden Basaltgrate eine Jahrmillionen alte Prophezeiung, dass La Gomera die Insel der Delfine ist.«               
Aus dem Vorwort des sylter Biologen und Walschützers  Lothar Koch
Der Sylter Autor und Biologe Lothar Koch ist bekannt für seine Engagement im Nordsee-Wal-Schutz..
Der Meeresbiologe Fabian Ritter 
studiert seit über 25 Jahren Wale und Delfine in der freien Wildbahn. Sein Hauptaugenmerk gilt dabei den Gewässern der kleinen Kanareninsel La Gomera, die eine unvergleichliche Vielfalt an Delfinen und Walen beherbergen. Mit eindrucksvollen Bildern und viel Sachkenntnis, aber auch mit dem poetischen Blick eines Naturliebhabers spricht dieser Bildband aus dem Herzen eines Biologen – voller Begeisterung für das Meer und seine Bewohner.
 

Grüner Dampf über Sylt!

die Tinnumer Biike im Schnee Foto: L.Koch

die Tinnumer Biike im Schnee
Foto: L.Koch

In zwei Tagen ist BIIKE! Das traditionelle Fest der Sylter, Amrumer und Föhrer.

Das bedeutet für ganz viele Haushalte und Restaurants, noch heute den schweren Grünkohlkopf auf den Herd zu ziehen, und mit dem Köcheln zu beginnen. Grünkohl muss lange kochen- sehr lange! Zehn Stunden empfiehlt Spitzenköchin Anja Becker. Deswegen erheben sich ab heute Grünkohlschwaden über der Insel, um für den Abend nach dem Biike-Feuer gerüstet zu sein. Doch halt-nicht nur auf Sylt, sondern überall wo Sylter gerade auftauchen-viele sind im Urlaub in Marokko, auf Fuerte und Bali. Mancher von jenen zückt verstohlen am 21.2. eine Büchse Grünkohl aus dem Koffer, um in der Fremde dem Brauch zu frönen.

Die gebürtige Westerländerin Anja verrät uns heute ihr veganes sylter Grünkohlrezept:

Sylts heiliger Gral: der Grünkohltopf

Sylts heiliger Gral: der Grünkohltopf

500 g gewürfelte Zwiebeln mit 400 g gewürfeltem Räuchertofu in Pflanzenfett anbraten.1500 g kleingehäckselten Grünkohl dazu geben und mit einem halben Liter Gemüsebrühe köcheln lassen. Wer heute beginnt, schafft es durch immer wieder ausstellen und anstellen des Herdes bis zum 21.2. auf zehn Stunden Aufwärmzeit.1500 g kleingehäckselten Grünkohl dazu geben und mit einem halben Liter Gemüsebrühe köcheln lassen. Wer heute beginnt, schafft es durch immer wieder ausstellen und anstellen des Herdes bis zum 21.2. auf zehn Stunden Aufwärmzeit. Dazwischen immer wieder Gemüsebrühe nachgiessen.

Zum Schluss Salz, Pfeffer und Senf unterheben. Heiss mit Bratkartoffeln servieren. Köstlich besonders, wenn es draussen bei der Biike eisig kalt war.

Dazu die Geschichte der Biike. Biike leitet sich von Leuchtfeuer ab (wie engl: Beacon).

Ursprünglich um die Wintergeister zu vertreiben und Wotan zu huldigen. Dann am Vorabend des Petritages zur Dorf-Versammlung, wo Recht gesprochen wurde. Im 17. Jahrhundert tauchten um die Zeit auch die Hamburger und Holländer auf, um starke Burschen für den Walfang im Nordmeer zu rekrutieren. Es war also nicht, wie so oft erzählt,  das Abschiedsfeuer für die Walfänger. (Die waren ja nicht so blöd, mitten im Winter nach Spitzbergen zu segeln).

 

Die BIIKE ist heute UNESCO-Kulturerbe

 

Lothar Koch

 

 

Blauhai am Sylter Strand! Forscher beissen sich an Gebiss fest.

Gestern Abend gegen 20 Uhr meldeten Spaziergänger einen äussert seltenen Fund am Rantumer Strand. Sie waren über einen grossen Fisch gestolpert, der sich tatsächlich als Blauhai herausstellte.

Blauhai gestrandet am 20.12.2017 in Rantum/Tadjem Deel
Foto:SW / Franziska Veit

Eine Vermessung durch MitarbeiterInnen der Schutzstation Wattenmeer ergab eine Länge von 2,25 m. Blauhaie können bis zu 3,5 Meter lang werden. Der rasch informierte Seehundjäger Dietrichsen holte das Tier ab und leitete es weiter zur Untersuchung.

Schutzstation vermisst den Hai. Foto SW/Franziska Veit

Schutzstation vermisst den Hai.
Foto SW/Franziska Veit

Mitarbeiter des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum (Kreis Dithmarschen) holten den Hai bei ihm ab. Inzwischen wurde der Fisch seziert. Mit einer endgültigen Auswertung der Probennahme ist jedoch erst nach Weihnachten zu rechnen. Die Sektion ergab verschiedene innere Entzündungen und Blutungen. Der Hai war offenbar in einer schlechten körperlichen Verfassung gewesen und war vermutlich sterbend in die Brandung geraten, wo er im Todeskampf noch viel Sand schluckte.

Blauhaie bevorzugen Wassertemperaturen von 12 – 21°C, unterhalb von 8°C kommen sie nicht vor. Zum Fundzeitpunkt hatte die Nordsee vor Sylt nur 7° C. Die Strandung passt in das Bild herbstlicher Strandfunde. Im November und Dezember, wenn die Nordsee ungemütlich kalt wird, werden des öfteren exotische Fische aus wärmeren Meeren tot am Strand angespült, weil sie den Temperatursprung nach unten nicht überleben: Schwertfische, Mondfische, 2016 ein Tunfisch, und nun der Blauhai auf Sylt. Blauhaistrandungen sind allerdings im Wattenmeer ausgesprochen selten. Aus den letzten 20 Jahren ist kein Fall in Schleswig-Holstein dokumentiert.

Die Tierärztliche Hochschule in Hannover, die für die Analyse von grösseren Tierstrandungen zuständig ist,  will sich das Gebiss für die Forschung sichern.

Wenn alles erforscht ist, wäre es angemessen, das sylter Hai-Maul in der Arche der Schutzstation Wattenmeer den Tausenden von Schülergruppen, die dort pro Jahr durchkommen, zu präsentieren und zu erläutern. Hoffen wir, dass sich die Forschung nicht zu lange an dem Blauzaigebiss von Sylt festbeisst. Schliesslich werden 20 Millionen der Tiere pro Jahr weltweit kommerziell gefangen, da sollte sicher auch ein No-Name-Gebiss für die Forschung abfallen und die sylter Original-Beisserchen schön auf die Insel zurückkehren.

Blauhaie leben im Nordatlantik – von der Südküste Großbritanniens bis zum Senegal, um die Azoren bis zu den Kanarischen Inseln und den Kapverden wird diese Art gesichtet . In die Nordsee verirren sich nur selten Einzelexemplare und dann eher im Sommer.

Lothar Koch/ Rainer Borcherding/ Schutzstation Wattenmeer

 

 

Wunschliste im Spannungsfeld Naturschutz/Tourismus

wZAObXYUweBgtmeEdV2-xQAm kommenden Donnerstag tagen Naturschützer gemeinsam mit Touristikern der Wattenmeerküste Deutschlands und Dänemarks in Hörnum. Die Fachtagung “Natur & Tourismus” wird von der Nationalparkverwaltung und der Nordsee-Tourismus-Service GMBH (zuständig für die Werbung der gesamten Nordseeküste Schleswig-Holsteins), dem WWF und weiteren Partnern veranstaltet.

Kernvorträge werden seitens der Insel Sylt von Moritz Luft, dem Geschäftsführer der Sylt Marketing Gesellschaft (SMG) und Thomas Vodde, dem Kurdirektor und Projektleiter “Klimainsel Juist” vorgetragen.

Das Nationalparkamt wagt sich mit Martin Stocks Themenvortrag “Salzwiese” aus ihrem Kernbereich Watt ein wenig auf die Insel hinauf, die ja selbst gar nicht Teil des Nationalparkes ist. Bleibt zu hoffen, dass der Vertreter der Uni Hamburg, Herr Martin Döring, mit seinem Exkurs zum “Heimatgefühl” einen Kontrapunkt setzt, der zur angeregten Diskussion über Probleme im Spannungsfeld von Tourismus und Naturschutz auf Sylt und anderen Inseln beiträgt.

Zur Anregung einer lebhaften Diskussion (und weil bald Weihnachten ist)  hier die Wunschliste eines sylter Naturschützers:

Wunschliste an den Tourismus auf den Inseln und an der Küste

Ich wünsche mir…

⁃ eine ehrliche und verlässliche Partnerschaft zwischen Naturschutz und Tourismus
weil der Tourismus weiss, dass die Naturlandschaft mit ihren Lebensformen die notwendige Grundlage für einen Inseltourismus ist und der Naturschutz weiss, dass gemeinsam mit dem Tourismus Forderungen zum Schutz von Natur und Umwelt besser gegenüber Profitinteressen und sonstige Begehrlichkeiten durchgesetzt werden können.

⁃ eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe 
Viele Naturschützer haben derzeit die Wahrnehmung, dass Natur auf der Agenda des Tourismus eine Nische unter vielen ist, die vermarktet wird. Wir sehen den Schutz von Natur und Landschaft jedoch als Querschnittaufgabe und Grundlage für alle touristischen Aktivitäten.

Wir glauben, dass dies auch in den meisten Gremien Konsens ist, spätestens seit Anerkennung der Wattenmeerregion als Weltnaturerbe. Dieser Konsens wird jedoch zu wenig gelebt und zum Ausdruck gebracht. Gelebte Gemeinsamkeit würde für uns heissen, dass touristische Gremien offensiver und mit hoher Priorität Ziele des Natur-, Umwelt- und Klimaschutzes gegenüber anderen Interessen vertreten.

Dazu gehört auch die Wahrnehmung von Wachstumsgrenzen im Tourismus und eine Sensibilität dafür zu entwickeln, welche Veranstaltungen und Massnahmen in ein gutes Miteinander von Tourismus und Naturschutz passen. Diese Sensibilität wird derzeit seitens der Naturschutzseite häufig vermisst.

Konkret wünsche ich mir beispielsweise folgende Massnahmen:

⁃ Durchführung von Nachhaltigkeitskampagnen seitens der touristischen Organisationen (auf Sylt z.B. SMG und des ISTS (und weiterer insularer Tourismuspartner).
Diese sollte sowohl das Außen- wie auch das Binnenmarketing umfassen.

Beispiele: Aussen-Marketing

⁃ gezielte Werbekampagnen um Langzeittouristen zu locken und Kurzzeitgäste zu vermindern

⁃ gezielte Werbekampagne um Urlauber zu überzeugen ihr Auto stehen zu lassen (am Besten schon im Heimatort), bzw. eine Klima- freundliche Anreise zu wählen.

⁃ gezielte Kampagne für eine Plastik-verpackungsfreie-Insel/Küste

⁃ gezielte Aktionen und Anreize für Gäste um klimafreundliches Verhalten auf am Urlaubsortl zu fördern

Beispiele: Binnen-Marketing

⁃ Nachhaltigkeits-Zertifizierung aller touristischen Einrichtungen durchführen

⁃ Nachhaltigkeit-Fortbildungen für alle Mitarbeiter anbieten

⁃ eigene Fuhrparke auf E-Mobilität umstellen

⁃ innovative Ideen zum Thema Verkehr  proaktiv  durchsetzen

(kostenloser ÖPNV, Co2 frei-mobil)

⁃ eigene Veranstaltungen „plastikfrei“ und „CO2-frei“ durchführen

⁃ gezielte Aktionen und Anreize für Mitarbeiter und Partner um klimafreundliches Verhalten zu fördern

⁃ Nachhaltigkeit (Klima, Umwelt, Natur) als hohen Wert in die touristischen Bilanzen mit hineinzunehmen, statt nur Gästezahlen, Bettenzahlen und Gewinne zu betrachten. (Wertewandel)

- Selbstverpflichtung: die Kooperation mit-, die Bewerbung und Gutheissung von …offensichtlich klimaschädlicher/n oder dem Landschafts-/Umwelt-und Naturschutz abträglicher/n Veranstaltungen, Vorhaben und Aktivitäten zu unterlassen.

Proaktiv auf Partner einwirken, das Klimawandelziel umzusetzen (zB. Autofirmen die bei Großveranstaltungen  ausstellen dazu zwingen nur ihre E-mobile vorzustellen).

⁃ umgekehrt „inselfreundliche“ Aktivitäten zu fördern.

⁃ möglichst Win-Win Situationen zu verfolgen-sowohl in Hinblick auf Natur, als auch in Hinblick auf die Lebensqualität der Einheimischen.

Um zu entscheiden, was „inselfreundlich“ ist und was nicht könnte ein Beratungsgremium von Fachleuten unterschiedlicher Richtungen zusammengestellt werden, die ein Leitbild erstellen.

Lothar Koch, Sylter & Juister, Biologe,
aktiver Mitdenker in verschiedenen Naturschutzorganisationen der Insel Sylt
und Autor der tourismuskritischen Utopie Syltopia

Wenn Sylter Träume wahr werden…

IMG_1311Heute wurde wieder eine Idee aus Syltopia, meiner Dokufantasy aus dem Jahre 2050 wahr. Im Roman Syltopia beschreibe ich die Anreise nach Sylt in einem Zeppelin und später auch den Bau von Offshore Windkraftanlagen, die von Last-Zeppelinen transportiert werden.

Heute, am 17.09.2017 landete um 11:15 ein solcher Lasten-Zeppelin am Westerländer Flughafen und machte ein paar Rundflüge mit Passagieren. Ich nutze gleich die Gelegenheit und übergab der Crew des Luftschiffes ein Exemplar Syltopia als Willkommensgeschenk von unserer Insel.

Angesichts der vielen Schwierigkeiten, die Bahn-und Autoverkehr in diesem Jahr für die Insel brachten, wäre eine Fluglinie Hamburg-Husum-Sylt- per Zeppelin ein Segen für die Insel!

Textauszug von Syltopia:
Die Gondel unter dem Luftschiff bot ausreichend Raum für 120 Passagiere. Die loungeartigen Diwans luden ein, sich leger hinein zu fläzen. Die Passagiere konnten sich bequem auf den Bauch legen und durch den glasklaren Boden des Zeppelins den Nationalpark Wattenmeer und die vorüberziehende Küstenlandschaft genießen. Das Luftschiff selbst erzeugte kaum hörbare Fahrtgeräusche.

Lothar Koch

 

 

Ein Inselkind der 1960iger erlebt Sylt heute und schreibt…

 

viele "Kleinigkeiten" verändern das Sylt-Flair (hier:BOS-Sendemast in Naturlandschaft)

viele “Kleinigkeiten” verändern das Sylt-Flair (hier:BOS-Sendemast in Naturlandschaft)

Stefanie Wilke wurde 1964 auf Sylt geboren und verbrachte Kindheit und Jugend auf der Insel.
Heute lebt die  freie Journalistin in Hamburg und schreibt für alle namhaften Magazine (Stern, Amica, Emotion u.a.).
Derzeit arbeitet sie an einem Roman.
Ihre Eindrücke beim Inselbesuch im August 2017 schildert der folgende Auszug, den sie NaturreporterSylt zur Verfügung stellt:

Auszug aus dem Manuskript von „Die Frau mit dem grauen Zopf“,

June war dabei ihre Reisetasche zu packen, nach fünf Tagen auf der Insel war es für sie Zeit, mit der NOB zurück nach Hamburg zu fahren.

„Ich weiß genau wie sich das anfühlt“, antwortete sie. „Mit diesem Gefühl bin ich aufgewachsen, den anderen beim Geld ausgeben zusehen, luxuriöse Autos und Häuser zu bewundern und selbst jobben müssen, den Gästen den Kaffee zu servieren oder ihre Klos zu putzen.“

„Ich trage seit Jahren die abgelegten Klamotten meiner Freunde“, sagte ihre Tochter wahrheitsgetreu.

„Und ich die Kaschmirpullover von Sue in Farben, die sie doppelt hatte“, antwortete June.

Tochter und Mutter lachten. Es goss draußen, es würde ein Aufbruch in Eile werden, beide waren nicht gut im Abschied nehmen, Hektik war ihr Mittel, den Schmerz, der die bevorstehende Umarmung auslösen würde, nicht fühlen zu müssen.

„Heute ist Abreisetag, es wird wieder Stau in Westerland sein“, beschleunigte Greta.

June hatte eine Handvoll ihrer Jugend-Freunde gesehen, zu teuer gegessen, hatte in Westerland auf dem Friedhof an der Dorfkirche die Grabstelle ihres Vaters besucht, ihrer Ziehmutter Elke zum Tod des kürzlich verstorbenen Ehemanns kondoliert, und nur ein mal in der Nordsee gebadet. Sie war wasserscheu geworden. Sie trug den frischen Grundton der Sylter Bräune, die mit noch weiteren drei Sonnen-Tagen ins karibische gewechselt hätte. Wenn hier die Sonne schien und die Temperaturen über 20 Grad anstiegen, gab es keinen schöneren Ort in Europa. Sie lief dann durch das weitläufige Dünental in Richtung Strand und sog die vertraute Melange aus Holzsteg und Heidekraut ein; den Blick an den Horizont geheftet, in naher Ferne die Farbe der Nordsee und den Wellengang prüfend.

Trotzdem, June spürte es in diesem August ganz deutlich – die Insel war dabei, ihren Mythos zu verspielen. Jedes noch so kleine Haus schien in Appartements eingeteilt; die unzähligen Schilder auf den Friesen-Wällen trugen alberne Namen wie White-Sand-Suite, Sea-Shore-Apart-Hotel oder Dünen-Landhaus: alles stand zur Vermietung bereit,  nicht aber für die wenigen verbliebenden Einheimischen.

June sah sie nicht mehr auf ihren Fahrrädern, ein lieb gewonnener und vertrauter Anblick aus der Vergangenheit, sie sah Flotten von Mietfahrrädern oder, viel verstörender, kilometerlange Blechlawinen. Auf dem Weg nach Kampen hatte June eine Stunde im Stau gestanden und beobachtet, wie die Urlaubs-Insassen genervt auf ihre iPhones starrten.

Es gab für Insulaner nicht mal mehr eine Geburtsstation, abgeschafft von der Asklepios-Klinik, dafür aber auf vierzig Kilometer Insellänge eine hoch gerüstete Infrastruktur für den reibungslosen Gästebetrieb, jeder Toilettendeckel ikonografiert mit den Umrissen der „Königin der Nordsee“, deren Natur zwar immer noch der Lockstoff war, deren Potential jedoch von Marketingstrategen zur Glamour-Queen hoch gejazzt worden war. Sylt war jetzt eine Marke, kein Mythos mehr. Ein Mythos, der vor mehr als 60 Jahren begründet worden und jetzt passé war. Ein Künstler- und Individualisten-Mekka, umringt von Heckenrosen, in deren Nischen der Jetset und das alte Geld hockte, ihr lässiges Savoir-vivre im Reizklima zelebrierte und sich weltgewandt anschmiegte an die Gepflogenheiten der Insulaner, die ihnen charmant das Geld aus der Tasche zogen.

Noch während Junes Jugend hatte sich die Waage gehalten zwischen Insulanern, Saison-Arbeitern, Zugereisten mit Immobilienbesitz und den Kurgästen. Am Ende des Tages sprangen sie alle nackt in die Wellen, feierten den Frischluft-Rausch, der sich meist am zweiten Tag einstellte, der hungrig und durstig machte und der für viele rastlose Städter mit süßem Schlaf gekrönt wurde, weit vor der Zeit der Wortschöpfung Wellness. Einatmen, ausatmen, detox-retox, war für die feiernden Gäste ein natürlicher Jungbrunnen – nachts Champagner und Sex, tagsüber Rosé und Flirts. Die Geldbündel wurden zusammen gerollt in der Jeans aufbewahrt oder es wurde angeschrieben, man kannte sich in den einschlägigen Bars, Clubs und Restaurants. Die Zeche wurde, ohne nachzurechnen, bezahlt, ein fettes Trinkgeld obendrauf war Ehrensache, „Bargeld lacht“ war bis zur Jahrtausendwende die Devise der als Gastwirte getarnte Piraten. Und dann kaperten Markenstrategen und Immobilienmakler die Insel und übernahmen das Ruder.

Von Stefanie Wilke, 19. August 2017

Kai Pflaume, das chinesische Staatsfernsehen und eine ornithologische Sensation am Beckenrand

Foro:Thomas Luther

Foto: Thomas Luther

Sylt/Stanley (Falklands): Der Vogel des Jahres dürfte auf Sylt jetzt schon feststehen: Ein Schwarzbrauen-Albatros (SBA), auch Mollymauk genannt, mutmasslich von den Falkland-Inseln im Südpolarmeer. Dessen beeindruckende Flugmanöver werden auf der Insel schon seit Wochen von Ornis (Vogelfreunden) beobachtet. Viele nennen ihn einfach „Molly“. Biologen bezeichen ihn als Thalassarche melanophris. Naturreporter Sylt sprach mit dem sylter Vogelexperten Dr. Thomas Luther über den seltenen Gast:

Moin Thomas, Du hast den Albatros schon lange im Visier. Aus deinem Dachfenster kannst Du ja sogar per Spektiv von Tinnum aus ins Rantum Becken schauen. Seit wann ist der Albatros jetzt schon auf Sylt?

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Albatros im Rantumbecken, Foto: T.Luther

 

TL: Als 2014 das erste Mal seit Jahrzehnten wieder ein SBA im Bereich der Nordsee gemeldet wurde, war ich elektrisiert. Als einer der Ersten in Deutschland fand ich damals die Meldung in einem dänischen Internet-Portal aus Skagen. Danach habe ich mir nach ihm auf Sylt die Augen aus dem Kopf geschau. Allerdings wurde er in seinem ersten Jahr in Deutschland nur auf Helgoland gesichtet. Auch im Jahr 2015 war es mit Sylt keine Liebe auf den ersten Blick. Erst im Juli zog er über Amrum  das erste Mal nach Sylt. Gute Freunde von mir konnten ihn an der Kurpromenade Westerlands und am Königshafen jeweils für einige Minuten sehen.  Ab April 2016 wurde er dann endlich „Sylter Stammgast“ und ist derzeit  hier immer noch zu finden. Die Helgoländer Ornithologen sind verständlicherweise nicht so begeistert, dass der SBA dort nur noch sehr selten vorbei schaut.

Gibt es Theorien, woher der kommt und weshalb er sich auf den langen Weg nach Norden gemacht hat?

TL: SBAs sind die häufigsten Albatrosse, die mit über einer halben Millionen Brutpaaren auf den Falklandinseln, Südgeorgien und anderen südpolaren Inseln brüten. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer dieser Vögel bei Stürmen auf die Nordhalbkugel verdriftet, am größten. Das kommt zwar selten, aber immer mal wieder vor. Als ausgesprochen Thermik-„surfende“ Flieger kommen sie über die windarmen Rossbreiten am Äquator offenbar nicht zurück in ihr Brutgebiet. Deshalb sind sie für den Rest ihres (oft sehr langen) Lebens im Norden gefangen. Ihr Jahresrhythmus passt sich dann auch unseren Gegebenheiten an. Er ist jedoch auf ewig ein „Außerirdischer“, denn er wird unter den heimischen Vögeln nie einen Partner finden.

 Wovon ernährt der sich denn hier?

TL: Es wurden schon zweimal Offshore-Beobachtungen von dem Vogel 7 – 30 km vor Sylt gemacht, allerdings immer nur im Streckenflug. Niemand sah ihn bislang bei der Nahrungsaufnahme (Fischer und Segler vor Sylt: Bitte meldet unbedingt Eure Beobachtungen!). Er wird sich aber wahrscheinlich von Fisch oder Tintenfisch ernähren. Offensichtlich kommt er hier bestens zurecht.

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Albatros mitten zwischen Hockerschwänen im Rantum Becken,  Foto: T.Luther

 Weshalb wird er meist im Rantum Becken gesichtet?

TL: Die bislang dokumentierten längeren Aufenthalte von SBAs gab es nur in Kolonien von Basstölpeln in England und Norwegen, die er in Ermangelung an echten Albatros-Partnern als Ersatz auswählt. Es ist das erste Mal, dass er sich offensichtlich zu anderen großen weißen Vögeln mehr hingezogen fühlt – die Höckerschwäne des Rantum Beckens. Alljährlich sammeln sich hier ca. 100 nichtbrütende Tiere, die seinem Verhalten nach zu urteilen, sehr anziehend auf ihn wirken. Selten „versucht“ er es auch mal bei den Gänsen im Nössekoog „zu landen“. Es ist also die Kombination der hohen Zahl der Schwäne mit der Nähe zur Hohen See, die Sylt für ihn interessant macht.

Weiß man etwas über sein tägliches Flug verhalten?

TL: Es gibt hier keine Regelmäßigkeit. Er scheint im Becken, aber auch vor der Kurpromenade Westerlands zu übernachten. Aber dann gibt es auch Tage, wo er mal Kilometerweit weg schiesst: Ausgerechnet als ich im Mai eine vogelkundliche Führung anbot, um ihn zu beobachten, war er nachweislich gerade mal kurz nach Ostengland gezischt! Auch hat man ihn dieses Jahr für eine Stippvisite schon in Norwegen gesehen. Letztes Jahr ist er die Strecke Sylt – Fair Isle (NO Schottlands, 790 km) in 21 Stunden geflogen. Das Bewegungsmuster deutet immer auf den selben Vogel. Teils am gleichen Tag konnte man ihn auf Helgoland und auf Sylt sehen. Nach solchen längeren Erkundungsflügen hat ihn sein  Bruttrieb aber immer wieder nach Sylt zurück gebracht.

Wie verträgt er sich mit anderen Vogelarten?

TL: Obwohl er von uns Menschen durchaus mit einer besonders dick geratenen Mantelmöwe verwechselt werden kann, scheint er für alle bei uns heimischen Vogelarten sehr exotisch zu wirken. Er wird von allen Möwen attackiert. Wenn er über den Koog fliegt gibt es ein Heidenspektakel unter den Wiesenvögeln. Auch ein Seeadler hat ihn schon angegriffen. Eine Theorie besagt, dass ein Angriff von zwei Seeadlern in Dänemark, der beinahe sein Leben gekostet hätte, ihn bis auf Weiteres dort nicht mehr  nach Partnern suchen lässt.

Wird sich der Albatros hier dauerhaft ansiedeln und vielleicht sogar einen Partner finden um hier zu brüten?

TL: Ich möchte meinen Enkeln den Albatros noch im Rantum Becken zeigen! Er kann (man schätzt ihn als „Teenager“ ein) noch gut und gern 40 Jahre hier auf Partnersuche gehen. Er wird aber wohl immer Single bleiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei SBAs aufeinander treffen ist so verschwindend niedrig, dass dieses Ereignis wohl von Kai Pflaume und dem Chinesischen Staatsfernsehen gleichzeitig übertragen werden würde.

Wo ist der Albatros jetzt gerade?

TL: Gerade in diesen ersten Julitagen bricht er zu seiner eigentlichen Bestimmung auf: Hinaus auf die Weltmeere um zu fliegen, fliegen , fliegen. Niemand weiss, wohin genau. Als perfekter Segler, der den Aufwind jeder Welle ausnutzt wird er nun Zehntausende Kilometer zurücklegen, um im nächsten April wieder auf unserem kleinen Sylt zum Brutgeschäft aufzutauchen. Das geben ihm nun die Hormone vor.

 Fliegt der nie nach Hause zum Südpol?

TL: Er bleibt wahrscheinlich auf der Nordhalbkugel. Vogelforschern auf Helgoland, die gerade Basstölpel mit GPS-Loggern ausrüsten juckte es in den Fingern, den SBA auch zu besendern. Der Albatros hätte dort mit dem Schmetterlingsnetz gefangen werden können, so nahe kam er den Menschen dort am Lummenfelsen. Man hat sich allerdings dagegen entschieden. So werden seine Törns wohl inkognito bleiben.

Welchen Stellenwert hat so eine Sichtung für die Ornis in Deutschland, bzw. an der Küste?

TL: Es ist eine absolute Sensation! Fragt man Ornis von Norwegen bis Israel nach der Seltenheit, die sie in ihrem Leben einmal sehen wollen, so hört man sehr häufig: ALBATROS! Allein in diesem Jahr haben wir Birder aus England, Norwegen, Schweden, Belgien und Holland für den SBA anreisen sehen – teils auch ohne Erfolg. Es gibt Twitcher (Artensammler), die sieben Mal vergeblich nach Helgoland gefahren sind! Natürlich ist es wissenschaftlich gesehen kein weltbewegendes Ereignis, allerdings rührt doch viele Menschen das Schicksal dieses Tieres – 14000 Kilometer von zu Hause, ganz allein. Er ist uns ans Herz gewachsen und es ist so tragisch zu sehen, wie er sein Leben lang scheitern wird, nur um es immer und immer wieder zu versuchen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dr. Thomas Luther (TL) lebt als Augenarzt auf Sylt und ist ausgewiesener Vogelexperte.

Das Interview führte Naturreporter Lothar Koch