Blauhai am Sylter Strand! Forscher beissen sich an Gebiss fest.

Gestern Abend gegen 20 Uhr meldeten Spaziergänger einen äussert seltenen Fund am Rantumer Strand. Sie waren über einen grossen Fisch gestolpert, der sich tatsächlich als Blauhai herausstellte.

Blauhai gestrandet am 20.12.2017 in Rantum/Tadjem Deel
Foto:SW / Franziska Veit

Eine Vermessung durch MitarbeiterInnen der Schutzstation Wattenmeer ergab eine Länge von 2,25 m. Blauhaie können bis zu 3,5 Meter lang werden. Der rasch informierte Seehundjäger Dietrichsen holte das Tier ab und leitete es weiter zur Untersuchung.

Schutzstation vermisst den Hai. Foto SW/Franziska Veit

Schutzstation vermisst den Hai.
Foto SW/Franziska Veit

Mitarbeiter des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum (Kreis Dithmarschen) holten den Hai bei ihm ab. Inzwischen wurde der Fisch seziert. Mit einer endgültigen Auswertung der Probennahme ist jedoch erst nach Weihnachten zu rechnen. Die Sektion ergab verschiedene innere Entzündungen und Blutungen. Der Hai war offenbar in einer schlechten körperlichen Verfassung gewesen und war vermutlich sterbend in die Brandung geraten, wo er im Todeskampf noch viel Sand schluckte.

Blauhaie bevorzugen Wassertemperaturen von 12 – 21°C, unterhalb von 8°C kommen sie nicht vor. Zum Fundzeitpunkt hatte die Nordsee vor Sylt nur 7° C. Die Strandung passt in das Bild herbstlicher Strandfunde. Im November und Dezember, wenn die Nordsee ungemütlich kalt wird, werden des öfteren exotische Fische aus wärmeren Meeren tot am Strand angespült, weil sie den Temperatursprung nach unten nicht überleben: Schwertfische, Mondfische, 2016 ein Tunfisch, und nun der Blauhai auf Sylt. Blauhaistrandungen sind allerdings im Wattenmeer ausgesprochen selten. Aus den letzten 20 Jahren ist kein Fall in Schleswig-Holstein dokumentiert.

Die Tierärztliche Hochschule in Hannover, die für die Analyse von grösseren Tierstrandungen zuständig ist,  will sich das Gebiss für die Forschung sichern.

Wenn alles erforscht ist, wäre es angemessen, das sylter Hai-Maul in der Arche der Schutzstation Wattenmeer den Tausenden von Schülergruppen, die dort pro Jahr durchkommen, zu präsentieren und zu erläutern. Hoffen wir, dass sich die Forschung nicht zu lange an dem Blauzaigebiss von Sylt festbeisst. Schliesslich werden 20 Millionen der Tiere pro Jahr weltweit kommerziell gefangen, da sollte sicher auch ein No-Name-Gebiss für die Forschung abfallen und die sylter Original-Beisserchen schön auf die Insel zurückkehren.

Blauhaie leben im Nordatlantik – von der Südküste Großbritanniens bis zum Senegal, um die Azoren bis zu den Kanarischen Inseln und den Kapverden wird diese Art gesichtet . In die Nordsee verirren sich nur selten Einzelexemplare und dann eher im Sommer.

Lothar Koch/ Rainer Borcherding/ Schutzstation Wattenmeer

 

 

Wunschliste im Spannungsfeld Naturschutz/Tourismus

wZAObXYUweBgtmeEdV2-xQAm kommenden Donnerstag tagen Naturschützer gemeinsam mit Touristikern der Wattenmeerküste Deutschlands und Dänemarks in Hörnum. Die Fachtagung “Natur & Tourismus” wird von der Nationalparkverwaltung und der Nordsee-Tourismus-Service GMBH (zuständig für die Werbung der gesamten Nordseeküste Schleswig-Holsteins), dem WWF und weiteren Partnern veranstaltet.

Kernvorträge werden seitens der Insel Sylt von Moritz Luft, dem Geschäftsführer der Sylt Marketing Gesellschaft (SMG) und Thomas Vodde, dem Kurdirektor und Projektleiter “Klimainsel Juist” vorgetragen.

Das Nationalparkamt wagt sich mit Martin Stocks Themenvortrag “Salzwiese” aus ihrem Kernbereich Watt ein wenig auf die Insel hinauf, die ja selbst gar nicht Teil des Nationalparkes ist. Bleibt zu hoffen, dass der Vertreter der Uni Hamburg, Herr Martin Döring, mit seinem Exkurs zum “Heimatgefühl” einen Kontrapunkt setzt, der zur angeregten Diskussion über Probleme im Spannungsfeld von Tourismus und Naturschutz auf Sylt und anderen Inseln beiträgt.

Zur Anregung einer lebhaften Diskussion (und weil bald Weihnachten ist)  hier die Wunschliste eines sylter Naturschützers:

Wunschliste an den Tourismus auf den Inseln und an der Küste

Ich wünsche mir…

⁃ eine ehrliche und verlässliche Partnerschaft zwischen Naturschutz und Tourismus
weil der Tourismus weiss, dass die Naturlandschaft mit ihren Lebensformen die notwendige Grundlage für einen Inseltourismus ist und der Naturschutz weiss, dass gemeinsam mit dem Tourismus Forderungen zum Schutz von Natur und Umwelt besser gegenüber Profitinteressen und sonstige Begehrlichkeiten durchgesetzt werden können.

⁃ eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe 
Viele Naturschützer haben derzeit die Wahrnehmung, dass Natur auf der Agenda des Tourismus eine Nische unter vielen ist, die vermarktet wird. Wir sehen den Schutz von Natur und Landschaft jedoch als Querschnittaufgabe und Grundlage für alle touristischen Aktivitäten.

Wir glauben, dass dies auch in den meisten Gremien Konsens ist, spätestens seit Anerkennung der Wattenmeerregion als Weltnaturerbe. Dieser Konsens wird jedoch zu wenig gelebt und zum Ausdruck gebracht. Gelebte Gemeinsamkeit würde für uns heissen, dass touristische Gremien offensiver und mit hoher Priorität Ziele des Natur-, Umwelt- und Klimaschutzes gegenüber anderen Interessen vertreten.

Dazu gehört auch die Wahrnehmung von Wachstumsgrenzen im Tourismus und eine Sensibilität dafür zu entwickeln, welche Veranstaltungen und Massnahmen in ein gutes Miteinander von Tourismus und Naturschutz passen. Diese Sensibilität wird derzeit seitens der Naturschutzseite häufig vermisst.

Konkret wünsche ich mir beispielsweise folgende Massnahmen:

⁃ Durchführung von Nachhaltigkeitskampagnen seitens der touristischen Organisationen (auf Sylt z.B. SMG und des ISTS (und weiterer insularer Tourismuspartner).
Diese sollte sowohl das Außen- wie auch das Binnenmarketing umfassen.

Beispiele: Aussen-Marketing

⁃ gezielte Werbekampagnen um Langzeittouristen zu locken und Kurzzeitgäste zu vermindern

⁃ gezielte Werbekampagne um Urlauber zu überzeugen ihr Auto stehen zu lassen (am Besten schon im Heimatort), bzw. eine Klima- freundliche Anreise zu wählen.

⁃ gezielte Kampagne für eine Plastik-verpackungsfreie-Insel/Küste

⁃ gezielte Aktionen und Anreize für Gäste um klimafreundliches Verhalten auf am Urlaubsortl zu fördern

Beispiele: Binnen-Marketing

⁃ Nachhaltigkeits-Zertifizierung aller touristischen Einrichtungen durchführen

⁃ Nachhaltigkeit-Fortbildungen für alle Mitarbeiter anbieten

⁃ eigene Fuhrparke auf E-Mobilität umstellen

⁃ innovative Ideen zum Thema Verkehr  proaktiv  durchsetzen

(kostenloser ÖPNV, Co2 frei-mobil)

⁃ eigene Veranstaltungen „plastikfrei“ und „CO2-frei“ durchführen

⁃ gezielte Aktionen und Anreize für Mitarbeiter und Partner um klimafreundliches Verhalten zu fördern

⁃ Nachhaltigkeit (Klima, Umwelt, Natur) als hohen Wert in die touristischen Bilanzen mit hineinzunehmen, statt nur Gästezahlen, Bettenzahlen und Gewinne zu betrachten. (Wertewandel)

- Selbstverpflichtung: die Kooperation mit-, die Bewerbung und Gutheissung von …offensichtlich klimaschädlicher/n oder dem Landschafts-/Umwelt-und Naturschutz abträglicher/n Veranstaltungen, Vorhaben und Aktivitäten zu unterlassen.

Proaktiv auf Partner einwirken, das Klimawandelziel umzusetzen (zB. Autofirmen die bei Großveranstaltungen  ausstellen dazu zwingen nur ihre E-mobile vorzustellen).

⁃ umgekehrt „inselfreundliche“ Aktivitäten zu fördern.

⁃ möglichst Win-Win Situationen zu verfolgen-sowohl in Hinblick auf Natur, als auch in Hinblick auf die Lebensqualität der Einheimischen.

Um zu entscheiden, was „inselfreundlich“ ist und was nicht könnte ein Beratungsgremium von Fachleuten unterschiedlicher Richtungen zusammengestellt werden, die ein Leitbild erstellen.

Lothar Koch, Sylter & Juister, Biologe,
aktiver Mitdenker in verschiedenen Naturschutzorganisationen der Insel Sylt
und Autor der tourismuskritischen Utopie Syltopia

Wenn Sylter Träume wahr werden…

IMG_1311Heute wurde wieder eine Idee aus Syltopia, meiner Dokufantasy aus dem Jahre 2050 wahr. Im Roman Syltopia beschreibe ich die Anreise nach Sylt in einem Zeppelin und später auch den Bau von Offshore Windkraftanlagen, die von Last-Zeppelinen transportiert werden.

Heute, am 17.09.2017 landete um 11:15 ein solcher Lasten-Zeppelin am Westerländer Flughafen und machte ein paar Rundflüge mit Passagieren. Ich nutze gleich die Gelegenheit und übergab der Crew des Luftschiffes ein Exemplar Syltopia als Willkommensgeschenk von unserer Insel.

Angesichts der vielen Schwierigkeiten, die Bahn-und Autoverkehr in diesem Jahr für die Insel brachten, wäre eine Fluglinie Hamburg-Husum-Sylt- per Zeppelin ein Segen für die Insel!

Textauszug von Syltopia:
Die Gondel unter dem Luftschiff bot ausreichend Raum für 120 Passagiere. Die loungeartigen Diwans luden ein, sich leger hinein zu fläzen. Die Passagiere konnten sich bequem auf den Bauch legen und durch den glasklaren Boden des Zeppelins den Nationalpark Wattenmeer und die vorüberziehende Küstenlandschaft genießen. Das Luftschiff selbst erzeugte kaum hörbare Fahrtgeräusche.

Lothar Koch

 

 

Ein Inselkind der 1960iger erlebt Sylt heute und schreibt…

 

viele "Kleinigkeiten" verändern das Sylt-Flair (hier:BOS-Sendemast in Naturlandschaft)

viele “Kleinigkeiten” verändern das Sylt-Flair (hier:BOS-Sendemast in Naturlandschaft)

Stefanie Wilke wurde 1964 auf Sylt geboren und verbrachte Kindheit und Jugend auf der Insel.
Heute lebt die  freie Journalistin in Hamburg und schreibt für alle namhaften Magazine (Stern, Amica, Emotion u.a.).
Derzeit arbeitet sie an einem Roman.
Ihre Eindrücke beim Inselbesuch im August 2017 schildert der folgende Auszug, den sie NaturreporterSylt zur Verfügung stellt:

Auszug aus dem Manuskript von „Die Frau mit dem grauen Zopf“,

June war dabei ihre Reisetasche zu packen, nach fünf Tagen auf der Insel war es für sie Zeit, mit der NOB zurück nach Hamburg zu fahren.

„Ich weiß genau wie sich das anfühlt“, antwortete sie. „Mit diesem Gefühl bin ich aufgewachsen, den anderen beim Geld ausgeben zusehen, luxuriöse Autos und Häuser zu bewundern und selbst jobben müssen, den Gästen den Kaffee zu servieren oder ihre Klos zu putzen.“

„Ich trage seit Jahren die abgelegten Klamotten meiner Freunde“, sagte ihre Tochter wahrheitsgetreu.

„Und ich die Kaschmirpullover von Sue in Farben, die sie doppelt hatte“, antwortete June.

Tochter und Mutter lachten. Es goss draußen, es würde ein Aufbruch in Eile werden, beide waren nicht gut im Abschied nehmen, Hektik war ihr Mittel, den Schmerz, der die bevorstehende Umarmung auslösen würde, nicht fühlen zu müssen.

„Heute ist Abreisetag, es wird wieder Stau in Westerland sein“, beschleunigte Greta.

June hatte eine Handvoll ihrer Jugend-Freunde gesehen, zu teuer gegessen, hatte in Westerland auf dem Friedhof an der Dorfkirche die Grabstelle ihres Vaters besucht, ihrer Ziehmutter Elke zum Tod des kürzlich verstorbenen Ehemanns kondoliert, und nur ein mal in der Nordsee gebadet. Sie war wasserscheu geworden. Sie trug den frischen Grundton der Sylter Bräune, die mit noch weiteren drei Sonnen-Tagen ins karibische gewechselt hätte. Wenn hier die Sonne schien und die Temperaturen über 20 Grad anstiegen, gab es keinen schöneren Ort in Europa. Sie lief dann durch das weitläufige Dünental in Richtung Strand und sog die vertraute Melange aus Holzsteg und Heidekraut ein; den Blick an den Horizont geheftet, in naher Ferne die Farbe der Nordsee und den Wellengang prüfend.

Trotzdem, June spürte es in diesem August ganz deutlich – die Insel war dabei, ihren Mythos zu verspielen. Jedes noch so kleine Haus schien in Appartements eingeteilt; die unzähligen Schilder auf den Friesen-Wällen trugen alberne Namen wie White-Sand-Suite, Sea-Shore-Apart-Hotel oder Dünen-Landhaus: alles stand zur Vermietung bereit,  nicht aber für die wenigen verbliebenden Einheimischen.

June sah sie nicht mehr auf ihren Fahrrädern, ein lieb gewonnener und vertrauter Anblick aus der Vergangenheit, sie sah Flotten von Mietfahrrädern oder, viel verstörender, kilometerlange Blechlawinen. Auf dem Weg nach Kampen hatte June eine Stunde im Stau gestanden und beobachtet, wie die Urlaubs-Insassen genervt auf ihre iPhones starrten.

Es gab für Insulaner nicht mal mehr eine Geburtsstation, abgeschafft von der Asklepios-Klinik, dafür aber auf vierzig Kilometer Insellänge eine hoch gerüstete Infrastruktur für den reibungslosen Gästebetrieb, jeder Toilettendeckel ikonografiert mit den Umrissen der „Königin der Nordsee“, deren Natur zwar immer noch der Lockstoff war, deren Potential jedoch von Marketingstrategen zur Glamour-Queen hoch gejazzt worden war. Sylt war jetzt eine Marke, kein Mythos mehr. Ein Mythos, der vor mehr als 60 Jahren begründet worden und jetzt passé war. Ein Künstler- und Individualisten-Mekka, umringt von Heckenrosen, in deren Nischen der Jetset und das alte Geld hockte, ihr lässiges Savoir-vivre im Reizklima zelebrierte und sich weltgewandt anschmiegte an die Gepflogenheiten der Insulaner, die ihnen charmant das Geld aus der Tasche zogen.

Noch während Junes Jugend hatte sich die Waage gehalten zwischen Insulanern, Saison-Arbeitern, Zugereisten mit Immobilienbesitz und den Kurgästen. Am Ende des Tages sprangen sie alle nackt in die Wellen, feierten den Frischluft-Rausch, der sich meist am zweiten Tag einstellte, der hungrig und durstig machte und der für viele rastlose Städter mit süßem Schlaf gekrönt wurde, weit vor der Zeit der Wortschöpfung Wellness. Einatmen, ausatmen, detox-retox, war für die feiernden Gäste ein natürlicher Jungbrunnen – nachts Champagner und Sex, tagsüber Rosé und Flirts. Die Geldbündel wurden zusammen gerollt in der Jeans aufbewahrt oder es wurde angeschrieben, man kannte sich in den einschlägigen Bars, Clubs und Restaurants. Die Zeche wurde, ohne nachzurechnen, bezahlt, ein fettes Trinkgeld obendrauf war Ehrensache, „Bargeld lacht“ war bis zur Jahrtausendwende die Devise der als Gastwirte getarnte Piraten. Und dann kaperten Markenstrategen und Immobilienmakler die Insel und übernahmen das Ruder.

Von Stefanie Wilke, 19. August 2017

Kai Pflaume, das chinesische Staatsfernsehen und eine ornithologische Sensation am Beckenrand

Foro:Thomas Luther

Foto: Thomas Luther

Sylt/Stanley (Falklands): Der Vogel des Jahres dürfte auf Sylt jetzt schon feststehen: Ein Schwarzbrauen-Albatros (SBA), auch Mollymauk genannt, mutmasslich von den Falkland-Inseln im Südpolarmeer. Dessen beeindruckende Flugmanöver werden auf der Insel schon seit Wochen von Ornis (Vogelfreunden) beobachtet. Viele nennen ihn einfach „Molly“. Biologen bezeichen ihn als Thalassarche melanophris. Naturreporter Sylt sprach mit dem sylter Vogelexperten Dr. Thomas Luther über den seltenen Gast:

Moin Thomas, Du hast den Albatros schon lange im Visier. Aus deinem Dachfenster kannst Du ja sogar per Spektiv von Tinnum aus ins Rantum Becken schauen. Seit wann ist der Albatros jetzt schon auf Sylt?

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Albatros im Rantumbecken, Foto: T.Luther

 

TL: Als 2014 das erste Mal seit Jahrzehnten wieder ein SBA im Bereich der Nordsee gemeldet wurde, war ich elektrisiert. Als einer der Ersten in Deutschland fand ich damals die Meldung in einem dänischen Internet-Portal aus Skagen. Danach habe ich mir nach ihm auf Sylt die Augen aus dem Kopf geschau. Allerdings wurde er in seinem ersten Jahr in Deutschland nur auf Helgoland gesichtet. Auch im Jahr 2015 war es mit Sylt keine Liebe auf den ersten Blick. Erst im Juli zog er über Amrum  das erste Mal nach Sylt. Gute Freunde von mir konnten ihn an der Kurpromenade Westerlands und am Königshafen jeweils für einige Minuten sehen.  Ab April 2016 wurde er dann endlich „Sylter Stammgast“ und ist derzeit  hier immer noch zu finden. Die Helgoländer Ornithologen sind verständlicherweise nicht so begeistert, dass der SBA dort nur noch sehr selten vorbei schaut.

Gibt es Theorien, woher der kommt und weshalb er sich auf den langen Weg nach Norden gemacht hat?

TL: SBAs sind die häufigsten Albatrosse, die mit über einer halben Millionen Brutpaaren auf den Falklandinseln, Südgeorgien und anderen südpolaren Inseln brüten. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer dieser Vögel bei Stürmen auf die Nordhalbkugel verdriftet, am größten. Das kommt zwar selten, aber immer mal wieder vor. Als ausgesprochen Thermik-„surfende“ Flieger kommen sie über die windarmen Rossbreiten am Äquator offenbar nicht zurück in ihr Brutgebiet. Deshalb sind sie für den Rest ihres (oft sehr langen) Lebens im Norden gefangen. Ihr Jahresrhythmus passt sich dann auch unseren Gegebenheiten an. Er ist jedoch auf ewig ein „Außerirdischer“, denn er wird unter den heimischen Vögeln nie einen Partner finden.

 Wovon ernährt der sich denn hier?

TL: Es wurden schon zweimal Offshore-Beobachtungen von dem Vogel 7 – 30 km vor Sylt gemacht, allerdings immer nur im Streckenflug. Niemand sah ihn bislang bei der Nahrungsaufnahme (Fischer und Segler vor Sylt: Bitte meldet unbedingt Eure Beobachtungen!). Er wird sich aber wahrscheinlich von Fisch oder Tintenfisch ernähren. Offensichtlich kommt er hier bestens zurecht.

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Albatros mitten zwischen Hockerschwänen im Rantum Becken,  Foto: T.Luther

 Weshalb wird er meist im Rantum Becken gesichtet?

TL: Die bislang dokumentierten längeren Aufenthalte von SBAs gab es nur in Kolonien von Basstölpeln in England und Norwegen, die er in Ermangelung an echten Albatros-Partnern als Ersatz auswählt. Es ist das erste Mal, dass er sich offensichtlich zu anderen großen weißen Vögeln mehr hingezogen fühlt – die Höckerschwäne des Rantum Beckens. Alljährlich sammeln sich hier ca. 100 nichtbrütende Tiere, die seinem Verhalten nach zu urteilen, sehr anziehend auf ihn wirken. Selten „versucht“ er es auch mal bei den Gänsen im Nössekoog „zu landen“. Es ist also die Kombination der hohen Zahl der Schwäne mit der Nähe zur Hohen See, die Sylt für ihn interessant macht.

Weiß man etwas über sein tägliches Flug verhalten?

TL: Es gibt hier keine Regelmäßigkeit. Er scheint im Becken, aber auch vor der Kurpromenade Westerlands zu übernachten. Aber dann gibt es auch Tage, wo er mal Kilometerweit weg schiesst: Ausgerechnet als ich im Mai eine vogelkundliche Führung anbot, um ihn zu beobachten, war er nachweislich gerade mal kurz nach Ostengland gezischt! Auch hat man ihn dieses Jahr für eine Stippvisite schon in Norwegen gesehen. Letztes Jahr ist er die Strecke Sylt – Fair Isle (NO Schottlands, 790 km) in 21 Stunden geflogen. Das Bewegungsmuster deutet immer auf den selben Vogel. Teils am gleichen Tag konnte man ihn auf Helgoland und auf Sylt sehen. Nach solchen längeren Erkundungsflügen hat ihn sein  Bruttrieb aber immer wieder nach Sylt zurück gebracht.

Wie verträgt er sich mit anderen Vogelarten?

TL: Obwohl er von uns Menschen durchaus mit einer besonders dick geratenen Mantelmöwe verwechselt werden kann, scheint er für alle bei uns heimischen Vogelarten sehr exotisch zu wirken. Er wird von allen Möwen attackiert. Wenn er über den Koog fliegt gibt es ein Heidenspektakel unter den Wiesenvögeln. Auch ein Seeadler hat ihn schon angegriffen. Eine Theorie besagt, dass ein Angriff von zwei Seeadlern in Dänemark, der beinahe sein Leben gekostet hätte, ihn bis auf Weiteres dort nicht mehr  nach Partnern suchen lässt.

Wird sich der Albatros hier dauerhaft ansiedeln und vielleicht sogar einen Partner finden um hier zu brüten?

TL: Ich möchte meinen Enkeln den Albatros noch im Rantum Becken zeigen! Er kann (man schätzt ihn als „Teenager“ ein) noch gut und gern 40 Jahre hier auf Partnersuche gehen. Er wird aber wohl immer Single bleiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei SBAs aufeinander treffen ist so verschwindend niedrig, dass dieses Ereignis wohl von Kai Pflaume und dem Chinesischen Staatsfernsehen gleichzeitig übertragen werden würde.

Wo ist der Albatros jetzt gerade?

TL: Gerade in diesen ersten Julitagen bricht er zu seiner eigentlichen Bestimmung auf: Hinaus auf die Weltmeere um zu fliegen, fliegen , fliegen. Niemand weiss, wohin genau. Als perfekter Segler, der den Aufwind jeder Welle ausnutzt wird er nun Zehntausende Kilometer zurücklegen, um im nächsten April wieder auf unserem kleinen Sylt zum Brutgeschäft aufzutauchen. Das geben ihm nun die Hormone vor.

 Fliegt der nie nach Hause zum Südpol?

TL: Er bleibt wahrscheinlich auf der Nordhalbkugel. Vogelforschern auf Helgoland, die gerade Basstölpel mit GPS-Loggern ausrüsten juckte es in den Fingern, den SBA auch zu besendern. Der Albatros hätte dort mit dem Schmetterlingsnetz gefangen werden können, so nahe kam er den Menschen dort am Lummenfelsen. Man hat sich allerdings dagegen entschieden. So werden seine Törns wohl inkognito bleiben.

Welchen Stellenwert hat so eine Sichtung für die Ornis in Deutschland, bzw. an der Küste?

TL: Es ist eine absolute Sensation! Fragt man Ornis von Norwegen bis Israel nach der Seltenheit, die sie in ihrem Leben einmal sehen wollen, so hört man sehr häufig: ALBATROS! Allein in diesem Jahr haben wir Birder aus England, Norwegen, Schweden, Belgien und Holland für den SBA anreisen sehen – teils auch ohne Erfolg. Es gibt Twitcher (Artensammler), die sieben Mal vergeblich nach Helgoland gefahren sind! Natürlich ist es wissenschaftlich gesehen kein weltbewegendes Ereignis, allerdings rührt doch viele Menschen das Schicksal dieses Tieres – 14000 Kilometer von zu Hause, ganz allein. Er ist uns ans Herz gewachsen und es ist so tragisch zu sehen, wie er sein Leben lang scheitern wird, nur um es immer und immer wieder zu versuchen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dr. Thomas Luther (TL) lebt als Augenarzt auf Sylt und ist ausgewiesener Vogelexperte.

Das Interview führte Naturreporter Lothar Koch

Albatross Molly wieder im Rantum Becken gesichtet

Der Schwarzbrauen-Albtross (Thalassarche melanophris, Mollymauk) “Molly” hält sich knapp eine Woche nach der Erstbeobachtung immer noch im Sylter Luftraum auf. Vorgestern war Molly das letzte Mal am Rantumbecken gesichtet worden und manche “Ornies” mutmassten bereits, er sei auf dem Weg nach Helgoland.

Heute morgen um 6 Uhr konnte ich ihn jedoch mit einigen anderen Vogelfreunden wieder am Rande des Vogelschutzgebietes Rantum Becken beobachten. Er scheint sich gern zwischen den deutlich größeren Schwänen aufzuhalten, wenn er im Wasser nach Nahrung sucht oder rastet. Molly stellte sich kurz auf einen Betonstein und flog dann von der Südwestecke des Rantumbeckens in die Südostecke. Der elegante Flug nur wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche ist beeindruckend und typisch für die Ordnung der Röhrennasen, zu denen z.B. auch Sturmvögel gehören. Die deutlich kleineren Silbermöwen scheinen ihn nicht sonderlich zu mögen und mobben ihn gern aus ihrem Gebiet.

Schwarzbrauen Albatrosse kommen normalerweise nur in der Südhalbkugel der Erde vor. Sie können bis zu 70 Jahre alt werden und stehen auf der internationalen roten Liste gefährdeter Tierarten der IUCN. Zahlreiche Vogelfreunde pilgern schon seit Tagen auf den Rantum Becken Damm, um die seltene Vogelart in ihre Sichtungsliste zu ticken.

 

Lothar Koch

Wer sichtet Molly? Prommi-Bird am Rantumbecken vermisst!

Seit vergangenem Wochenende macht ein prominenter Gast am Rantum Becken Schlagzeilen: Der seltene Vogel brachte es sogar schon in die Bildzeitung.

Schwarzbrauen-Albtross (Mollymauk) Foto:Weser-Kurier

Schwarzbrauen-Albatross (Mollymauk)
Foto:Weser-Kurier

Molly der Schwarzbrauen-Albtross (auch Mollymauk genannt). Diese Seevogelart gehört zu den Röhrennasen, hat eine Spannweite von über 2,5 m und kommt in unseren Gefilden eigentlich gar nicht vor. Normalerweise leben Albatrosse nur auf der Südhalbkugel der Erde. Bis heute Morgen wurde Molly aber noch am östlichen Beckenrand des sylter Vogelschutzgebietes gesichtet. Stolz drehte der Albatros seine Flugrunden in nur wenigen Metern Höhe über Passanten des Rantumbecken-Damms.
Zuvor sass Molly regelmässig auf einer der kleinen Brutinseln des Schutzgebietes. Wenn der Albatros sitzt sieht er von weitem aus wie eine Silbermöwe, nur deutlich größer.

Die Vogelwarte Helgoland registrierte den Vogel bereits mehrfach in 2014. Nun ist Molly zurück, aber derzeit hier nicht mehr auffindbar. Möglicherweise zieht er (oder sie?) weiter nach Helgoland.

Wer ihn zuerst sieht, bitte melden! (email an info@syltopia.de).

Danke,

Lothar Koch

Yes we Cannes- Goldene Palme für den Beachexplorer

Mit der kostenlosen BeachExplorer-App wurden bereits über 15.000 Funde gemeldet, Foto: Kirsten Thiemann, Schutzstation Wattenmeer

Mit der kostenlosen BeachExplorer-App wurden bereits über 15.000 Funde gemeldet, Foto: Kirsten Thiemann, Schutzstation Wattenmeer

Strandfunde-App der Schutzstation Wattenmeer gewinnt „Reise-Oskar“ auf der ITB

Auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin hat der Beachexplorer der Schutzstation Wattenmeer in der Kategorie „Destinationen“ die Goldene Palme 2017 gewonnen. Die Jury lobte das Projekt, das vom Bundesamt für Naturschutz mitfinanziert wurde, weil es Naturschutz, Wissen und Erholung spielerisch verknüpft. Die durch GEO SAISON vergebene Goldene Palme wird auch als „Tourismus-Oskar“ bezeichnet. Die Zeitschrift hatte diesen wichtigsten deutschen Reisepreis erstmals nicht nur an Veranstalter, sondern für die besten Innovationen der gesamten Branche ausgelobt.
„Wir freuen uns sehr über diese tolle Auszeichnung“,  sagt Biologe Rainer Borcherding, Projektleiter und Erfinder des BeachExplorer. „So werden noch mehr Gäste an Nord- und Ostsee dafür gewonnen, mit Smartphone-Unterstützung die Meeresnatur zu erkunden und ihre Funde zu melden.“ Viele Strandspaziergänger fragen sich: „Was hat mir das Meer gerade vor die Füße gespült? Muschel, Schnecke oder nur Müll?“. An Nord- und Ostsee helfen nun BeachExplorer und BalticExplorer: Mit den kostenloses Apps der Schutzstation Wattenmeer kann man seinen Fund per Smartphone fotografieren, auf ein Portal hochladen und identifizieren.
Der BeachExplorer bietet eine Bestimmungshilfe für über 2.000 verschiedene Arten von Strandfunden. Zu jedem Fund gibt es Steckbriefe und Hintergrundinformationen. Rund 1.000 registrierte User haben bereits über 15.000 Funde gemeldet – es konnten sogar fünf Arten erstmals in Deutschland nachgewiesen werden. Über die Jahre soll so ermittelt werden, wo welche Dinge angespült werden und ob sich die Häufigkeiten mit dem Klima oder mit Meeressschutzmaßnahmen ändern.
Die Goldene Palme ist die dritte renommierte Auszeichnung für den BeachExplorer. 2015 wurde die App mit dem schleswig-holsteinischen Tourismuspreis (2. Platz) ausgezeichnet. 2016 gewann der BeachExplorer den Citizen Science-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane.
PM der Schutzstation Wattenmeer e.V.

 

Wer findet den Rest vom Schweinswal?

IMG_0141Blubberstreifen vom Schweinswal

Heute wurde am Strand von Rantum Nord ein Blubber/Muskelstreifen vom Schweinswal angespült, der offenbar frisch rausgerissen war. Wer den Restkadaver sichtet, bitte gern bei mir melden (info@syltopia.de,04651201088) und sicherstellen. Das könnte bei der Ursachenforschung hilfreich sein. Es müsste ein ca 50 cm langes rechteckiges Stück Fleisch an der Seite fehlen.

Möglicherweise ist das Stück herausgebissen worden. Erster Verdacht fällt auf Schoko die Kegelrobbe- aber es fehlen die Beweise.IMG_0138
Vielen Dank!
Lothar Koch