Mexiko, Neuseeland und Deutschland werden ihrer Verantwortung für aussterbende Walarten nicht gerecht.

Interview zur aktuellen Walausstellung in der Arche Wattenmeer/Hörnum auf Sylt

Hörnum/Sylt
Der Biologe und sylter Natur-Reporter Lothar Koch führt ein Interview mit dem Walforscher Dr. Fabian Ritter, Leiter der Meeresschutzgebiets-Kampagne des WDC (Whale and Dolphin Conservation). 
WDC ist die weltweit führende gemeinnützige Organisation zum Schutz von Walen und Delfinen.

Fabian Walexperte Fabian Ritter (WDC): "Der Sylter "Wal-Pfad" ist eine vorbildhafte Öffentlichkeitsarbeit für den Meeresschutz".

Walexperte Fabian Ritter (WDC): “Der Sylter “Wal-Pfad” ist eine vorbildhafte Öffentlichkeitsarbeit für den Meeresschutz”.

L.Koch: Herr Ritter, Sie kommen gerade von der jährlichen Konferenz des Wissenschaftskommitees  der IWC  (Internationalen Walfangkommission) aus Slowenien nach Sylt um eine Ausstellung zum Walschutz zu präsentieren. Welche Wal-und Delfinarten sind denn weltweit am meisten gefährdet.

 F. Ritter: Vaquitas, Nördlicher Glattwal (Nordkaper), Maui-Delfin und leider auch der Schweinswal in der zentralen Ostsee führen die Liste der akut vom Aussterben bedrohten Waltiere an.

Vaquita, auch kalifornischer Schweinswal genannt, stirbt gerade  wegen einer mexikanischen Fischerei-”mafia”. Es gibt vermutlich nur noch weniger als 30 Tiere in der Sea of Cortez, Teilgebiet der Baja California. Die mexikanische Regierung hat auf die Warnungen der vergangenen zwanzig Jahre viel zu spät reagiert. Die Tiere sterben dort in den Stellnetzen, die für den Totoaba ausgesetzt werden, einem Fisch dessen Schwimmblase auf dem chinesischen Markt hohe Summen erwirtschaftet.

L.Koch: Können wir Deutschen denn mit erhobenem Zeige-Finger auf die Mexikaner deuten?

 F. Ritter:

Nein, das steht uns nicht zu, denn unserem Ostseeschweinswal geht es ja ganz ähnlich. Schätzungen besagen es gibt gerade mal noch 450 Tiere der eigenständigen Population in der zentralen Ostsee. Dennoch werden seitens des Bundes und der Länder nur halbherzige Massnahmen ergriffen. Auch hier ist die Fischerei mit Stellnetzen die Haupt-Todesursache. Ähnlich ist es bei den Nordseeschweinswalen, die zahlenmässig zwar noch recht gut dastehen. Aber es verenden in europäischen Gewesen jährlich nach wie vor viele Tausend der kleinen Wale in Stellnetzen. Dabei gibt es spezielle Gesetze und Schutzabkommen auf Bundes- und EU-Ebene, aber deren Umsetzung erfolgt lücken- bis mangelhaft.

 

 

Meeresschutzgebiete (Natura 2000-FFH) in Nord-und Ostsee

Meeresschutzgebiete (Natura 2000-FFH) in Nord-und Ostsee (Karte: Nabu)

 L.Koch: Schaut man auf die Karte der deutschen Meeresschutzgebiete, sieht das flächenhaft in Nord- und Ostsee doch ganz ordentlich aus.

 F. Ritter:

Schutzgebiete sind nur so gut, wie die Massnahmen, die dort ergriffen werden. Die Managementpläne für die Meeresschutzgebiete in der deutschen AWZ sind nach Auffassung der grossen Umweltschutzverbände und Walschutzorganisationen wie der WDC eine Farce.  Wir nennen sie „paper parks“, die eher einen Ausverkauf der Meere bedeuten, weil sie die brisantesten Gefährdungen dort nicht ausschliessen: Seismische Untersuchungenauf der Suche nach Erdöl und -gas, militärische Übungen und der Bau von Offshore-Windkraftanlagen. Fischerei bleibt aber auch dort das größte Problem. Sie wird nur uneffektiv eingeschränkt. Selbst der Grüne Landes-Umweltminister Habeck hat trotz fulminanter Ankündigungen in seiner Amtszeit nur eine laxe freiwillige Vereinbarung mit den deutschen Ostseefischern hinbekommen.

 

L.Koch: Was sind denn Ihre Forderungen an Bund und Land?

 F. Ritter:

Kategorischen Vorrang für Natur in Meeresschutzgebieten. Das heisst: Regulierung und Einschränkung der Fischerei sowie flächendeckende Einführung naturschonender Fischereitechnik, die ja im Prinzip bereits verfügbar sind. Tabu für schnellen und lärmenden Schiffsverkehr, Industrieansiedlung, Sprengung von Altlasten und militärische Übungen sowie Ressourcenabbau  in den sensiblen Gebieten. Generell muss weiter die Verschmutzung und Überdüngung der beiden Hausmeere durch die Landwirtschaft vermindert werden.

 

L.Koch: Wie bewerten Sie als weltweiter Kenner von Meeres-Schutzgebieten das Landes-Walschutzgebiet vor Sylt?

Das Schutzgebiet ist im Prinzip eine gute Sache, weil damit Schweinswale in Deutschland erstmals in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt wurden. Leider wurde bislang jedoch nur eine Maßnahme umgesetzt, die man als echte Schutzmassnahme bezeichnen könnte:  die Stellnetznetzhöhe wurde begrenzt – und das auch nur für deutsche Fischereifahrzeuge. Ansonsten kann ich keine Schutzwirkung erkennen, wenn man davon absieht, dass eine Errichtung von Industrieanlagen wie Windparks hier ausgeschlossen ist.

Dabei müsste das wichtige Kalbungs- und  Paarungsgebiet der heimischen Wale auch vor schnellen Flitzern und anderen Eingriffen geschützt werden. Sogar die Kennzeichnung des Gebietes in offiziellen Seekarten steht  auch nach siebzehnjährigem Bestehen noch aus.

 

L.Koch: Herr Ritter, Ich danke für das Gespräch.

Kontakt zu Fabian Ritter:

Fabian.Ritter@whales.org

01577-344 82 74

Lothar Koch, www.natuerlichsylt.net, Info@syltopia.de, Tel:04651/201088

 

 

Geschacher um Meeres-Schutzgebiete vor Sylt läuft heiss!

Berlin/Sylt

Heute sollte im Bundestag eigentlich die Entscheidung über eine mögliche Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes in Bezug auf  Meeresschutzgebiete in Nord-und Ostsee fallen. Betroffen sind auch die Gewässer vor Sylt.

Meeresschutzgebiete (Natura 2000-FFH) in Nord-und Ostsee

Meeresschutzgebiete (Natura 2000-FFH) in Nord-und Ostsee

Nun ist die Abstimmung auf nächste Woche vertagt worden, um zwischen den Interessengruppen noch “Deals” auszuschachern. Aus der Perspektive der großen Naturschutzverbände steht die Glaubwürdigkeit der deutschen Naturschutzpolitik aber generell auf dem Spiel.
„Die Entwertung des Schutzes der heute für die Natura 2000-Gebiete auf dem Meer anvisiert ist, könnte schon morgen für alle nationalen  Fauna-Flora-Habitat-Gebiete des Bundes gelten“, sagt Kim Detloff, Meeresexperte vom NABU.

Kim Detloffs, Meeresschutz-Experte vom NABU

Kim Detloff, Meeresschutz-Experte vom NABU

Bislang billigt das BNatschG. dem Bundes-Umweltministerium nach Ressortabstimmungen die letzte Entscheidung über Maßnahmen in ausgewiesenen Schutzgebieten zu. Mit der Einführung des geplanten § 57 soll sich das ändern: Die Ministerien für Wirtschaft, Landwirtschaft, Verkehr und Forschung sollen in § 57 eine „Einvernehmensregelung“ bekommen, die es ihnen ermöglicht, künftige Verordnungen und Schutzmaßnahmen über ein Vetorecht zu verhindern.
„Diese Änderung würde die Kompetenz des Bundesumweltministeriums unterhöhlen, behördliche Abstimmungsprozesse erschweren und das notwendige  Schutzgebietsmanagement nahezu unmöglich machen”, so Detloff.

Mit Offenen Briefen an die Bundeskanzlerin, Ausstellungen und Aktionen versuchen Nabu, Greenpeace, Schutzstation Wattenmeer, Whale and Dolphin Conservation (WCD) und weitere Verbände  derzeit in letzter Minute den Gesetzesentwurf, der bereits durch erste Lesungen gegangen ist, zu kippen. Hinter den Kulissen geht es dabei zu wie auf dem Bazar, nach dem Motto: “Ich geb beim Meeresschutz klein bei, wenn Du dafür Eingeständnisse beim Biotopschutz an Land machst.”

Selbst wenn es dem Bundesumweltministerium und den Verbänden gelingen sollte die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes in §57 zu verhindern, sind die Meeresschutzgebiete noch nicht in trockenen Tüchern und damit besonders Kleinwale, Hochseevögel und Bodentiere in Gefahr: Seit über einem Jahr wird hinter geschlossenen Türen über Verordnungsentwürfe für sechs Naturschutzgebiete in Nord- und Ostsee verhandelt, darunter auch das FFH-Gebiet Sylter Außenriff. Die Lobbyisten aus Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Forschung versuchen für den Fall eines Scheiterns mit § 57 bereits durch die Hintertür ihre Pfründe zu sichern, indem  sie gleichzeitig ein Vetorecht bei der Gestaltung einzelner Schutzgebiets-Managementpläne erwirken wollen.  Auf diese Verwaltungsprozesse haben die Umweltverbände jedoch kaum Einflussmöglichkeiten.

Meeresschützer Kim Detloff will die Hoffnung nicht aufgeben, daß Deutschland seine internationale Vorreiterrolle im Meeresschutz weiter behalten will.
“Wenn wir jetzt weiter Druck machen, kann die Entwertung der Vogel- und Walschutzgebiete vor Sylt vielleicht noch verhindert werden.”

Kontakt zu Kim Detloff, Meeresschutz-Experte des Naturschutzbund Deutschland (Nabu):
Tel: 030/2849841626, Kim.Detloff@NABU.de

Lothar Koch, www.natuerlichsylt.net, Info@syltopia.de, Tel:04651/201088

 

 

 

 

Schweinswal-Ausstellung “Die letzten 300″ in der Arche Wattenmeer

IMG_1171_Arche Wattenmeer_dennis_schaperEröffnung der Sonderausstellung am 1. Juni 2017 um 15 Uhr, Eintritt frei! 
 

Ab dem 1. Juni 2017 zeigen WDC, NABU, OceanCare und das Kleinwalschutzabkommen ASCOBANS die künstlerischen Beiträge zum Kreativwettbewerb „Die letzten 300“ in der Arche Wattenmeer auf Sylt. Mit der Ausstellung machen die Organisationen auf die kritische Lage des Ostseeschweinswals aufmerksam. Nur noch wenige Hundert Tiere des einzigen in Deutschland heimischen Wals leben in der zentralen Ostsee. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ist Schirmherrin der Ausstellung.

Neben Malereien, Illustrationen, Filmen und Skulpturen sind in der Ausstellung auch vielfältige Informationen zur Situation des Ostseeschweinswals zu finden. Begleitet wird die Ausstellung, die bis zum 31. Oktober zu sehen sein wird, von weiteren Theateraufführungen und Fachvorträgen. Anlässlich der Eröffnungsfeier am 1. Juni wird es ein besonderes Programm geben, u.a. wird WDC-Meeresbiologe Fabian Ritter einen Vortrag um 18 Uhr über Schweinswale halten. Die Werke zum Thema „Was bedeuten dir Schweinswale?“ wurden bereits im Jahr 2015 im Meeresmuseum Stralsund gezeigt.

„Wir sind immer wieder fasziniert von der Vielfalt der Werke, die von Kinderbildern bis zu Skulpturen professioneller Künstler reichen. Sie sind Ausdruck der großen Besorgnis der Menschen über die Situation der Wale und gleichzeitig eine dringliche Aufforderung für verbesserten Schutz der Tiere“, so die Organisatoren.

Die Ausstellung bietet den Besuchern eine außergewöhnliche Möglichkeit, sich mit dem Schweinswal, seiner Bedrohung und seinem Schutz auseinanderzusetzen. Jüngsten wissenschaftlichen Schätzungen zufolge leben nur noch wenige Hundert Tiere in der zentralen Ostsee, östlich der Halbinsel Darß. Insbesondere der ungewollte Beifang in Fischernetzen und die zunehmende Belastung durch Unterwasserlärm machen der kleinen Restpopulation das Leben schwer. Die Weltnaturschutzunion stuft diese Population als akut vom Aussterben bedroht ein.

„Den Nordsee-Schweinswalen vor Sylt geht es deutlich besser als den Brüdern und Schwestern in der Ostsee, dennoch braucht es weitere Schutzmaßnahmen“, so Dennis Schaper, Leiter der Schutzstation Wattenmeer auf Sylt. „Zum Schutz der Kleinwale wurde im Jahr 1999 wurde das erste Walschutzgebiet Europas im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer eingerichtet, welches jedoch bis heute nicht in den offiziellen Seekarten eingezeichnet wurde. Auch der Lärm durch den Ausbau der Offshore Windkraft beeinträchtigt die Schweinswale hier bei uns“ betont Schaper.

Adresse des Veranstaltungsortes: Arche Wattenmeer, Rantumerstr. 33 25997 Hörnum / Sylt, www.arche-wattenmeer.de

Das vollständige Ausstellungsprogramm und mehr Infos zum Wettbewerb unter www.schweinswal.eu

 
Über die Schutzstation Wattenmeer e.V. 

Die Schutzstation Wattenmeer ist der größte betreuende Naturschutzverband im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Die gemeinnützige Organisation betreibt 20 Stationen entlang der Westküste, darunter drei Wattenmeer Seminarhäuser, zahlreiche Ausstellungen wovon die Arche Wattenmeer in Hörnum auf Sylt die Größte ist. Mit Hilfe von vielen freiwilligen Mitarbeitern wird umfangreiche Umweltbildungsarbeit geleistet, die stets mit dem Ziel Verständnis und Faszination für das Ökosystem Wattenmeer und die Nordsee zu wecken und somit Schutz und Schutzbereitschaft für diese Lebensräume zu erhöhen.

Kontakt Interviews: Dennis Schaper, d.schaper@schutzstation-wattenmeer.de Tel. 04651 / 8862 227 oder 0151 / 5810 2141

 

Save the Beach- Der Surf-Club räumt auf-machst Du mit? Treffpunktinfo

 

FotoL.Koch

Papiertüten tun´s auch

9. SCS Beach Clean Up auf Sylt am 26. März

Hunderte Tonnen Müll werden Jahr für Jahr von den Sylter Tourismus-Organisationen an den Sylter Stränden gesammelt und entsorgt. Hinzu kommen die unzähligen Müll-Massen, die von den Winterstürmen an die Sylter Küste gespült werden. Einwegflaschen, Autoreifen, Plastikbesteck und Einkaufstüten verschwinden nicht von alleine, denn was an den Stränden der Insel weggeworfen und angeschwemmt wird, ist gegen Verwitterung immun.

Um auch in der Nebensaison die abgelegenen Bereiche von dem Schmutz zu befreien, veranstaltet der Surf Club Sylt e.V. (SCS) am 26. März in Kooperation mit der Naturschutzgemeinschaft Sylt e.V., den Sylter Tourismus Services und der Surfrider Foundation Europe erneut den Beach Clean Up Sylt. „Jeder Strandspaziergang an unserer Küste macht deutlich, welche Ausmaße das Müllproblem angenommen hat. Und zwar weltweit, nicht nur bei uns. Es ist höchste Zeit auf Worte Taten folgen zu lassen“, so Markus Mager, Präsident des SCS.

Wer also bereit ist, sich ganz uneitel die Arbeitshandschuhe überzuziehen und mit einem Müllsack an den Sylter Stränden entlang zu wandern und aufzusammeln, was da einfach nicht hingehört, der zeigt Flagge für eine Bewegung, die alle Küsten weltweit so bitter nötig haben. Mülltüten und auch einige Handschuhe werden um 11 Uhr an den jeweiligen Stationen verteilt. Wer möchte, darf die eigens gesammelten vollen Müllsäcke gerne mit nach Westerland nehmen. Abschließender Treffpunkt ist in diesem Jahr um 15 Uhr erstmalig das neue Clubhaus des Surf Club Sylt in Westerland am Brandenburger Strand. Eine Premiere mit freudigem Hinblick auf die langersehnte Eröffnung des Vereinsheimes im Juni. Die restlichen Müllsäcke werden von den Tourismus-Services eingesammelt. Alle Mitwirkenden bekommen dort eine kulinarische Stärkung, gesponsert von Söl Kitchen Sylt und dem Restaurant Beach House Sylt. Selbstverständlich wird es keinerlei Einwegteller oder -besteck geben, somit ist jeder angehalten eine kleine Schüssel und einen Löffel mitzubringen. Die Sylt Quelle erfrischt alle Helfer mit Mineralwasser und Sylter Brause.

Kontakt:
Markus Mager
info@surfclubsylt.de

Yes we Cannes- Goldene Palme für den Beachexplorer

Mit der kostenlosen BeachExplorer-App wurden bereits über 15.000 Funde gemeldet, Foto: Kirsten Thiemann, Schutzstation Wattenmeer

Mit der kostenlosen BeachExplorer-App wurden bereits über 15.000 Funde gemeldet, Foto: Kirsten Thiemann, Schutzstation Wattenmeer

Strandfunde-App der Schutzstation Wattenmeer gewinnt „Reise-Oskar“ auf der ITB

Auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin hat der Beachexplorer der Schutzstation Wattenmeer in der Kategorie „Destinationen“ die Goldene Palme 2017 gewonnen. Die Jury lobte das Projekt, das vom Bundesamt für Naturschutz mitfinanziert wurde, weil es Naturschutz, Wissen und Erholung spielerisch verknüpft. Die durch GEO SAISON vergebene Goldene Palme wird auch als „Tourismus-Oskar“ bezeichnet. Die Zeitschrift hatte diesen wichtigsten deutschen Reisepreis erstmals nicht nur an Veranstalter, sondern für die besten Innovationen der gesamten Branche ausgelobt.
„Wir freuen uns sehr über diese tolle Auszeichnung“,  sagt Biologe Rainer Borcherding, Projektleiter und Erfinder des BeachExplorer. „So werden noch mehr Gäste an Nord- und Ostsee dafür gewonnen, mit Smartphone-Unterstützung die Meeresnatur zu erkunden und ihre Funde zu melden.“ Viele Strandspaziergänger fragen sich: „Was hat mir das Meer gerade vor die Füße gespült? Muschel, Schnecke oder nur Müll?“. An Nord- und Ostsee helfen nun BeachExplorer und BalticExplorer: Mit den kostenloses Apps der Schutzstation Wattenmeer kann man seinen Fund per Smartphone fotografieren, auf ein Portal hochladen und identifizieren.
Der BeachExplorer bietet eine Bestimmungshilfe für über 2.000 verschiedene Arten von Strandfunden. Zu jedem Fund gibt es Steckbriefe und Hintergrundinformationen. Rund 1.000 registrierte User haben bereits über 15.000 Funde gemeldet – es konnten sogar fünf Arten erstmals in Deutschland nachgewiesen werden. Über die Jahre soll so ermittelt werden, wo welche Dinge angespült werden und ob sich die Häufigkeiten mit dem Klima oder mit Meeressschutzmaßnahmen ändern.
Die Goldene Palme ist die dritte renommierte Auszeichnung für den BeachExplorer. 2015 wurde die App mit dem schleswig-holsteinischen Tourismuspreis (2. Platz) ausgezeichnet. 2016 gewann der BeachExplorer den Citizen Science-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane.
PM der Schutzstation Wattenmeer e.V.

 

USA-Studenten machten sich schlau auf Sylt

Eine 25köpfige, amerikanische Studentengruppe mit Ihren Professoren Dr. phil. Soeren A. Steding und Jim Martin-Schramm tourte vergangene Woche durch Nordfriesland um sich zum Thema „Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz“ schlau zu machen.

USA College

Die amerikanischen Studenten aus Iowa/USA bei der sylter Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der Alten Post/Westerland. (L.Koch,5.v.l.hinten)
Sie bereist Norddeutschland und England unter dem Motto „Green Europe – Advanced Models of Sustainability“
(Grünes Europa-Fortschrittliche Modelle von Nachhaltigkeit).

Erste Anlaufadresse zu dem Thema war auf Sylt die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Fraktionsvorsitzende Maria Andresen begrüßte die Delegation aus den USA am Bahnhof in Westerland zusammen mit Ihrem Fraktionskollegen Thomas Urmersbach.

Der Biologe und Buchautor Lothar Koch informierte in der “Alten Post“ die Vertreter des Luther Colleges aus Decorah/Iowa in einem umfangreichen englischsprachigen Vortrag über den Themenkomplex „Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee, Energie- und Verkehrswende auf Sylt und die möglichen Konfliktfelder mit Interessen der Insulaner und des Naturschutzes“.

Die Studenten und Professoren führten im Anschluß eine angeregte Diskussion mit Vertretern der Grünen und zeigten sich beeindruckt, wie tierartenreich die Nordsee vor Sylt ist und wieviele Windparks noch vor der Küste geplant sind.

Vor dem Hintergrund der neuen politischen Situation in den USA mit einem Präsidenten Trump, der den Klimaschutz zurückdrehen will, waren sich alle einig, daß das alte Motto wiederbelebt werden muss: „Think globally, act locally” (Global denken und lokal handeln).

Fraktion Bündnis90/Die Grünen-Sylt

 

Kehr -aus gegen Plastik im NSG Nord-Sylt

EllenbogenTeam_Horst

 Reinigungsaktion im Naturschutzgebiet Sylt Nord auf dem Lister Ellenbogen am nächsten Samstag 21. Januar 2017 von 10:00 – 13:00 Uhr 

Wie auch schon letztes Jahr möchten die Sylter Werkstätten gemeinsam mit der Naturschutzgemeinschaft Sylt e.V. und der Gemeinde List im Rahmen des Projektes „Heimatliebe Sylt – Plastikinsel nein Danke“ das neue Jahr 2017 mit einer Reinigungsaktion im Naturschutzgebiet auf dem Ellenbogen starten. Bereits am 16.01.2016 kamen circa 60 Aktive zusammen, die in nur drei Stunden eine 10m^3 Mulde füllten – ein trauriger Erfolg. Nach den beiden Hochwasserständen Ende letzten Jahres gehen wir davon aus, dass die Nordsee uns auch dieses Mal wieder einige Überraschungen angeschwemmt hat.

Am Samstag den 21. Januar starten wir um 10 Uhr vom Parkplatz der Kitesurfer/Übergang 10 ins Naturschutzgebiet. Müllsäcke, Greifzangen und Handschuhe werden gestellt. Gerne können auch eigene Handschuhe und ein Spaten mitgebracht werden. Nach getaner Arbeit um 13 Uhr gibt es noch Suppe und etwas Warmes zu trinken. Dazu bitte Suppenteller, Löffel und Tasse mitbringen; wir wollen auch hier keinen weiteren Müll in Form von Plastikgefäßen und Pappbechern produzieren!

Das Betreuungsgebiet der Söl’ring Foriining besticht durch zahlreiche Besonderheiten. Es ist ein Sandhaken, der sich in ständiger Veränderung befindet und Wind und Wellen ausgesetzt ist. Seine Wildheit und Ursprünglichkeit ist Heimat für seltene Pflanzen- und Tierarten, die teilweise nur noch dort vorkommen und dadurch besonders schützenswert sind. Gerade deshalb hoffen wir auf eine rege Teilnahme. Durch andauernde Sturmphasen in den Herbst- und Wintermonaten kommt es immer wieder zu hohen Wasserständen. Die Nordsee mäandriert dann tief in die Dünenlandschaft hinein, bis das Wasser schließlich zur Ruhe kommt. So wird auch alles Mitgebrachte aus der Nordsee an ungewöhnlichen Stellen abgelagert. Leider findet sich neben Algen, Pflanzenresten und Holzstücken auch viel anthropogener Müll. Gerade Plastik stellt eine große Gefahr für die Umwelt dar. Es zersetzt sich nicht, sondern wird in den Meeren nur immer und immer kleiner. Fische nehmen Mikroplastik über ihre Nahrung auf und somit gelangt es auch wieder in den Nahrungskreislauf des Menschen. Um solchen Vorgängen entgegenzuwirken, hoffen wir auf viele Freiwillige, die uns helfen den Ellenbogen, eine einzigartige Naturlandschaft auf unserer Heimatinsel Sylt, von Unrat zu befreien.

Um Fahrgemeinschaften zu bilden, können sich Teilnehmer um 9:15 Uhr auf dem Parkplatz der Sylter Werkstätten treffen. Sollte das Wetter am 21. Januar nicht mitspielen, Monia und Hauke beim Müllsammelnschaut bitte bis 9 Uhr auf unserer Facebookseite nach, ob die Aktion stattfindet oder nicht. Auf der Homepage von Syltfunk Söl’ring Radio findet ihr ebenfalls Informationen.

Bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung. Die Naturschutzgemeinschaft Sylt sind von Montag bis Freitag unter Tel. 04651-44421 und die Sylter Werkstätten unter Tel. 8863700 erreichbar.

 

Naturschutzgemeinschaft Sylt

Wer springt denn da vom Muschelkutter?

 

Umweltminister Robert Habeck

Umweltminister Robert Habeck

 

Heute nachmittag am Hörnumer Hafen. Zwei riesige Muschelkutter der holländischen Flotte laufen ein. Einer hat den Chef an Bord: Adrian Leuschel. Herr über acht der begehrten Miesmuschellizenzen, die im Nationalpark vergeben werden. Lange gab es Streit um diese Fischereiart im Wattenmeer. Vor kurzem ist jedoch ein Kompromiss gelungen, dem nun alle Seiten zustimmen konnten: die Muschelfischer und die Naturschützer. Kurz gesagt: Die Muschelfischerei muss einige liebgewonnenen Wattareale komplett räumen, damit dort der ungestörte Ablauf der Naturvorgänge ablaufen kann, dafür darf sie in anderen Gebieten, wie dem Hörnum Tief ihre neuartige Muschelzucht in “Smartfarmen”, an aufgehängten Seilen intensivieren.

Vor wenigen Jahren wäre das heutige Bild noch nicht möglich gewesen: ein Grüner Umweltminister läßt sich von einem der großen Muschelkutter von Föhr nach Sylt schippern, ohne das protestierende Naturschützer ihn am Kai empfangen.

Heute Abend aber so geschehen, wie das Video beweist:Robert Habeck geht von Bord Umweltminister Robert Habeck springt mit einem gekonnten Sprung von Bord.

Dort wird er von mir und dem Landtagsabgeordneten Andreas Tietze bereits erwartet. Wir wollen mit dem Minister heute nicht über Fischerei reden, sondern über unser Sylter Projekt: Infostelen für das Walschutzgebiet. Dazu führen wir ihn an die tosende hörnumer Brandung und zeigen ihm eine der im Frühjahr aufgestellten interaktiven Waltafeln. Wir erläutern dem Minister unseren Plan zu den bestehenden zwölf Unikaten, mindestens weitere zwölf in 2017 hinzufügen zu wollen. Diesmal mit noch mehr Interaktivität. Um Deutschlands größtes Naturschutzgebiet wirklich allen Gästen bekannt machen zu können. Er ist begeistert. Allerdings hört er nun zum ersten Mal, daß der Geldfluß für das Projekt erstmal von Bedenkenträgern in Ämtern und Ministerien gestoppt wurde.

Nun hoffen wir, daß der Minister sich nach seinem Syltbesuch persönlich ganz aktiv für die Fortsetzung des wichtigen Projektes für die kleinen Wale einsetzt.

Der Besuch geht heute und morgen weiter: Gespräche in der Schutzstation Wattenmeer, Baggerfahren mit Sandvorspülern am Rantumer Strand und Besuch der wissenschaftlichen Projekte des AWI.

Lothar Koch

Bald mehr „Augen“ zum Schutz von Strand und kleinen Walen!

 

Rettungsschwimmer als "Augen für Meeresschutz"

Rettungsschwimmer als “Augen für Meeresschutz”

Strandarbeiter und Rettungsschwimmer können jetzt auch “Augen für sylter Meeresschutz” sein. Naturschutzverbände schulen derzeit Mitarbeiter der Kurbetriebe.

Vieles, was am Weststrand in Sachen Natur- und Meeresschutz gemacht wird ist selbst den Strand-Mitarbeitern der Kurbetriebe nicht ganz klar. Weshalb werden ganz bestimmte Vogelarten registriert und Totfunde abgesammelt und andere nicht? Wann genau sollen Seehundjäger informiert werden? Und was hat es eigentlich genau mit dem Sylter Walschutzgebiet auf sich?

Die Idee, mehr Umwelt-Wissen und Zusammenhänge zwischen Strandpersonal und Naturschutzmitarbeitern zu vernetzen, kam im Arbeitskreis der Sylter  Naturschutzverbände auf und wurde umgehend umgesetzt. “Es fördert doch das Verständnis für unser Anliegen enorm, wenn Rettungsschwimmer, Strandkorbwärter und Kurkartenkontrolleure besser Bescheid wissen, was in ihrem Strandabschnitt an Meeres-und Strandschutzmaßnahmen wichtig sein könnte”, meint Margit Ludwig von der Naturschutzgemeinschaft Sylt.”

“Das macht wirklich Sinn”, so die Nationalpark-Rangerin Anne Schacht, “schließlich sitzen entlang des vierzig Kilometer langen Strandes ja über hundert Mitarbeiter der Kurbetriebe, die durchaus nebenbei ein “Umweltschutz-Auge” auf Strand und Meer haben könnten.”

Dennis Schaper von der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum ergänzt: “Das erste europäische Walschutzgebiet, das sich über die Landes-Nordseegewässer vor Sylt und Amrum erstreckt ist immer noch wenig bekannt. Dabei sieht man gerade in diesen Tagen überall kleine Schweinswale mit ihren frischgeborenen Kälbern auftauchen. An den Stränden liegen verstärkt Seehundsheuler. Es wäre gut mit geschulten Helfern die Sichtungsdaten zu sammeln und Wale und Robben vor menschlichen Störungen aller Art zu schützen.”

„Die Strand-Mitarbeiter der Kurbetriebe könnten über das Schutzgebiet und seine Bewohner in Gesprächen mit interessierten Gästen fachkundig Auskunft geben, wenn Sie mehr darüber wüssten. Deshalb setzen wir gemeinsam mit den Kurbetrieben zwischen Hörnum und List in diesen Tagen eine Veranstaltungsreihe um, die der naturschutzfachlichen Schulung dient. Wir freuen uns sehr, daß wir bald mehr Augen für den Sylter Meeresschutz haben“, meint Walter Körnig, der Beauftragte des NABU in List.

Dabei soll es nicht nur um Meeressäuger gehen, sondern auch um verschiedene Projekte zum Thema Plastikmüll im Meer und die Kontrolle von Strandverschmutzungen. Die Verbände erhoffen sich von interessierten Kurbetriebsmitarbeitern schnelle Weiterleitung von Informationen, wenn besondere Sichtungen oder Funde von naturkundlicher oder umweltschutztechnischer Bedeutung gesichtet werden.

Die Kurbetriebe der Insel haben das Angebot der Naturschutzverbände sofort dankbar angenommen  und ihre Strand-Mitarbeiter für die Teilnahme an einer einstündigen Info- Veranstaltungen der Verbände freigestellt. Die Teilnahme an den Infoverantstaltungen und am Strand-Beobachtungsnetzwerk sind für die Mitarbeiter natürlich freiwillig.

 

Lothar Koch

für die Schutzstation Wattenmeer eV., die Naturschutzgemeinschaft Sylt e.V., den NABU, die sylter Nationalpark-Rangerin

 

67,6 Prozent gingen nicht zur Wahl beim Hallen-Entscheid

Die Hallen 25 und 28 bleiben stehen. Das ist das Ergebnis des gestrigen Bürgerentscheids

Schrotthalle auf dem Fliegerhorst

Halle aus dem 2. Weltkrieg auf dem Fliegerhorst

(s. Statistik). Von den 12824 Wahlberechtigten hatten 67,6 Prozent keine Meinung oder keine Gelegenheit, zu diesem Thema abzustimmen. Erstaunlich, denn der “Wahlkampf” wurde mit einer erheblichen “Materialschlacht” geführt, wie sie selbst bei Kommunalwahlen auf Sylt bislang kaum erlebt wurde. Das “Material” zeigte sich vor allem in Großanzeigen, Plakaten, Zeitungsbeilagen und Flyern der Abrissgegner.  Sie investierten zig-Tausende von Euro in die Werbung für Ihren Standpunkt und hatten damit Erfolg bei ca 25% der Wahlberechtigten. Das reichte aus um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Ob die Bereitschaft für die Aufwendung dieser Mittel von Unternehmerseite her allein aus Sympathie für die ehrenamtlichen Hallennutzer geschah, oder auch spekulative Absichten für das Fliegerhorstgelände eine Rolle spielen, wird die Zukunft zeigen.

Die Abrissbefürworter blieben in der Sache und im Wahlkampf recht sparsam beim Einsatz finanzieller Mittel, hatten sie doch ihre Hauptargumentation auf den immensen Kostenfaktor gelegt, den ein Erhalt der Hallen nach sich ziehen würde. Doch die Erwartung, daß vernünftige Sachargumente eine emotional geführte Debatte nennenswert beeinflussen können wurde wie schon so oft bei früheren Entscheidungen auf der Insel enttäuscht.Bürgerentscheid Ergebnis

Nun sind die Abrissgegner am Zug und mit ihnen deren Unterstützer, also vor allem die Sylter Unternehmer und die CDU. Sie müssen jetzt zeigen, ob sie ihre vollmundigen Versprechen aus dem Wahlkampf halten können:
- Bereitstellung funktionstüchtiger Hallen für den Katastrophenschutz mit nur ca. 500 000 Euro Einsatz und ehrenamtlicher Arbeit.

- Abwendung von Zahlungen an die BIMA (ca 400 000 Euro an die Bundesanstalt für Immobilien)

- Ebnung von rechtlichen Hürden zur Weiterverwendung der bislang illegal genutzen und denkmalgeschützten Hallen  im Aussenbereich

Die Abriss-befürwortenden Parteien sind aufgerufen die kommenden Entwicklungen in dem Gebiet genau zu beobachten und sicherzustellen, daß über die Nutzbarmachung der Hallen keine weiteren Begehrlichkeiten durchgesetzt werden, wie beispielsweise eine Änderung der Flächennutzungsplanung, um weitere Gebäude in dem naturgeschützten Areal zu erreichten. Das sind sie den knapp 1000 Wählern schuldig, die für einen Abriss gestimmt haben.

Lothar Koch