Mehr Sylter Bewusstsein contra Autoverkehr spürbar

autoMiv klingt wie Mief. Gemeint ist mit der Abkürzung der “motorisierte Individualverkehr”, vor allem der, der noch mit fossilen Brennstoffen angetrieben wird. Sylt ist seit 50 Jahren eine explizite “Autoinsel”. Das lässt sich mit dem Siegel “Luftkurort” und Wellnessoase nicht immer gut vereinbaren.

Seit Jahrzehnten versuchen Verbandsvertreter aus dem Umweltschutz die sylter Autoflut, die vor allem über den Hindenburgdamm spült (1 Million Verladungen/Jahr), zurückzudrängen.

Bislang herrscht bei Einheimischen und Entscheidungsträgern jedoch wenig Lust und Mut,  massiv den Autoverkehr zu reduzieren und auf umweltfreundliche Energie umzustellen.

Radspuren auf Verkehrsstrassen könnten helfen, Autos zurückzudrängen und Radler zu fördern.

Radspuren auf Verkehrsstrassen könnten helfen, Autos zurückzudrängen und Radler zu fördern.

Kleine Ansätze eines Bewusstseinswandel sind aber spürbar. Neuerdings im Bereich Autowerbung. So hat der Landschaftszweckverband den Anliegen von Mercedes und Maserati, auf den verbandseigenen Großparkplätzen K4 (Hörnum) und Tadjem Deel (Rantum) für seine Fahrzeuge zu werben eine Absage erteil. Zwar nur mit knapper Mehrheit-aber immerhin. Auch die Zusammenarbeit des Zentrums für Naturgewalten Sylt mit der Firma Volvo liegt auf Eis, nachdem im vergangen Sommer die gemeinsame Aktion kritisiert wurde, weil Volvo halt nicht ausschliesslich E-Mobile auf Sylt zur Schau stellte, sondern überwiegend “Miefs”.

Bleibt zu hoffen, dass auch die Organisatoren der Großveranstaltung auf Westerlands Promenade sich bewegen und ihren Partner-Firmen und Sponsoren in Zukunft vorschreiben, bei den Cups nur klimafreundliche Fahrzeuge vorzustellen.

 

Lothar Koch

Das Buch zur Biike

Syltopia Feuer und FlammeFebruar ist BIIKE-Zeit auf Sylt. Am 21.2. entfachen die Dörfer der Insel alle ein großes Feuer und alle Friesen versammeln sich zum “Thing” (großer Rat). So war es zumindest Früher.

Heute versammelt man sich eher mit ziemlich vielen Urlaubern, starrt ins Feuer und versucht den ein oder anderen Fetzen einer Rede mitzubekommen, die meist quäkend über ein Megaphon im Wind vorgetragen wird. Nicht selten haben diese flammenden Reden einen leicht revolutionären Touch. Altfriesen oder Lokalpolitiker bäumen sich gewaltig auf, sprechen mahnende Worte in deutsch und friesisch, daß es so mit der Insel ja wohl nicht weitergehen könne. Leider verfliegen die Worte meist recht schnell mit dem Wind- und ausserdem kommen zu dieser Jahreszeit ja nicht so viele Zuhörer zusammen, daß man sich daran halten müsste. Danach gibt es dann Grünkohl und Würstchen und natürlich jede Menge zu trinken. Letzteres findet dann im privaten Kreis zu Hause, oder in einschlägigen Kneipen und Restaurants statt. Viele Sylter haben das so in den Knochen, daß sie sich sogar eine Portion Grünkohl mit in den Karibik-Urlaub nehmen, wenn sie am 21.2. dort statt auf der Insel verweilen.

Jedenfalls ist der Februar unbedingt auch eine Zeit sich auf´s Sofa zu kuscheln oder vor den Kamin zu setzen und ein Buch zu lesen. Da kann ich meinen Roman Syltopia nur empfehlen. Er ist geradezu ein BIIKE-Buch, denn es geht ja um eine Revolution auf der Insel und um die Werte, die bei der BIIKE so oft beschworen werden. Und natürlich um ganz viel mehr…. Mehr dazu auf www.syltopia.de.

Also liebe Sylter! Wenn ihr es noch nicht gelesen habt, ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen. Legt es auch gern Euren Gästen als BIIKE-Lektüre in die Ferienwohnung.

Bestellt es direkt bei mir: info@syltopia.de,(gern auch signiert) oder holt es Euch in einer der Inselbuchhandlung (bitte nicht bei Amazon!). Das Buch hat 271 Seiten und kostet 14,9 Euro.

Mit revolutionären Yoga-Grüßen

Lothar Koch

 

USA-Studenten machten sich schlau auf Sylt

Eine 25köpfige, amerikanische Studentengruppe mit Ihren Professoren Dr. phil. Soeren A. Steding und Jim Martin-Schramm tourte vergangene Woche durch Nordfriesland um sich zum Thema „Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz“ schlau zu machen.

USA College

Die amerikanischen Studenten aus Iowa/USA bei der sylter Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der Alten Post/Westerland. (L.Koch,5.v.l.hinten)
Sie bereist Norddeutschland und England unter dem Motto „Green Europe – Advanced Models of Sustainability“
(Grünes Europa-Fortschrittliche Modelle von Nachhaltigkeit).

Erste Anlaufadresse zu dem Thema war auf Sylt die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Fraktionsvorsitzende Maria Andresen begrüßte die Delegation aus den USA am Bahnhof in Westerland zusammen mit Ihrem Fraktionskollegen Thomas Urmersbach.

Der Biologe und Buchautor Lothar Koch informierte in der “Alten Post“ die Vertreter des Luther Colleges aus Decorah/Iowa in einem umfangreichen englischsprachigen Vortrag über den Themenkomplex „Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee, Energie- und Verkehrswende auf Sylt und die möglichen Konfliktfelder mit Interessen der Insulaner und des Naturschutzes“.

Die Studenten und Professoren führten im Anschluß eine angeregte Diskussion mit Vertretern der Grünen und zeigten sich beeindruckt, wie tierartenreich die Nordsee vor Sylt ist und wieviele Windparks noch vor der Küste geplant sind.

Vor dem Hintergrund der neuen politischen Situation in den USA mit einem Präsidenten Trump, der den Klimaschutz zurückdrehen will, waren sich alle einig, daß das alte Motto wiederbelebt werden muss: „Think globally, act locally” (Global denken und lokal handeln).

Fraktion Bündnis90/Die Grünen-Sylt

 

Verkehrspolitisches Inseltennis

Die Berichterstattung in der Sylter Rundschau in diesen Tagen riss mich zu folgendem Leserbrief hin:Autozug

Beim Lesen Ihres Artikels hatte ich gleich eine Karikatur im Kopf: „verkehrspolitisches Inseltennis“.

Wie seit Jahrzehnten spielt jeder Funktionär der zum Thema Verkehr gefragt wird den Ball, oder besser die heisse Kartoffel, einem anderen Akteur im insularen Verkehrschaos zu. Wo bleibt der Schiedsrichter der dieses Spiel endlich zu Gunsten der Insel beendet?

Natürlich hat Herr Schnittgard recht, wenn er die Lösung in einer drastischen Reduzierung des Autoverkehrs sieht. Aber das kann nur funktionieren wenn das lange überfällige und nun endlich vorliegende  Verkehrskonzept der Insel zügig und vollständig umgesetzt wird und nicht nur eine weitere Studie auf dem großen Papierstapel der Konzepte bleibt.

Zusätzlich muss sowohl auf der Insel in allen relevanten Broschüren und Websites, aber vor allem auch in den Heimatgebieten unserer Urlauber mit smarten Werbekampagnen  massiv  dafür geworben werden, eben nicht mit dem Auto anzureisen.

Unsere Gemeinderäte sollten große Teile der bewilligten Gelder für die Sylter Imagewerbung nur zweckgebunden für derartige Kampagnen an ISTS und SMG auszahlen, damit die Investitionen ins touristische Marketing einen echten Mehrwert für die Insel und ihre Bürger erzeugen.

Lothar Koch

Gemeinde Sylt beschließt Leitbild Verkehr

 

Wer breit Auto fährt sollte zusätzlich zur Kasse gebeten werden !

Wer breit Auto fährt sollte zusätzlich zur Kasse gebeten werden ! 

Am 20.10.2016 wurde auf der Ratssitzung der Gemeinde Sylt ein Leitbild zum Mobilitäts- und Verkehrskonzept einstimmig verabschiedet.

Das Leitbild wurde  auf der Grundlage eines im Jahre 2014 vorgelegten Verkehrsgutachtens für die Insel vorgelegt.
Über folgende Formulierung sollten die Ratsmitglieder den Finger heben

Radspuren auf Verkehrsstrassen könnten helfen, Autos zurückzudrängen und Radler zu fördern.

Radspuren auf Verkehrsstrassen könnten helfen, Autos zurückzudrängen und Radler zu fördern.

- Die Wege, die mit dem Umweltverbund (Zufußgehen, Radfahren und Öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV)) von Bewohnern, Touristen und Tagesbesuchern durchgeführt werden, sollen deutlich gesteigert werden. Durch die gezielte Stärkung des Umweltverbundes wird die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs (MIV-Anteiles) angestrebt.

Anmerk. d. Redaktion: Das heisst übersetzt, die Gemeinde verpflichtet sich selbst, attraktive Maßnahmen und Anreize zu schaffen, die Menschen auf der Insel motivieren, ihr Auto stehen zu lassen (am besten gleich zu Hause am Festland).

- Der Radverkehr soll einen deutlichen Qualitätssprung erfahren und sollte als ganzheitliche Systemplanung weiter entwickelt werden.

Anmerk. d. Redaktion: Dabei geht es nicht nur um geeignete, durchgängige und sichere Fahrradwege, sondern auch um Angebote für den Gast, wie zum Beispiel ein Fahrradverleihsystem “Sylt-Bike”, bei dem online gebucht werden kann und das Fahrrad an zahlreichen Stellen der Insel wieder abgegeben werden kann, sodaß man nicht wieder zum Verleih zurückkehren muss. (Die Ferienregion Usedom hat das bereits realisiert).

- Durch geeignete Maßnahmen soll ein störungsfreier und gesicherter Betriebsablauf im ÖPNV sichergestellt werden. Das heutige Angebot des ÖPNV sollte erhalten bleiben und nach Möglichkeit qualitativ verbessert werden.

- Die Nahbereichsmobilität soll gefördert werden. Flächen für Fußgänger sind zu schützen, weiter barrierefrei auszubauen und zu vernetzen.

- Die Verbesserung der regionalen und überregionalen Erreichbarkeit der Insel wird angestrebt durch:

- Verkürzung der Reisezeit im Bahnverkehr zwischen Hamburg und Westerland

- Durchgehende 2-Gleisigkeit der Bahnstrecke zwischen Niebüll und Westerland

- Elektrifizierung der Marschbahn mit Durchbindung von ICE-Zügen nach Westerland

In dem Verkehrskonzept Sylt haben die Gutachter der Gemeinde  sechs Handlungsfelder empfohlen, die teils nacheinander, teils parallel zueinander abgearbeitet werden sollten:

- ÖPNV
- Radverkehr
- Multimodalität / Mobilitätsmanagement / Mobilitätsberatung
- Motorisierter Individualverkehr (MIV) /Verkehrsmanagement / Ruhender Verkehr
- An- und Abreise
- Fußverkehr / Nahbereichsmobilität

Die Lenkungsgruppe “Verkehr”  empfiehlt den Verbesserungsschwerpunkt auf die Handlungsfelder ÖPNV, Radverkehr und Multimodalität (Sylt-MobilCard) zu legen und hierzu entsprechende Detailkonzepte zu erarbeiten.

Deshalb stimmten die Ratsmitglieder in der selben Sitzung auch gleich über die Erarbeitung eines Radverkehrskonzeptes ab. Es soll jetzt vom Amt der  Gemeinde Sylt intern erarbeitet werden und baldmöglichst zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Wie, wann und von wem die anderen wichtigen Detailkonzepte des Verkehrsgutachtens abgearbeitet werden, bleibt zunächst unklar.

Fremdenverkehr geht auch ganz ohne KFZ: die Insel Juist ist autofrei (Hier Fährankunft am Hafen)

Fremdenverkehr geht auch ganz ohne KFZ: die Insel Juist ist autofrei (Hier Fährankunft am Hafen). Man sieht Rollcontainer für Koffer, Fahrräder, Handkarren, Pferdefuhrwerke und Pferdebusse.

Lothar Koch

67,6 Prozent gingen nicht zur Wahl beim Hallen-Entscheid

Die Hallen 25 und 28 bleiben stehen. Das ist das Ergebnis des gestrigen Bürgerentscheids

Schrotthalle auf dem Fliegerhorst

Halle aus dem 2. Weltkrieg auf dem Fliegerhorst

(s. Statistik). Von den 12824 Wahlberechtigten hatten 67,6 Prozent keine Meinung oder keine Gelegenheit, zu diesem Thema abzustimmen. Erstaunlich, denn der “Wahlkampf” wurde mit einer erheblichen “Materialschlacht” geführt, wie sie selbst bei Kommunalwahlen auf Sylt bislang kaum erlebt wurde. Das “Material” zeigte sich vor allem in Großanzeigen, Plakaten, Zeitungsbeilagen und Flyern der Abrissgegner.  Sie investierten zig-Tausende von Euro in die Werbung für Ihren Standpunkt und hatten damit Erfolg bei ca 25% der Wahlberechtigten. Das reichte aus um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Ob die Bereitschaft für die Aufwendung dieser Mittel von Unternehmerseite her allein aus Sympathie für die ehrenamtlichen Hallennutzer geschah, oder auch spekulative Absichten für das Fliegerhorstgelände eine Rolle spielen, wird die Zukunft zeigen.

Die Abrissbefürworter blieben in der Sache und im Wahlkampf recht sparsam beim Einsatz finanzieller Mittel, hatten sie doch ihre Hauptargumentation auf den immensen Kostenfaktor gelegt, den ein Erhalt der Hallen nach sich ziehen würde. Doch die Erwartung, daß vernünftige Sachargumente eine emotional geführte Debatte nennenswert beeinflussen können wurde wie schon so oft bei früheren Entscheidungen auf der Insel enttäuscht.Bürgerentscheid Ergebnis

Nun sind die Abrissgegner am Zug und mit ihnen deren Unterstützer, also vor allem die Sylter Unternehmer und die CDU. Sie müssen jetzt zeigen, ob sie ihre vollmundigen Versprechen aus dem Wahlkampf halten können:
- Bereitstellung funktionstüchtiger Hallen für den Katastrophenschutz mit nur ca. 500 000 Euro Einsatz und ehrenamtlicher Arbeit.

- Abwendung von Zahlungen an die BIMA (ca 400 000 Euro an die Bundesanstalt für Immobilien)

- Ebnung von rechtlichen Hürden zur Weiterverwendung der bislang illegal genutzen und denkmalgeschützten Hallen  im Aussenbereich

Die Abriss-befürwortenden Parteien sind aufgerufen die kommenden Entwicklungen in dem Gebiet genau zu beobachten und sicherzustellen, daß über die Nutzbarmachung der Hallen keine weiteren Begehrlichkeiten durchgesetzt werden, wie beispielsweise eine Änderung der Flächennutzungsplanung, um weitere Gebäude in dem naturgeschützten Areal zu erreichten. Das sind sie den knapp 1000 Wählern schuldig, die für einen Abriss gestimmt haben.

Lothar Koch

Flugplatzhalle darf nicht genutzt werden– die Posse geht weiter!

Westerland, Juni 2019 :”Im Rathaus wiederholte der Gemeinderat zum vierundneunzigsten Mal eine Abstimmung über die Frage, ob eine marode Halle aus dem zweiten Weltkrieg abgerissen oder saniert werden solle. Jedesmal musste der Bürgervorsteher einzelne Fraktionsmitglieder wecken, die am ovalen Tisch der Inselvertreter eingeschlafen waren, jedesmal wiederholte er anhand eines Bebauungsplanes das Für und Wider, jedesmal gab es danach kontroverse Diskussionen. Das ganze Spektakel dauerte die Nacht hindurch, bis alle in einen ziemlich erschöpften Tiefschlaf fielen.” Auszug aus Syltopia, die Doku-Fantasy von Lothar Koch

"Nazihalle" 28

“Nazihalle” 28

 

Wird es tatsächlich so weitergehen, wie ich im vergangenen Jahr in meinem Roman SYLTOPIA prophezeit habe? Die Posse um die Wehrmachtshallen 25 und 28 auf dem ehemaligen Fliegerhorst-gelände läuft nun schon seit Jahren– und kein Ende in Sicht. In diesen Wochen kulminiert das ganze Thema.

Zur Erinnerung: Vor etlichen Jahren beschloß der Gemeinderat Sylts den Abriss der Hallen, weil seit der Aufgabe der militärischen Nutzung keine rechtliche Grundlage mehr für den Betrieb und Erhalt der Hallen existiert. Dafür sollte das Gelände, das zur Nazizeit teilweise enteignet und militärisch überbaut wurde und einen 200 Jahre alten Wald beherbergt renaturiert werden. Bei Nichterfüllung des Renaurierungs-Vertrages mit dem Bund, der das Gelände der Gemeinde überließ, fallen rund 200.000 Euro Rückzahlungen pro Halle an die zuständige Bundesanstalt BIMA an.

„Wir sehen im Abriss der Hallen eine letzte Chance, der Insel ohne wesentliche Nachteile eine relativ großes Stück Natur zurückzugeben, das dauerhaft vor Spekulation geschützt wäre.“ sagt Roland Klockenhoff von den Grünen. Es könnte zu einem neuen Naherholungsgebiet für Mensch und Natur gestaltet werden, zum Beispiel als “Wilde Weide”.

Lornsenhain- ältester Wald der Insel aus dem 19 Jahrhundert

Lornsenhain- zweitältester Wald der Insel aus dem Jahre 1821

Gegen diese Pläne macht seit über einem Jahr eine Bürgerinitiative und die Fraktion “Zukunft Sylt” mobil. Die Initiative will die Hallen für den Kastastophenschutz sichern. Hintergrund ist eine hinlänglich geduldete, letztendlich aber über Jahre illegale Nutzung der Hallen durch ehrenamtliche Verbände wie die Feuerwehr und das DRK. Derzeit nutzen ehrenamtlichen Katastrophenschützer die Halle 28 als Materiallager und Fuhrpark für ihre Fahrzeuge. Obwohl die Gemeinde den Rettungskräften den Neubau einer Halle am Flughafen avisiert hat, die mit rund 500.000 Euro veranschlagt wird, will die Initiative an den Wehrmachtshallen festhalten. Für deren Restaurierung veranschlagt die Gemeinde Sylt nach gutachterlicher Stellungnahme 4,9 Millionen Euro. Erschwerend kommt hinzu, daß die Hallen aus relativ unerfindlichen Gründen vor einigen Jahren auf die Liste denkmalgeschützter Gebäude Nordfrieslands gerutscht waren. Dieser Umstand bedeutet, daß Bund, Land und Kreis sich mit verschiedenen Forderungen gegenseitig blockieren. Der Bund und  Land wollen Abriss und Denaturierung, der Kreis hingegen Denkmalschutz. Der ehemalige Beschluss der Gemeinde pro Abriss ist innerhalb der Fraktionen und auch zwischen den Inselgemeinden wohl vor allem aus wahltaktischen Gründen inzwischen erneut zum Zankapfel geworden.

Die Bürgerinitiative setze in diesem Frühjahr durch das Sammeln von ausreichend Stimmen in der Gemeinde einen Bürgerentscheid durch, der am 12. Juni 2016 das Schicksal der Hallen klären soll. Die Bürger der Gemeinde können dann direkt pro oder contra Abriss abstimmen.

Heute kam dann der Paukenschlag aus der Bauaufsichtsbehörde des Kreises Nordfriesland: Mit einer Androhung von 500.000 Euro Bußgeld bei Verzögerung des angeordneten Sofortvollzuges, schickte die Behörde eine Nutzungsuntersagung der Halle 28. Die Halle sei aus Gründen der Baufälligkeit und des mangelnden Brand- und Elektroschutzes eine Gefahr für Leib und Leben und müsse unverzüglich von den Fahrzeugen des DRKs, der Feuerwehr und weiteren Gegenständen geräumt werden.

Es könnte also tatsächlich passieren, daß Sylt nach einem (teuren) Bürgerentscheid, der sich für den Erhalt der Hallen ausspricht zwei baufällige Gebäude besitzt, die mit hohen Kosten im Sinne des Denkmalschutzes von der Gemeinde restauriert werden müssen und dann nicht genutzt werden dürfen. Zusätzlich darf die Gemeinde dann noch rund 400.000 Euro Rückzahlungen an den Bund leisten. Kosten und Posse ohne Ende?
Syltopia, ick hör Dir trapsen!

 

Lothar Koch

 

 

Zukunftswerkstatt für Keitum

In Keitum läuft heute und morgen die Zukunftswerkstatt mit den Fragen:IMG_7066
Was fehlt in Keitum und was soll auf jedenfall bleiben?
Hier meine Antworten:
Es fehlen:
- kunsthandwerklich gestaltete Strassenschilder
Die Strassenschilder könnten das Ambiente des Kapitäns- und Kunsthandwerkerdorfes mehr zur Geltung bringen, wenn sie einzigartig originell gestaltet wären, statt diese blauen 08/15 Dinger von heute.
- Immer mehr fehlt der schöne Dorfcharakter
Alles was den Dorfcharakter optisch entwertet und eher in Richtung Urbanisierung deutet, sollte wieder verschwinden.
Zum Beispiel die überproportionierten Strassenverkehrsschilder rund um das Dorf, die wie Autobahnausfahrten wirken. Aber auch der Stil mancher Werbeschilder im Ort. Schön wäre es auch, da wo möglich, Asphalt zurückzubauen. Mehr hin zu Kopfsteinpflaster und ähnlichen “dorfgerechten” Wegen. Orte auf der dänischen Insel Fanö können ein gutes Beispiel für Keitum sein.
- Ein gutes Fußgänger und Radwegekonzept:
Je attraktiver Keitum für Fussgänger und Fahrräder wird, um so besser. Kleine, lebendige Fussgängerzonen, gute Radabstellmöglichkeiten und -wege. Eventuell auch ein kleiner Keitum-E-Bus, der nur im Dorf verkehrt und kostenlos herumfährt, um die die Leute vom Park and Ride-platz am Dorfeingang abzuholen.
Ein Expertengutachten zum Thema E-Mobilität könnte aus Landesfördermitteln finanziert werde.
- Reaktivierung des Schöpfwerkes am Nössedeich
Das ehemals von der Schutzstation genutzte Schöpfwerk sollte in diesem Sinn wieder genutzt werden. Eine Sanierung des Gebäudes wäre Voraussetzung. Durch Biotopmaßnahmen in den Wiesen auf der Binnendeichseite könnte der Standort für Naturbegeisterte noch aufgewertet. werden. Dann in das Türmchen oben einen tollen Vogel- und Sternenhimmelkiek mit Aussichtsmöglichkeiten in alle Richtungen bauen (am Bestenl als “Glaskuppel”).
- Aufwertung aller Hünengräber im Gemeindegebiet, besonders am Tipkenhoog
Die Hünengräber im Gemeindegebiet wirken trotz des Lehrpfades der Sölring Foriining überwiegend noch recht lieblos behandelt. Jeder einzelne Standort sollte bedacht werden: Wie kann man die historische Bedeutung und die Mystik, die von diesen Orten ausgeht besser herausarbeiten und präsentieren?
- Mehr Kunsthandwerksbetriebe mit “offener” Werkstatt.
Was soll bleiben:
-Natürliche Wattlandschaft, Reetdachhäuser, alte Kapitänshaüser. Kunsthandwerker, schöne Türen, Tante Emma Läden

Sylter Grüne weiter für Renaturierung auf Flughafen

Sylter Grüne befürworten weiterhin den Beschluss zum Hallenabriss auf dem Fliegerhorstgelände

Trotz des erfolgreich angelaufenen Bürgerbegehrens bleiben Die Grünen Sylt bei Ihrem vor Jahren getroffen „JA zum Abriß der alten Flugzeughallen“ auf dem ehemaligen Fliegerhorstgelände.    „Wir freuen uns über mehr Bürgerbeteiligung in der Inselpolitik“, sagt Maria Anderen, „allerdings sollten alle Argumente wohl gehört und überlegt sein.“

Nach Abwägung der Vor-und Nachteile hinsichtlich der Instandsetzungskosten der Hallen 25 und 28 und der zu erwartenden Betriebskosten halten es die Grünen  für unverantwortlich, die alten Flugzeughallen zu erhalten.

Wie im Informationsteil der Webseite des Bürgerbegehrens selbst vorgerechnet wird, belaufen sich die amtlich errechneten (geschätzten) Renovierungskosten und die Beträge, die an die BIMA zurückzuzahlen wären, auf 6,58 Millionen Euro. Die Hoffnung, diesen Betrag durch ehrenamtliche Arbeit deutlich zu senken, wird dort zwar geäussert, jedoch nicht mit Zahlen belegt. Ein solches Vorhaben wäre bei den denkmalgeschützten Gebäuden ohnehin nicht zulässig.

Zudem wird nicht erwähnt, daß  voraussichtlich unbefristete Folgekosten auf die Gemeinde zukommen, da die formal unter Denkmalschutz gestellten Hallen auf dem Marinefliegerhorst später dauerhaft erhalten werden müssten. Allerdings dürften sinnvolle Veränderungen an den Gebäuden, wie zum Beispiel ein Ersatz der schweren Flugzeughallentore und anderes mehr, aus Erwägungen des Denkmalschutzes  in Zukunft nicht vorgenommen werden.

„Wir sehen im Abriss der Hallen eine letzte Chance, der Insel ohne wesentliche Nachteile eine relativ großes Stück Natur zurückzugeben, das dauerhaft vor Spekulation geschützt wäre.“ sagt Roland Klockenhoff von den Grünen. „Die bereits von der Gemeinde beschlossene Renaturierung des Fliegerhorstes war und ist ein wichtiges Signal zur Abkehr vom rücksichtslosen Landschaftsverzehr durch Spekulation, wie wir ihn in den vergangenen Jahrzehnten auf Sylt erlebt haben. Dafür haben sich die Grünen maßgeblich erfolgreich eingesetzt.“ so der Naturschützer.

Für die Belange des Katastrophenschutzes sind sinnvollere, dezentrale  Alternativen möglich, die bereits von den Gemeinden und Fachleuten für Katastrophenschutz durchdacht/geprüft wurden:

Für die Menschenrettung z.B. in Hörnum, List und Kampen die Veranstaltungssäle und Hotels, evtl. Erholungsheime und Kurverwaltungen, in Wenningstedt und in der Gemeinde Sylt die Norddörferhalle, diverse Schulen/Sporthallen und Kindererholungsheime. Für Material könnten bei den jeweiligen Ortswehren Container nur für diesen Zweck aufgestellt werden.

„Diese Alternativen werden den Gemeindehaushalt langfristig sicherlich weniger belasten“, so die Grüne Gemeindevertreterin Maria Andresen.

Hörnum Odde: Keine grüne Phantasien aus Kiel

IMG_1686Der Grüne Umweltminister Robert Habeck hat über seinen Abteilungsleiter für Küstenschutz im Ministerium auf einen Hilferuf-Brief der Gemeinde Hörnum zur Odde- Problematik antworten lassen.

KOMMENTAR

Die Signale aus Kiel in Hinblick auf die Hörnum Odde klingen enttäuschend: Trotz Strategie 2100, Odde Thing und mehrerer Gespräche mit Naturschutzverbänden keine klare Willensäusserung im pro Naturschutzgebiet. Liegt das an der reinen Küstenschutzperspektive, die nahezu ausschließlich dargelegt wird? Vom zuständigen Landesamt für Naturschutz ist zur Sache nichts zu hören und die Nationalparkverwaltung ist dem Amtsleiter untergeordnet, die hier den Küstenschutz mit Beton(-denken) vertritt. Fehlt es an Geld oder auch an Phantasie die kostbare Landschaft Sylts zu erhalten? Auf die Frage, was denn schlußendlich passieren soll, wenn die Dünen endgültig aufgerieben sind, heißt es nur kryptisch „Wir haben Pläne in der Schublade, äußern uns aber nicht dazu“. Das bringt Verunsicherung und läßt innere Bilder von Betongürteln und -buhnen südlich des Hörnumer Leuchtturms entstehen. So eine Lösung wäre dann der „Worst Case“ für Hörnum und die Insel Sylt als touristische Marke. Vielleicht wird es aber auch ein häßlich schwarzer Deich, so wie der neue in List? Oder gelingt eine naturnähere Lösung mit einer künstlichen Düne? Nichts Genaues weiss man nicht. Man muss noch forschen. Ein Eingeständnis des LKNs, daß küstenschutztechnische Fehlentscheidungen der Vergangenheit (Tetrapoden für die Ferienhäuser) den Abtrag im NSG (FFH-Gebiet) beschleunigt haben, wird vermieden- das könnte möglicherweise nach europäischem Recht und dem Verursacherprinzip Regressforderungen ans Amt zu Folge haben.

Derweil lösen sich die uralten Heidedünen im Naturschutzgebiet weiter auf und die Immobilienmakler und Häuslebesitzer in der Kersigsiedlung reiben sich die Hände, weil gut geschützt hinter dem Betonwall die Preise wieder steigen. Das Naturschutzgebiet muss sich anpassen, heisst es in dem Schreiben.

LOTHAR KOCH