Flugplatzhalle darf nicht genutzt werden– die Posse geht weiter!

Westerland, Juni 2019 :”Im Rathaus wiederholte der Gemeinderat zum vierundneunzigsten Mal eine Abstimmung über die Frage, ob eine marode Halle aus dem zweiten Weltkrieg abgerissen oder saniert werden solle. Jedesmal musste der Bürgervorsteher einzelne Fraktionsmitglieder wecken, die am ovalen Tisch der Inselvertreter eingeschlafen waren, jedesmal wiederholte er anhand eines Bebauungsplanes das Für und Wider, jedesmal gab es danach kontroverse Diskussionen. Das ganze Spektakel dauerte die Nacht hindurch, bis alle in einen ziemlich erschöpften Tiefschlaf fielen.” Auszug aus Syltopia, die Doku-Fantasy von Lothar Koch

"Nazihalle" 28

“Nazihalle” 28

 

Wird es tatsächlich so weitergehen, wie ich im vergangenen Jahr in meinem Roman SYLTOPIA prophezeit habe? Die Posse um die Wehrmachtshallen 25 und 28 auf dem ehemaligen Fliegerhorst-gelände läuft nun schon seit Jahren– und kein Ende in Sicht. In diesen Wochen kulminiert das ganze Thema.

Zur Erinnerung: Vor etlichen Jahren beschloß der Gemeinderat Sylts den Abriss der Hallen, weil seit der Aufgabe der militärischen Nutzung keine rechtliche Grundlage mehr für den Betrieb und Erhalt der Hallen existiert. Dafür sollte das Gelände, das zur Nazizeit teilweise enteignet und militärisch überbaut wurde und einen 200 Jahre alten Wald beherbergt renaturiert werden. Bei Nichterfüllung des Renaurierungs-Vertrages mit dem Bund, der das Gelände der Gemeinde überließ, fallen rund 200.000 Euro Rückzahlungen pro Halle an die zuständige Bundesanstalt BIMA an.

„Wir sehen im Abriss der Hallen eine letzte Chance, der Insel ohne wesentliche Nachteile eine relativ großes Stück Natur zurückzugeben, das dauerhaft vor Spekulation geschützt wäre.“ sagt Roland Klockenhoff von den Grünen. Es könnte zu einem neuen Naherholungsgebiet für Mensch und Natur gestaltet werden, zum Beispiel als “Wilde Weide”.

Lornsenhain- ältester Wald der Insel aus dem 19 Jahrhundert

Lornsenhain- zweitältester Wald der Insel aus dem Jahre 1821

Gegen diese Pläne macht seit über einem Jahr eine Bürgerinitiative und die Fraktion “Zukunft Sylt” mobil. Die Initiative will die Hallen für den Kastastophenschutz sichern. Hintergrund ist eine hinlänglich geduldete, letztendlich aber über Jahre illegale Nutzung der Hallen durch ehrenamtliche Verbände wie die Feuerwehr und das DRK. Derzeit nutzen ehrenamtlichen Katastrophenschützer die Halle 28 als Materiallager und Fuhrpark für ihre Fahrzeuge. Obwohl die Gemeinde den Rettungskräften den Neubau einer Halle am Flughafen avisiert hat, die mit rund 500.000 Euro veranschlagt wird, will die Initiative an den Wehrmachtshallen festhalten. Für deren Restaurierung veranschlagt die Gemeinde Sylt nach gutachterlicher Stellungnahme 4,9 Millionen Euro. Erschwerend kommt hinzu, daß die Hallen aus relativ unerfindlichen Gründen vor einigen Jahren auf die Liste denkmalgeschützter Gebäude Nordfrieslands gerutscht waren. Dieser Umstand bedeutet, daß Bund, Land und Kreis sich mit verschiedenen Forderungen gegenseitig blockieren. Der Bund und  Land wollen Abriss und Denaturierung, der Kreis hingegen Denkmalschutz. Der ehemalige Beschluss der Gemeinde pro Abriss ist innerhalb der Fraktionen und auch zwischen den Inselgemeinden wohl vor allem aus wahltaktischen Gründen inzwischen erneut zum Zankapfel geworden.

Die Bürgerinitiative setze in diesem Frühjahr durch das Sammeln von ausreichend Stimmen in der Gemeinde einen Bürgerentscheid durch, der am 12. Juni 2016 das Schicksal der Hallen klären soll. Die Bürger der Gemeinde können dann direkt pro oder contra Abriss abstimmen.

Heute kam dann der Paukenschlag aus der Bauaufsichtsbehörde des Kreises Nordfriesland: Mit einer Androhung von 500.000 Euro Bußgeld bei Verzögerung des angeordneten Sofortvollzuges, schickte die Behörde eine Nutzungsuntersagung der Halle 28. Die Halle sei aus Gründen der Baufälligkeit und des mangelnden Brand- und Elektroschutzes eine Gefahr für Leib und Leben und müsse unverzüglich von den Fahrzeugen des DRKs, der Feuerwehr und weiteren Gegenständen geräumt werden.

Es könnte also tatsächlich passieren, daß Sylt nach einem (teuren) Bürgerentscheid, der sich für den Erhalt der Hallen ausspricht zwei baufällige Gebäude besitzt, die mit hohen Kosten im Sinne des Denkmalschutzes von der Gemeinde restauriert werden müssen und dann nicht genutzt werden dürfen. Zusätzlich darf die Gemeinde dann noch rund 400.000 Euro Rückzahlungen an den Bund leisten. Kosten und Posse ohne Ende?
Syltopia, ick hör Dir trapsen!

 

Lothar Koch

 

 

Zukunftswerkstatt für Keitum

In Keitum läuft heute und morgen die Zukunftswerkstatt mit den Fragen:IMG_7066
Was fehlt in Keitum und was soll auf jedenfall bleiben?
Hier meine Antworten:
Es fehlen:
- kunsthandwerklich gestaltete Strassenschilder
Die Strassenschilder könnten das Ambiente des Kapitäns- und Kunsthandwerkerdorfes mehr zur Geltung bringen, wenn sie einzigartig originell gestaltet wären, statt diese blauen 08/15 Dinger von heute.
- Immer mehr fehlt der schöne Dorfcharakter
Alles was den Dorfcharakter optisch entwertet und eher in Richtung Urbanisierung deutet, sollte wieder verschwinden.
Zum Beispiel die überproportionierten Strassenverkehrsschilder rund um das Dorf, die wie Autobahnausfahrten wirken. Aber auch der Stil mancher Werbeschilder im Ort. Schön wäre es auch, da wo möglich, Asphalt zurückzubauen. Mehr hin zu Kopfsteinpflaster und ähnlichen “dorfgerechten” Wegen. Orte auf der dänischen Insel Fanö können ein gutes Beispiel für Keitum sein.
- Ein gutes Fußgänger und Radwegekonzept:
Je attraktiver Keitum für Fussgänger und Fahrräder wird, um so besser. Kleine, lebendige Fussgängerzonen, gute Radabstellmöglichkeiten und -wege. Eventuell auch ein kleiner Keitum-E-Bus, der nur im Dorf verkehrt und kostenlos herumfährt, um die die Leute vom Park and Ride-platz am Dorfeingang abzuholen.
Ein Expertengutachten zum Thema E-Mobilität könnte aus Landesfördermitteln finanziert werde.
- Reaktivierung des Schöpfwerkes am Nössedeich
Das ehemals von der Schutzstation genutzte Schöpfwerk sollte in diesem Sinn wieder genutzt werden. Eine Sanierung des Gebäudes wäre Voraussetzung. Durch Biotopmaßnahmen in den Wiesen auf der Binnendeichseite könnte der Standort für Naturbegeisterte noch aufgewertet. werden. Dann in das Türmchen oben einen tollen Vogel- und Sternenhimmelkiek mit Aussichtsmöglichkeiten in alle Richtungen bauen (am Bestenl als “Glaskuppel”).
- Aufwertung aller Hünengräber im Gemeindegebiet, besonders am Tipkenhoog
Die Hünengräber im Gemeindegebiet wirken trotz des Lehrpfades der Sölring Foriining überwiegend noch recht lieblos behandelt. Jeder einzelne Standort sollte bedacht werden: Wie kann man die historische Bedeutung und die Mystik, die von diesen Orten ausgeht besser herausarbeiten und präsentieren?
- Mehr Kunsthandwerksbetriebe mit “offener” Werkstatt.
Was soll bleiben:
-Natürliche Wattlandschaft, Reetdachhäuser, alte Kapitänshaüser. Kunsthandwerker, schöne Türen, Tante Emma Läden

Sylter Grüne weiter für Renaturierung auf Flughafen

Sylter Grüne befürworten weiterhin den Beschluss zum Hallenabriss auf dem Fliegerhorstgelände

Trotz des erfolgreich angelaufenen Bürgerbegehrens bleiben Die Grünen Sylt bei Ihrem vor Jahren getroffen „JA zum Abriß der alten Flugzeughallen“ auf dem ehemaligen Fliegerhorstgelände.    „Wir freuen uns über mehr Bürgerbeteiligung in der Inselpolitik“, sagt Maria Anderen, „allerdings sollten alle Argumente wohl gehört und überlegt sein.“

Nach Abwägung der Vor-und Nachteile hinsichtlich der Instandsetzungskosten der Hallen 25 und 28 und der zu erwartenden Betriebskosten halten es die Grünen  für unverantwortlich, die alten Flugzeughallen zu erhalten.

Wie im Informationsteil der Webseite des Bürgerbegehrens selbst vorgerechnet wird, belaufen sich die amtlich errechneten (geschätzten) Renovierungskosten und die Beträge, die an die BIMA zurückzuzahlen wären, auf 6,58 Millionen Euro. Die Hoffnung, diesen Betrag durch ehrenamtliche Arbeit deutlich zu senken, wird dort zwar geäussert, jedoch nicht mit Zahlen belegt. Ein solches Vorhaben wäre bei den denkmalgeschützten Gebäuden ohnehin nicht zulässig.

Zudem wird nicht erwähnt, daß  voraussichtlich unbefristete Folgekosten auf die Gemeinde zukommen, da die formal unter Denkmalschutz gestellten Hallen auf dem Marinefliegerhorst später dauerhaft erhalten werden müssten. Allerdings dürften sinnvolle Veränderungen an den Gebäuden, wie zum Beispiel ein Ersatz der schweren Flugzeughallentore und anderes mehr, aus Erwägungen des Denkmalschutzes  in Zukunft nicht vorgenommen werden.

„Wir sehen im Abriss der Hallen eine letzte Chance, der Insel ohne wesentliche Nachteile eine relativ großes Stück Natur zurückzugeben, das dauerhaft vor Spekulation geschützt wäre.“ sagt Roland Klockenhoff von den Grünen. „Die bereits von der Gemeinde beschlossene Renaturierung des Fliegerhorstes war und ist ein wichtiges Signal zur Abkehr vom rücksichtslosen Landschaftsverzehr durch Spekulation, wie wir ihn in den vergangenen Jahrzehnten auf Sylt erlebt haben. Dafür haben sich die Grünen maßgeblich erfolgreich eingesetzt.“ so der Naturschützer.

Für die Belange des Katastrophenschutzes sind sinnvollere, dezentrale  Alternativen möglich, die bereits von den Gemeinden und Fachleuten für Katastrophenschutz durchdacht/geprüft wurden:

Für die Menschenrettung z.B. in Hörnum, List und Kampen die Veranstaltungssäle und Hotels, evtl. Erholungsheime und Kurverwaltungen, in Wenningstedt und in der Gemeinde Sylt die Norddörferhalle, diverse Schulen/Sporthallen und Kindererholungsheime. Für Material könnten bei den jeweiligen Ortswehren Container nur für diesen Zweck aufgestellt werden.

„Diese Alternativen werden den Gemeindehaushalt langfristig sicherlich weniger belasten“, so die Grüne Gemeindevertreterin Maria Andresen.

Hörnum Odde: Keine grüne Phantasien aus Kiel

IMG_1686Der Grüne Umweltminister Robert Habeck hat über seinen Abteilungsleiter für Küstenschutz im Ministerium auf einen Hilferuf-Brief der Gemeinde Hörnum zur Odde- Problematik antworten lassen.

KOMMENTAR

Die Signale aus Kiel in Hinblick auf die Hörnum Odde klingen enttäuschend: Trotz Strategie 2100, Odde Thing und mehrerer Gespräche mit Naturschutzverbänden keine klare Willensäusserung im pro Naturschutzgebiet. Liegt das an der reinen Küstenschutzperspektive, die nahezu ausschließlich dargelegt wird? Vom zuständigen Landesamt für Naturschutz ist zur Sache nichts zu hören und die Nationalparkverwaltung ist dem Amtsleiter untergeordnet, die hier den Küstenschutz mit Beton(-denken) vertritt. Fehlt es an Geld oder auch an Phantasie die kostbare Landschaft Sylts zu erhalten? Auf die Frage, was denn schlußendlich passieren soll, wenn die Dünen endgültig aufgerieben sind, heißt es nur kryptisch „Wir haben Pläne in der Schublade, äußern uns aber nicht dazu“. Das bringt Verunsicherung und läßt innere Bilder von Betongürteln und -buhnen südlich des Hörnumer Leuchtturms entstehen. So eine Lösung wäre dann der „Worst Case“ für Hörnum und die Insel Sylt als touristische Marke. Vielleicht wird es aber auch ein häßlich schwarzer Deich, so wie der neue in List? Oder gelingt eine naturnähere Lösung mit einer künstlichen Düne? Nichts Genaues weiss man nicht. Man muss noch forschen. Ein Eingeständnis des LKNs, daß küstenschutztechnische Fehlentscheidungen der Vergangenheit (Tetrapoden für die Ferienhäuser) den Abtrag im NSG (FFH-Gebiet) beschleunigt haben, wird vermieden- das könnte möglicherweise nach europäischem Recht und dem Verursacherprinzip Regressforderungen ans Amt zu Folge haben.

Derweil lösen sich die uralten Heidedünen im Naturschutzgebiet weiter auf und die Immobilienmakler und Häuslebesitzer in der Kersigsiedlung reiben sich die Hände, weil gut geschützt hinter dem Betonwall die Preise wieder steigen. Das Naturschutzgebiet muss sich anpassen, heisst es in dem Schreiben.

LOTHAR KOCH

Syltzeit mit Lothar Koch bei SYLT1 TV

Hier gibt es die Syltzeit mit Lothar Koch zu sehen:

Syltzeit http://www.sylt1.tv/mediathek/syltzeit-mit-lothar-koch/

Themen: Biografie, Syltopia, Gastronomie, Bebauung, Verkehr, Hörnum Odde, Zukunft von Sylt

2 vor 12 für das NSG Hörnum Odde

Vielleicht ist es auch schon “nach 12!”?

Am ersten Tag des Jahres wurden wir auf Sylt mit strahlendem Wetter beschenkt. Ich schnappte mir meine Kamera und nutzte die Gelegenheit für eine kleine Zusammenfassung der Sylter-Südspitz-Problematik:

 

Hier unterschreiben: Petition zur Hörnum Odde

Videobeitrag zur Hörnum Odde aus 2012

 

Mehr Win-Win im Sylter Marketing!

Kürzlich forderten die Sylter Unternehmer in der Presse, daß mindestens 2,5 Millionen Euro ins Sylt Marketing gesteckt werden müssten, um die Insel im Trend zu halten. Dazu kam gestern mein Leserbrief in der Sylter Rundschau:
Leserbrief von Lothar Koch:
Die insulare Marketingstrategie neu auszurichten, ist eine gute Idee. Finanziell nur  in Richtung Gastgeberprofit zu denken reicht m.E. aber nicht aus.
Gelder, die dafür bereitgestellt werden, müssen stets zu einer Win-Win Situation hinsichtlich der einheimischen Bevölkerung führen.
Damit meine ich nicht den direkten monetären Gewinn, der durch Marketing entstehen könnte, sondern die Steigerung der Lebensqualität für Mensch und Natur auf der Insel.
Wichtigste Stellschraube, um dieses Ziel zu erreichen, scheint mir, im Marketing eine deutliche Ausrichtung auf Langzeittouristen (über 14 Tage) und Stammgäste zu legen.
Wird die Verweildauer von zahlenden Gästen deutlich erhöht ist Sylt  weniger auf „Heuschrecken“ (Ultra-Kurzzeitgäste) angewiesen und der Umsatz stimmt trotzdem (rechnen Sie es doch einfach mal selber nach).
Mehr Langzeit-, weniger Kurzzeitgäste bedeutet weniger Autos, weniger Wechsel, weniger Gedränge, weniger Unruhe,weniger Geschwindigkeit, weniger Stress, mehr Sorgfalt, mehr Erholung, mehr Verbundenheit zum Gastgeber und zur Insel, mehr Muße.
Was ist nötig um Langzeitgäste zu bekommen? Massiven Marketing-Schwerpunkt in Hinblick auf diese Zielgruppe legen, statt alle Zielgruppen zu bedienen, Verzicht auf das Anlocken von Kurzzeitgästen.
Lobbyarbeit bei Krankenkassen, Arbeitgeberverbänden (wieder mehr Wertschätzung für Langzeiturlaub  erzeugen, im Interesse der Betriebe/Gesundheit der Mitarbeiter ). Mehr Authentizität, Nachhaltigkeit und Freundlichkeit auf Seiten des insularen Angebotes und der Gastgeber, heißt: Mehr echte Vielfalt in der Ausprägung der einzelnen Inselorte (Originäres und Originelles, statt immer mehr Label-, Kettenläden
und „Plasikevents“ ohne Charakter). Jeder Inselort sollte seinen authentischen Schwerpunkt herausarbeiten und präsentieren. Da sind vor allem auch die Unternehmer gefragt,  qualitativ Hochwertiges zu bringen, statt mit Massenevents und Rummelbuden Heuschrecken anzulocken. Jungen Syltern mit frischen Ideen muss die (finanzielle) Möglichkeit gegeben werden auf Sylt auch an guten Standorten
etwas auszuprobieren (Pachtpreise!). Der Inselcharakter und die Schönheit Sylts  sollte stets gewahrt und unterstützt werden. Alles nach dem Motto: Entspannung, Meer-Gesundheit und heilsamer Genuß!
Syltopia lässt grüssen.

40/60- Regelung soll sylter Dorfleben retten

Sylt/Westerland
Mit hartem Zahlenmaterial informierte gestern Bürgermeister Nikolas Häckel Gemeindevertreter und Fraktionsmitglieder von sylter Parteien über die sogenannte 40/60 Regelung beim Sylter Häuserbau.

Die Lokalpolitiker hatten darum gebeten, weil in den vergangenen Wochen über die Presse scharfe Kritik von Unternehmern, vor allem Maklern, an dem sylter Vorhaben geübt wurde, B326F303-9F2F-4ED6-9833-F6E3677AD448in die Planung von Grund-und Hausbesitzern eingreifen zu wollen. Von „schleichender Enteignung“ war die Rede.

Gemeint ist die Planung der sylter Gemeinden (außer Hörnum), in Zukunft den Bau von Zweitwohnungen und Ferienappartements einzuschränken. Es soll dann in vielen Bebauungsgebieten nur noch möglich sein zu bauen, oder umzubauen, wenn ein bestimmter festzusetzender, prozentualer Anteil des Wohngebäudes als Dauerwohnraum genutzt wird.

Die Maßnahme soll die Verödung ganzer Orte bremsen, die bereits weit fortgeschritten ist. Diese Entwicklung ist nicht nur in touristischer Hinsicht bedrohlich, da Gäste im Urlaubsziel gern Dorfleben und Kontakte zu Einheimischen geniessen, sondern auch lähmend für die Funktionsfähigkeit von Feuerwehren, Unternehmen uvam.

Als Beispiele nannte Häckel das Verhältnis von Hauptwohnsitz zu Nebenwohnsitz-Zahlen in verschiedenen Orten(Haupt/Nebenwohnsitz):
List 1.538/961, Kampen 521/905, Wenningstedt 1.463/1.368, Westerland 9.037/1.706, Rantum 486/266, Munkmarsch 100/136, Keitum 886/557, Archsum 232/237, Morsum 1.150/45.

Der Bürgermeister führte aus, daß im Jahr 2011 auf Sylt 40% Dauerwohnungen 23% Zweit- und 36% Ferienappartements gegenüberstanden. Seit 1987 habe sich der Dauerwohnraum auf der Insel faktisch halbiert. Das läge vor allem an den Preissteigerungen für Grundstücke und Häuser. Die Erlöse seien für bebaute Grundstücke um 88% und für unbebaute um 230% gestiegen.

Einheimische können sich daher oft kein Eigenheim mehr leisten und ziehen deshalb ans Festland. Erben können sich angesichts der hohen Werte ihrer Elternhäuser nicht gegenseitig auszahlen, verkaufen ihr Erbe und ziehen dann von der Insel.

Die Gemeinden der Insel haben deshalb bereits Anfang des Jahres beschlossen, den Ausbau von Zweitwohnsitzen zu bremsen, da diese nichts Wesentliches zum insularen Leben beitragen. Von den politischen Gremien wurde der Gemeindeverwaltung ein Handlungsleitfaden übergeben, der die Umsetzung der 40/60 Regelung vorsieht. Um dies zu gewährleisten müssen jedoch zunächst die bestehenden Bebauungspläne analysiert und bewertet werden. Etwa 60 Pläne sind in Arbeit, die von sechs Mitarbeiten des Bauamtes bearbeitet werden. Die gesetzliche Vorgabe besagt, daß nur Zielvorgaben gemacht werden dürfen, die innerhalb von zehn Jahren auch umgesetzt werden können. Beispielsweise wäre die Einführung einer Regelung für 40% Wohnraum in einem derzeit reinen Gewerbegebiet innerhalb von 10 Jahren sehr unwahrscheinlich, in einem reinen Wohngebiet jedoch sehr wahrscheinlich. So kann also durchaus auch eine 20:80, oder 50:50 Regelung stattfinden, je nach Planungsgebiet. Bei ihrem Vorgehen will die Gemeinde nicht in Altbestand, sondern nur in Neuplanungen eingreifen. Nur wer also in Zukunft neu baut, oder drastisch umbaut kann von der Regelung betroffen sein.

„Das ist im Grunde nichts Neues“, so Bürgermeister Häckel. In andern Fremdenverkehrsorten, wie z.B. der Insel Föhr, ist das schon lange Gang und Gäbe. Auch in Keitum wurde das schon seit langem so praktiziert und klaglos hingenommen. Umso erstaunlicher, daß nun die Entrüstung in Teilen der Öffentlichkeit so groß ist. „Wir dürfen uns nicht von Polemik und Halbwahrheiten durchs Dorf treiben lassen“, meint Bürgermeister Häckel. Mit Enteignung habe das rein gar nichts zu tun. Die Gemeinden sind schon immer verpflichtet, Festsetzungen sorgfältig abzuwägen. Alles muß angemessen und verhältnismässig durchgeführt werden. Das öffentliche Interesse muß überwiegen. Das ist bei diesem Thema der Fall. “Es wird sicher eine Phase von Wertverlust geben, aber die würde in Zukunft wegen des Zusammenbruchs von Infrastruktur ohnehin kommen. Wir ziehen das “Tal der Tränen” nur etwas vor und haben damit die Kontrolle in der Hand”. Gestützt wird die Auffassung durch Rechtsprechungen in anderen Bundesländern. Auch Land und Kreis gehen den Weg mit.Wie die schleswig-holsteinische Gerichtsbarkeit diese Regelung bewertet, ist jedoch noch offen.

Zudem baue die Gemeinde ja auch zusätzlich mit 80 Millionen Euro (die nicht mehr Kultur, Natur, Kitas, Sport, uv.a.m. zur Verfügung stehen) selbst 500 Wohnungen für Einheimische. Die Landesförderung für diese Projekte sei auch an das insulare 40/60-Konzept gebunden. Würde das wieder gekippt, würde die Insel sehr viel Fördergelder verlieren, so der Bürgermeister.

 

Lothar Koch

Dr. Pauli scheitert auf Sylt

Mit 10 % Vorsprung hat Nikolas Häckel seiner Mitbewerberin Frau Dr. Pauli das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Sylt weggeschnappt. Erleichterung bei vielen Syltern, die mit dem Sylter Wappenspruch “Klar Kimming”, klares Geradeausdenken und Handeln verbinden. Das liess Frau Dr. Pauli hier und da vermissen.

Dabei sah es vergangene Woche von der Stimmung her noch wesentlich knapper, um nicht zu sagen, recht gut für Frau Pauli aus.

wahlergebnisMeines Erachtens kippte die Wählerstimmung allmählich, als der Eindruck enstand, sie wolle bekannte Persönlichkeiten wie Karsten Kerkamm, CDU, oder Andreas Tietze, Die Grünen, übergebührlich für ihren Wahlkampf instrumentalisieren. Ihre immer wieder zu bemerkenden Seitenhiebe in Leserbriefen, oder Presseberichterstattungen, die den Mitbewerber diffamieren sollten, stiessen dann doch wohl bei vielen Syltern eher negativ auf. Nikolas Häckel wurde jedoch nicht nur wegen seines fairen Wahlkampfes und seiner Qualitäten gewählt, sondern von Vielen sicherlich auch als das “kleinere Übel”, um die Ex-CSU-Frau zu verhindern. Insofern sollte sich Herr Häckel nochmal genau die Seiten des Pauli´schen Wahlkampfes anschauen, die überzeugend und positiv waren: spürbares Engagement, klares Sprechen, medienwirksamer Auftritt und vor allem die Aura einer “Veränderin”, einer Neuen Kraft, die alte Strukturen bereit ist, aufzubrechen und originelle Ideen einbringt. Wenn Herr Häckel als neuer Bürgermeister, alle Sylter mitnehmen will, wie er sagt, wäre es gut von diesen Eigenschaften einige zu kultivieren,- man lernt ja nie aus. Ich beglückwünsche Herrn Häckel zu seinem Wahlsieg!

Lothar Koch

Besinnliche Tage und konkrete Fragen für Bürgermeisterkandidat/Innen

In wenigen Tagen beginnt die besinnliche Weihnachtszeit. In der dann folgenden Sylter Mini-Saison “zwischen den Jahren” werden unsere beiden Bürgermeisterkanditat/innen Frau Dr. Pauli und Herr Häckel sicherlich wahlkampftechnisch nochmal richtig aufdrehen. Denn: am 11.1.2015 soll Stichwahl sein. Dann entscheidet sich endgültig, wer im Mai das begehrte Bürgermeisteramt der Gemeinde Sylt von Amtsinhaberin Petra Reiber übergeben bekommt.

Deshalb hier meine Bitte an beide Kandidat/Innen: Nutzen Sie die besinnlichen Tage zum Nachdenken, um endlich ganz konkret inhaltlich Ihre geplante Kurslinie dem Sylter Wahlvolk kundtun zu können. Bisher waren viele Aussagen eher schwammig, teils ziemlich unrealistisch und die Berichterstattung eher emotional geprägt. Die vergangenen Wahlkampfmonate haben Ihre Visionen und Kenntnisse über Sylt sicherlich weiter reifen lassen, desalb ist es gut jetzt nochmal ganz aktuell und präzise Hauptfakten und Marschroute darzulegen.

Sehen Sie bitte die folgenden Fragen als Anregungen, sich deutlicher zu erklären, um damit allen Wählern mehr Klarheit für die Wahl ihres/ihrer zukünftigen Bürgermeisterin/Bürgermeisters zu geben.

Vielen Dank und Frohes Fest!

Lothar Koch

12 Konkrete Fragen an Sylts Bürgermeisterkanditat/innen

1. Was ist Ihre persönlichen Vision für ein Sylt im Jahr 2020?
2. Was sind Ihre Prioritäten für die kommende Amtszeit im Rahmen Ihrer Möglichkeiten als Verwaltungschef/in?
3.Was genau werden Sie auf welche Weise in der Verwaltung umstrukturieren? Hat ihr Führungsstil ein Leitbild? Was bedeuten für Sie der Begriffe wie Transparenz und Bürgernähe?
4.Wollen Sie die Fusion mit anderen Sylter Gemeinden vorantreiben? Was ist zielführend?
5.Wollen Sie den Flughafen weiter ausbauen, oder tendieren Sie zur Stärkung von ÖPNV und anderen Alternativen zum herkömmlichen Autoverkehr?
6. Sind Sie bereit Naturflächen ausserhalb der Bebauungsgebiete für Wohnungsbau oder Gewerbegebiete zu öffnen?
7.Wie wollen Sie mit den Ressourcen der Insel verfahren. z.B. Süßwasser, Naturlandschaft, sauberer Luft?
8.Werden Sie das Umweltamt stärken oder schwächen?
9.Setzen sie hinsichtlich des Tourismus auf mehr Auslastung durch mehr Gäste? Mehr Hotels? Mehr FEWO, etc., oder auf nachhaltigen, sanften Tourismus?
10. Haben Sie Vorstellungen, wie innerhalb der Gemeinde Initiativen gefördert und Treffpunkte für Bürger attraktiver werden könnten?
11.Was wollen Sie für die Inseljugend und für die alten Mitbürger tun?
12. Wie gehen Sie die Themen Wohnungsnot, Inselflucht, Armut, Asylsuchende, an?