Naturschutz auf Sylt, Folge 3: Kliffe auf Sylt : die Grenzen zum Meer

Das Rote Kliff, Foto: L.Koch

Das Rote Kliff, Foto: L.Koch

In einer Serie stellt die Naturschutzgemeinschaft Sylt und die Söl’ring Foriining das Thema „Natur auf Sylt“ in seiner ganzen Bandbreite in der Sylter Rundschau dar. Erschienene Artikel werden auf natuerlichsylt.net veröffentlicht und archiviert. Es werden Institutionen und Vereine vorgestellt und auch  Menschen, die sich für die Sylter Natur einsetzen.

In der dritten Folge gibt Dr. Ekkehart Klatt von der Sölring Foriining einen Überblick über die Insel-Kliffs.

Die unendliche Natur auf der Insel Sylt wartet mit vielen Schönheiten auf. Immer, wenn man sich einen Überblick verschaffen möchte, lohnt es sich, höher gelegene Orte aufzusuchen. Neben der 52 Meter hohen Uwe Düne in Kampen, oder der ebenfalls per Treppe zu besteigenden 34 Meter hohen Aussichtsdüne nördlich der Ortschaft List sind es die Kliffe an der West- und Ostküste, von denen der Ausblick bis weit in die Nordsee bzw. bis zu den Deichen auf dem dänischen und deutschen Festland reicht.

Das mit Abstand markanteste Kliff ist das vier Kilometer lange Rote Kliff. Da es fast 30 Meter hoch ist und sich vom Norden der Gemeinde Kampen bis nach Westerland erstreckt, war es für die Seefahrer über Jahrhunderte hinweg der wichtigste Orientierungspunkt, wenn sich ein Schiff der Insel vom offenen Meer her näherte. Außer den Nehrungshaken im Norden und Süden von Sylt ist es die einzige Steilküste, die durch das Anbranden von Meer und Wellen entstanden ist und im Gegensatz zu den Dünen auch noch lange nach den Sturmfluten allein durch ihre Höhe eine weithin sichtbare Orientierung bot. Genau wie wir es von der rein willkürlichen Farbgebung rot und grün bei den Positionslampen von Schiffen und Flugzeugen kennen, hat auch bei dem Namen „Rotes Kliff“ das Wort „rot“ nichts mit der wirklichen Farbe dieser Steilkante zu tun, sondern beschreibt bereits seit dem 16. Jahrhundert jedes markante Kliff, das von See aus optisch in Erscheinung tritt. Das Gegenteil wäre außerdem ein „Weißes Kliff“, wie wir es auf Sylt nördlich von Munkmarsch und unterhalb von Braderup auf der Wattseite vorfinden.

Den schönsten Ausblick vom Roten Kliff genießt der Naturfreund auf einem Spaziergang von Wenningstedt nach Kampen –oder natürlich auch umgekehrt- wenn man vom Strand kommend einen der Aufgänge benutzt und sogleich in nördlicher oder südlicher Richtung nur wenige Meter von der Kliffkante entfernt losläuft und den wunderschönen Fernblick über die sich immer unterschiedlich darstellende Nordsee genießt.

Ein dreifarbiges, aus Lehm und Sand bestehendes Kliff, das bereits bei der Anfahrt über den Hindenburgdamm kurz zu sehen ist, gehört möglicherweise zu den weniger bekannten Kliffen der Insel. Die Erd- und Frühgeschichtler haben es zu dem mit Abstand berühmtesten Kliff erklärt. Schmuckfunde aus der Wikingerzeit, gleich daneben das größte Gräberfeld aus dieser Epoche, äußerst seltene Fossilien von Muscheln und Schnecken sowie die offen ausgebreitete Erdgeschichte der vergangenen 10 Millionen Jahre sind nur einige der Highlights, die mit der Morsumer Heide und dem Kliff in Zusammenhang stehen.

Wer am Parkplatz Nösse in Morsum loswandert, erreicht kurz hinter dem Hotel „Landhaus Severin´s“ das fast 23 Meter hohe Morsum Kliff. Nach ausgiebigem Rundblick über die wasserbedeckten, jedoch bei Ebbe blauschwarzen und trocken gefallenen Watten, lohnt ein Spaziergang auf dem Kliff Richtung Osten, also Richtung Festland. Nach kurzem Weg steht der Betrachter im Zentrum des Bunten Kliffs: dunkle Tone sowie durch Eisenoxide braun gefärbte Sande sind Zeugen der Erdgeschichte, als der Raum „Sylt“ noch Teil einer frühen Ur-Nordsee war. Der helle Quarzsand, der auf Sylt auch als Kaolinsand bezeichnet wird, stammt im Gegensatz zu den marinen Sedimenten nicht von hier, sondern ist vor vier bis drei Millionen Jahren per Flussfracht aus Südfinnland und dem Baltikum hierhergekommen. Alle drei Formationen sind erst während der letzten Eiszeiten durch den enormen Druck der Gletscher zerbrochen, verfaltet und schräg geschichtet worden, so wie sie heute noch zu sehen sind.

Dass der tiefere Untergrund so spannend aussehen könnte, erahnte vor 10.000 Jahren bestimmt noch niemand. Der Meeresspiegel lag über 100 Meter niedriger als heute und somit war die Nordsee hunderte Kilometer von Sylt entfernt. Erst als am Ende der letzten Eiszeit die Temperatur urplötzlichstark anstieg, setzten ausgiebige Abschmelzprozesse der Gletscher ein und die ansteigende Nordsee näherte  sich Sylt. Dadurch konnte sich auch in Morsum durch das Anbranden des Wassers ein Kliff bilden. Am Morsum Kliff, einem der wenigen noch aktiven Kliffe der Insel, sieht man augenblicklich nur vor dem rotbraunen Sand eine steile Abbruchkante. Damit in Zukunft mal wieder eine durchgehende Kliffkante entstehen kann, bedarf es eines neuerlichen Orkans: entweder wie bei „Xaver“ (Dez. 2013) oder noch besser wie bei „Anatol“ (Dez. 1999), als sich nach 10 Meter Abbrüchen eine bis fünf Meter hohe und gänzlich neue Steilküste ausgebildet hatte.

Einen zusätzlichen Schutz für das Morsum Kliff, so wie es die Sandaufspülungen mit ihrem künstlichen Sand vor dem Roten Kliff in Kampen darstellen, wird von den Gremien der Insel nicht angestrebt. Da in der Nähe des Kliffs Menschen nicht direkt zu Schaden kommen können und zumindest momentan auch keine Sachwerte zu verteidigen sind, soll beim Morsum Kliff die Schönheit dieses von der Akademie der Geowissenschaften zum „Nationalen Geotop“ erklärten Steilufers ganz eindeutig im Vordergrund stehen.

Das Kapitänsdorf Keitum besitzt ebenfalls ein Kliff. An der Grenze zwischen der mit Steinen und Findlingen übersäten alteiszeitlichen Geest und dem Wattenmeer verläuft ein altes, vermutlich seit Jahrhunderten nicht mehr aktives Kliff, das zum Teil von Gras bewachsen ist und deshalb liebevoll das Grüne Kliff genannt wird. An seinem Fuß lag bis 1859 der bedeutendste Hafen von Sylt. Durch seine fortschreitende Verschlickung musste dieser Hafen schließlich aufgegeben werden. Nur das auf dem Kliff thronende weiße Packhaus des Hafenmeisters erinnert heute noch an die Bedeutung dieses Liegeortes für Frachtkähne und Segelboote.

Wenn wir heute feststellen, dass ja auch dies Kliff in längst vergangener Zeit einmal durch das Anbranden des Meeres entstanden sein muss, so kann das nur bedeuten, dass „damals“ entweder das Meer höher auflief, oder das niedriger gelegene Land sich gehoben haben müsste. Von einer rezenten Landhebung weiß man in Fachkreisen nichts. Damit steht fest, dass zu Zeiten der Kliffbildung in Keitum, genau wie bei der Kliffbildung nördlich von Kampen – jeweils auf der Wattseite-  deutlich höhere Wasserstände geherrscht haben müssen, als es heute der Fall ist.

Schnell wächst die Erkenntnis, dass Kliffe nur entstehen können, wenn gleichzeitig das feste Land angeknabbert wird und an Substanz verliert. Andererseits sind Kliffe herrliche Aussichtspunkte auf das neu entstehende Meer, bzw. das Watt. So liegt die Faszination natürlich auch sehr stark in dem Bewusstsein, dass jeder Punkt auf der Kliffkante nur eine Momentaufnahme darstellt, die über kurz oder lang ihren Weg in die Weiten der rauen Nordsee finden wird.

Dr. Ekkehard Klatt;    www.geotourssylt.de

 

Lothar Koch im Nordtour Magazin

Sylter Natur und Erlebnisführer

Am 18.08.2012 | 18:00 Uhr berichtete das Nordtour Magazin des NDR über NatürlichSylt:
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Hintergrundinfos des NDR (gekürzt): Auf Sylt gehören Promis, Polohemd und Porsche zum Straßenbild. Dass die Insel aber viel mehr als das ausmacht, zeigt der Natur-Erlebnisführer von Lothar Koch.

Sylt – die Insel der Reichen und Schönen. Wo Promis flanieren und Polohemd und Porsche zum Straßenbild gehören. Soweit das Klischee. Sylt ist aber viel mehr als das. Lothar Koch will mit seinem neuen Buch weg vom Schicki-Micki-Image der Insel. Er sagt: Wer nach Sylt kommt, um mit dem Auto zwischen List-Vegas und der Sansibar hin und her zu pendeln, hat die Insel nicht richtig kennengelernt. Deshalb hat er einen Reiseführer geschrieben, in denen nicht Wellness, Bars und Restaurants im Vordergrund spielen, sondern die Natur. Die Nordtour begleitet Lothar Koch auf einer Fahrradtour, die er auch in seinem Buch vorschlägt. Von der Braderuper Heide im Osten der Insel geht es an die Westküste nach Wenningstedt und von da aus in den Norden nach Kampen. Außerdem geht es zu einer kleinen Reise in die Vergangenheit. Wer weiß schon, dass Sylt bereits vor mehreren Tausend Jahren von Menschen bewohnt wurde? Eine Tour zwischen alten Friesenhäusern, geschützter Dünenlandschaft und idyllischer Heide.

Die Stationen:

Braderuper Heide:

Die Braderuper Heide ist ein Naturschutzgebiet auf 180 Hektar Fläche. Die Landschaft ist geprägt durch eine Geest-Heidelandschaft mit malerischem Wattblick. Seit 1979 steht die Braderuper Heide unter Naturschutz. Radfahrer können zwar durch die wenigen Gassen Braderups fahren, die von imposanten Reetdach-Häusern gesäumt sind, die Braderuper Heide selbst kann man allerdings nur zu Fuß erwandern.

Wer mehr über die Umwelt und die Naturschutzgebiete der Insel erfahren möchte, kann in Braderup das nahe gelegene Naturzentrum der Naturschutzgemeinschaft Sylt e. V. besuchen: Naturschutzgemeinschaft Sylt e. V.

M.-T. Buchholz-Stich 10aÖffnungszeiten:

April – Oktober: montags bis samstags von 10.00 bis 18.00 Uhr.

Denghoog:

Das etwa fünfeinhalb Tausend Jahre alte Denghoog ist eines der bedeutendsten Hünengräber Nordeuropas. Es wird auch als Pyramide des Nordens bezeichnet, weil die Menschen der Jungsteinzeit hier tonnenschwere Findlinge aufeinandersetzten. Dabei richteten sie die Graböffnung so aus, dass zur Wintersonnenwende das Licht durch die enge Graböffnung auf den Spiegelstein im Innern der Grabkammer fällt. Der Denghoog befindet sich in Wenningstedt neben der Kirche und kann zwischen April und Oktober besichtigt werden.

Geöffnet ist er samstags, sonntags und an den Feiertagen von 11.00 bis 17.00 Uhr sowie im Winter nach Absprache mit dem Heimatverein Söl’ring Foriining:

Söl’ring Foriining

Kliffkieker:

Wo heute das Restaurant Kliffkieker am Wenningstedter Kliff steht, stand 1919 ursprünglich das Strand-Café. Die Sturmfluten spülten immer mehr von dem Kliff fort, so dass zunächst das Strand- Café und später in den 1980er- Jahren auch der Kliffkieker vom Absturz bedroht waren. Mit Küstenschutzmaßnahmen wie Sandvorspülungen und Bepflanzung des Kliffs hat man mittlerweile den weiteren Abbruch des Kliffs stoppen können. Im Kliffkieker finden sich viele alte Fotos und Zeitungsartikel über die Geschichte des Standorts am Wenningstedter Kliff.

Kliffkieker, Strandstraße 28, Wenningstedt

Tel. (0 46 51) 4 28 31
E-Mail: info@kliffkiekersylt.de

Das Buch:

Der Reiseführer „NATÜRLICH SYLT“ von Lothar Koch kostet 22,90 EuroNatürlich Sylt: Der Natur-Erlebnisführer von Lothar Koch

Geschichte, Ökologie und Schutzgebiete der Insel Tourenvorschläge für Radfahrer und Wanderer
Mit über 120 Fotos und Karten / 248 Seiten / Flexocover Feldhaus Verlag Hamburg
Preis: 22,90 Euro
April 2012
ISBN 978-3-88264-531-6