Natürlich Sylt Magazin Sommer 2017: TOP-Thema Sylter Wale

NasyPünktlich zur Internationalen Tourismusbörse ITB legte die Sylter Marketing Gesellschaft in Berlin vorige Woche das druckfrische Sommerheft 2017 des großformatigen Syltmagazins vor. Hier zum direkten anschauen/downloaden: natuerlich-sylt-sommer-2017

In zwei ganzseitigen, schön gestalteten Artikeln beleuchtet Jutta Vielberg, Redaktionsleiterin des Magazins, Geschichten über die sylter Wale und ihr Schutzgebiet.

Im ersten Beitrag geht es darum, wie das erste europäische Walschutzgebiet entstand und weshalb es ausgerechnet vor Sylt eingerichtet wurde. Der Sylter Biologe Lothar Koch erzählt über die Motivationen und Widerstände, die der Naturschutz zu überwinden hatte, bis Land und Insel bereit waren, die gefährdete Tierart und ihr Biotop flächendeckend in den Nationalpark und damit ins Weltnaturerbe Wattenmeer zu integrieren. Der Weg gelang, daß Sylt von einer Insel der Walfänger zu einer Insel des Walschutzes wurde.

Im zweiten Artikel wird der neue Wal-Pfad der Insel Sylt vorgestellt. Der im Entstehen befindliche Whale-Watching Trail dürfte einmalig in Europa sein. Inzwischen stehen 12 individuell gestaltete interaktive Infoelemente entlang des Sylter Weststrandes. Weitere zehn Einheiten, die über den Schutz von Walen, Robben, Vögeln und Küste erzählen, folgen in 2017.

Exemplare können bei der Sylter Marketing Gesellschaft (sylt.de) SMG bestellt werden oder sind in der alten Post Westerland erhältlich.

Kostenfrei nach Hause
Bestellen Sie Ihr kostenfreies Exemplar der Natürlich Sylt einfach per E-Mail unter info‎@‎sylt.de oder telefonisch unter 04651 / 82020. Die digitale Version finden Sie bald auf sylt.de. Und wenn Sie sich um Einzelbestellung nie wieder kümmern wollen: Das kostenfreie Abo landet immer pünktlich zur Neuerscheinung bei Ihnen im Briefkasten.

Hunde und Drohnen bleiben in Naturschutzgebieten an der Leine

Hunde müssen in Naturschutzgebieten generell angeleint bleiben und

freilaufende Hunde am Strand des NSG Hörnum Odde- bisher nur per Gebietsverordnung, nun  per Gesetz klar verboten.

freilaufende Hunde am Strand des NSG Hörnum Odde- bisher nur per Gebietsverordnung, nun per Gesetz klar verboten.

Drohnenflüge werden in NSGs nicht mehr genehmigt.

In der gestrigen Sitzung des Landschaftszwckverbandes erläuterte Franz Bramrink von der Kreis-Naturschutzbehörde diese und andere Klarstellungen, die eine Novellierung des Landesnatur-schutzgesetzes vom 27.Mai 2016 mit sich gebracht hat*.

“Wir haben kein neues Gesetz”, so Bramrink, “aber vieles ist klarer formuliert und vereinfacht Arbeitsabläufe für Behörden und Antragsteller.”

So gab es beispielsweise für die Anleinpflicht von Hunden zahlreiche “wenn, dann” Formulierungen in unterschiedlichsten Schutzgebietsverordnungen, die nun per Gesetz klargezogen und vereinheitlich wurden. In den vergangenen Jahren wurde die Kreisbehörde von Anträgen zur Genehmigung von Drohnenflügen buchstäblich überschüttet  und musste jeweils zahlreiche Bedingungen abwägen. Nun ist klare Kante: keine Drohnenflüge in Naturschutzgebieten. Das gilt ab sofort.

Wer die Situationen in den Sylter Gebieten kennt wird gespannt sein, wer die neuen Regelungen des Landesnaturschutzgesetzes wohl wie kontrollieren und umsetzen wird. So bedeutet das beispielsweise für das Naturschutzgebiet Hörnum Odde ein “Aus” für freilaufende Hunde am Strand und keine regelmässigen Luftbilder mehr von der Entwicklung der Odde.

Eine weitere Neuerung des Gesetzes ist die Einführung einer bisher nicht gekannten Biotopkategorie: “arten-und strukturreiches Dauergrünland”.

“Davon gibt es auf Sylt mehr, als im restlichen Kreisgebiet”, erläuterte Franz Bramrink. Was das Biotop genau auszeichnet können eigentlich nur Fachleute erkennen. Eine Kartierung für Sylt mit den entsprechenden zu schützenden Flächen (hauptsächlich in Sylt Ost) liegt dem Landschaftszweckverband vor.

Ein weiterer interessanter Punkt der Sitzung war die Frage, ob der Landschaftszweckverband ein Modellprojekt “autonomes Fahren” für Sylt begrüssen solle. Nach einer ausführlichen Diskussion stimmten die Mitglieder bei einer Enthaltung dafür.

Lothar Koch wies für die Sylter Grünen darauf hin, daß der Landschaftszweckverband endlich für ein umfassenderes Modellprojekt zu alternativen Verkehrsmitteln und für ein insulares Verkehrskonzept eintreten müsse, statt immer wieder neu über kleinteilige Initiativen in dieser Richtung zu diskutieren.

“Wir werden sicherlich bald große Probleme mit dem Aufkommen von ungeübten, schnellen E-Bikes auf unseren schmalen Radwegen bekommen”, so Koch. Ein umfassendes Verkehrskonzept, das mit Perspektive auf  2020 alle neuen technischen Entwicklungsmöglichkeiten einmal bewertet und im Zusammenspiel für die Insel zuschneidet, sowie die Nutzung bestehender Strassen überdenkt, wäre bitter nötig, sagte der Autor des Zukunftsromans “Syltopia”.

Eine Unterstützung von autonom fahrenden Bussen oder Bahnen würde für ihn nur dann Sinn machen, wenn das zu einer realen Reduktion des Individualverkehrs führen würde.

Lothar Koch

* eine Broschüre zum novellierten Gesetz ist bei den Behörden erhältlich. Interessant daran ist, daß dort auch das Zusammenwirken mit dem Bundesnaturschutzgesetz gut dargestellt wird.

Bald mehr „Augen“ zum Schutz von Strand und kleinen Walen!

 

Rettungsschwimmer als "Augen für Meeresschutz"

Rettungsschwimmer als “Augen für Meeresschutz”

Strandarbeiter und Rettungsschwimmer können jetzt auch “Augen für sylter Meeresschutz” sein. Naturschutzverbände schulen derzeit Mitarbeiter der Kurbetriebe.

Vieles, was am Weststrand in Sachen Natur- und Meeresschutz gemacht wird ist selbst den Strand-Mitarbeitern der Kurbetriebe nicht ganz klar. Weshalb werden ganz bestimmte Vogelarten registriert und Totfunde abgesammelt und andere nicht? Wann genau sollen Seehundjäger informiert werden? Und was hat es eigentlich genau mit dem Sylter Walschutzgebiet auf sich?

Die Idee, mehr Umwelt-Wissen und Zusammenhänge zwischen Strandpersonal und Naturschutzmitarbeitern zu vernetzen, kam im Arbeitskreis der Sylter  Naturschutzverbände auf und wurde umgehend umgesetzt. “Es fördert doch das Verständnis für unser Anliegen enorm, wenn Rettungsschwimmer, Strandkorbwärter und Kurkartenkontrolleure besser Bescheid wissen, was in ihrem Strandabschnitt an Meeres-und Strandschutzmaßnahmen wichtig sein könnte”, meint Margit Ludwig von der Naturschutzgemeinschaft Sylt.”

“Das macht wirklich Sinn”, so die Nationalpark-Rangerin Anne Schacht, “schließlich sitzen entlang des vierzig Kilometer langen Strandes ja über hundert Mitarbeiter der Kurbetriebe, die durchaus nebenbei ein “Umweltschutz-Auge” auf Strand und Meer haben könnten.”

Dennis Schaper von der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum ergänzt: “Das erste europäische Walschutzgebiet, das sich über die Landes-Nordseegewässer vor Sylt und Amrum erstreckt ist immer noch wenig bekannt. Dabei sieht man gerade in diesen Tagen überall kleine Schweinswale mit ihren frischgeborenen Kälbern auftauchen. An den Stränden liegen verstärkt Seehundsheuler. Es wäre gut mit geschulten Helfern die Sichtungsdaten zu sammeln und Wale und Robben vor menschlichen Störungen aller Art zu schützen.”

„Die Strand-Mitarbeiter der Kurbetriebe könnten über das Schutzgebiet und seine Bewohner in Gesprächen mit interessierten Gästen fachkundig Auskunft geben, wenn Sie mehr darüber wüssten. Deshalb setzen wir gemeinsam mit den Kurbetrieben zwischen Hörnum und List in diesen Tagen eine Veranstaltungsreihe um, die der naturschutzfachlichen Schulung dient. Wir freuen uns sehr, daß wir bald mehr Augen für den Sylter Meeresschutz haben“, meint Walter Körnig, der Beauftragte des NABU in List.

Dabei soll es nicht nur um Meeressäuger gehen, sondern auch um verschiedene Projekte zum Thema Plastikmüll im Meer und die Kontrolle von Strandverschmutzungen. Die Verbände erhoffen sich von interessierten Kurbetriebsmitarbeitern schnelle Weiterleitung von Informationen, wenn besondere Sichtungen oder Funde von naturkundlicher oder umweltschutztechnischer Bedeutung gesichtet werden.

Die Kurbetriebe der Insel haben das Angebot der Naturschutzverbände sofort dankbar angenommen  und ihre Strand-Mitarbeiter für die Teilnahme an einer einstündigen Info- Veranstaltungen der Verbände freigestellt. Die Teilnahme an den Infoverantstaltungen und am Strand-Beobachtungsnetzwerk sind für die Mitarbeiter natürlich freiwillig.

 

Lothar Koch

für die Schutzstation Wattenmeer eV., die Naturschutzgemeinschaft Sylt e.V., den NABU, die sylter Nationalpark-Rangerin

 

21.6.: Mit der Schutzstation für einen Tag zum Meeresforscher werden

Netzwerk der Schutzstation Wattenmeer macht mit beim Ocean Sampling Day
 

Am 21.6.16 nehmen Wissenschaftler auf der ganzen Welt Wasserproben in den Meeren, um eine Momentaufnahme der Mikroorganismen im Wasser zu erhalten. An diesem Ocean Sampling Day (Sampling bedeutet auf Englisch Probennahme) tragen auch interessierte Bürger und Organisationen dazu bei, das Wissen über unsere Ozeane und Meere zu verbessern.

 
Für 60 Stationen an Nord- und Ostsee koordiniert die Schutzstation Wattenmeer die Verteilung der Testsätze und übernimmt die Anleitung der kleinen und großen Forscher.
 
„Die bei Hochwasser entnommenen Proben werden filtriert und an das Max-Planck-Institut in Bremen zur Auswertung geschickt“, erläutert Katharina Weinberg von der Schutzstation Wattenmeer die Vorgehensweise. Neben den Mikroben-Proben werden weitere Umweltdaten wie Wassertemperatur, Salzgehalt und pH-Wert ermittelt. 
 
„Hier kann Jeder für einen Tag zum Meeresforscher werden“, sagt Weinberg. Die eigenen Messungen und die aktive Beschäftigung mit dem Thema bewirke bei den Beteiligten ein ganz anderes Verständnis der biologischen Vorgänge in den Meeren. Bis zu 1.000 Hobbyforscher allein an Nord- und Ostsee liefern mit ihren Proben ein detailliertes Bild der Kleinstlebewesen im Wasser. 
 
Mikroben haben im Meer viele wichtige Aufgaben. Mit Hilfe des Sonnenlichts erzeugen Algen die Hälfte des Sauerstoffs auf unserem Planeten und bilden zusammen mit Bakterien den Anfang der Nahrungsketten in den Ozeanen.
 
„Wir helfen durch die Teilnahme am Ocean Sampling Day mit, ein klein wenig mehr über die Basis des Lebens in Wattenmeer, Nordsee und den Ozeanen auf der ganzen Welt zu erfahren“, sagt Weinberg. 
Weitere Infos: 

 Christoph Goetze, Schutzstation Wattenmeer

Whalewatchertrail Sylt: Wo stehen eigentlich die Infos zum Walschutzgebiet?

die neuen interaktiven Infopulte

die neuen interaktiven Infopulte

 

Wie bereits in diesem Blog berichtet, stehen seit dem 21. März an 12 Strandübergängen und Promenaden neue Informations-Einheiten zum Walschutzgebiet. Sylt NaturReporter veröffentlicht hier erstmals die Standortliste. Besonders für Radler kann eine Tour zu allen Infopunkten ein interessanter und lehrreicher Ein-oder Zwei-Tagesausflug über die ganze Insel werden. Neben den Schweinswal-Infos erfährt der Besucher viel über Seehunde, Kegelrobben, Hochseevögel, Klimaschutz und Küstenschutz.

 

syltbuchTitel

Der beste sylter Natur-Radwanderführer

Der Ausflug läßt sich von Westerland aus in eine Nord-und Südtour teilen. Schauen Sie doch mal in meinen Natur-Radwanderführer “Natürlich Sylt”-dort finden Sie die besten Routen für Radler!

Hier die Liste der Info-Punkte und deren Hauptthemen:

Nordtour- Abschluss im “Erlebniszentrum Naturgewalten” in List/Hafen. Dort erwartet Sie eine tolle Ausstellung mit spannenden Filmen zu allen Meeressäugern und einer Life-Cam, über die Seehunde in Echtzeit bei jedem Wetter ganz nah beobachtet werden können.

  1. Westerland NordseeklinikGesundes Meer, gesundes Leben
    Ein Info-Pult.
  2. Wenningstedt, Seestraße: Meeressäuger im Nationalpark. Robben und Wale
    Ein Info-Pult.
  3. Wenningstedt, Berthin Bleegstr: Aus sylter Walfängern werden Walschützer.
    Ein Info-Pult auf der Aussichtsplattform.
  4. Kampen, Plattform Rotes Kliff: Klimaschutz ist Meeresschutz
    Ein Info-Pult. Nicht am Übergang sondern am Parkplatz der “Sturmhaube”
  5. List WeststrandübergangDas erste Walschutzgebiet Europas
    Ein Info-Pult direkt an der Strandtreppe
  6. List Ellenbogenberg: Freundliche Meeresbewohner Kleine Wale ganz nah.
    Wandern Sie ruhig mal hoch auf die Plattform. Dort wartet ein tolles Panorama auf Sie und eine grössere Info-Stele.

Südtour- Abschluss in der “Arche Wattenmeer” in Hörnum/Ortseingang. Dort erwartet Sie eine tolle Ausstellung der Schutzstation Wattenmeer mit Aquarien und Infos zu allen Meeressäugern.

  1. Westerland, Plattform Himmelsleiter: Meeressäuger und Meeresenten
    Es geht 100 Stufen hoch, aber der Blick lohnt sich. Auch auf das Info-Pult.
  2. Westerland Strandübergang Robbenweg: Whalewatching im Nationalpark
    Eine grössere Info-Stele direkt auf der Dünenkuppe am Meer.
  3. Rantum Hauptstrand: Schutz vor Unterwasserlärm
    Eine grössere Info-Stele direkt auf dem Panoramaplatz beim Restaurant “Strandmuschel”.

  4. Rantum Sansibar: Kinderstube der Kleinwale
    Ein Info-Pult.
  5. Hörnum Plattform Hauptstrand: Sylter Schweinswalforschung führte zum Walschutzgebiet
    Ein Info-Pult.
  6. Hörnum Odde, Ende Odde-Wai: Küstenschutz Im Nationalpark
    Den Oddewai in Richtung Strand gerade durch laufen. Dort kurz vor den Tetrapoden steht ein Info-Pult.

Seltener Leuchthering an Sylter Strand gespült

Leuchthering
Foto: Melanie Weppner
Seit Anfang Januar auffällige Zahl von Nordatlantikarten in der Nordsee 
Wenige Gramm wiegt ein Leuchthering, bis zu 60 Tonnen ein Pottwal. Trotzdem teilten im Februar beide Arten offenbar ein ähnliches Schicksal. Im Strandfunde-Internetportal beachexplorer.org meldete die Biologin Melanie Weppner den Fund dieses bis zu acht Zentimeter großen Fisches, auch Lachshering genannt, am Sylter Weststrand.
„Leuchtheringe leben eigentlich im offenen Atlantik in Tiefen von 150 bis 250 Metern“, erklärt Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer, der das Strandfundeportal betreut. Im Wattenmeer sei diese Art ein seltener Irrgast. Seinen Namen verdankt der Fisch mehreren Reihen von Leuchtorganen an seiner Unterseite. Diese könnten dazu dienen, ihn gegenüber der hellen Wasseroberfläche zu tarnen.
Eine besondere Bedeutung kann der Sylter Fund vor dem Hintergrund der auffälligen Häufung der Strandungen von Pottwalen, Orcas und Streifendelfinen in der südlichen Nordsee im Januar und Februar haben.
„Wenn neben den seltenen Meeressäugern auch kleine Fische des offenen Ozeans im Wattenmeer auftauchen, kann dieses ein Indiz dafür sein, dass sich Anfang Januar eine größere Zahl nordatlantischer Tierarten in die Nordsee ausgebreitet hat“, sagt Biologe Rainer Schulz. Die Kalmare, hinter denen möglicherweise die Pottwale her waren, könnten ihrerseits den Leuchtheringen auf der Spur gewesen sein.
Bei Wanderungen im und am Wattenmeer bittet die Schutzstation Wattenmeer darum, auf jeden Fall weiterhin auf unbekannt erscheinende Funde zu achten und diese möglichst samt Foto bei beachexplorer.org zu melden. „Selbst ein winziger, unscheinbarer Fisch kann für Forschung und Wissenschaft zu einem wichtigen Puzzlestein werden“, sagt Biologe Borcherding. Wer weiß, welche ungewöhnlichen Arten sich seit Anfang des Jahres noch in der Nordsee tummeln.

 

Toter Schwertwal bei Rantum gestrandet

Hier zum TV-Interview mit Lothar Koch auf SyltTV1 (der zweite Teil der Antwort im Interview bezog sich auf die generelle Frage, weshalb soviel Wale (Pottwale-und andere Arten) derzeit in der Nordsee herumschwirren und stranden. Wurde leider geschnitten.

Naturfreunde und Whale Whatcher sollten jetzt nach dem Fund eines relativ frisch toten Schwertwalkalbes auf Sylt die Augen an der ganzen Küste offen halten. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß weitere Orcas in der Nähe sind. Schwertwale ziehen meist in größeren Schulen. Strandungen dieser Walart sind recht selten. Das letzte Mal ist ein solcher Fund auf Sylt von 1964 belegt.

Ich selbst hatte 1994 im Rahmen der internationalen Walzählung SCANS die seltene Begegnung mit 50 Orcas im Skagerrak, nordöstlich von Jütland, also nur wenige 100 km nördlich von hier. Es war eine Mischung aus Weibchen, Männchen und Jungtieren. In nordnorwegischen Gewässern sind sie nicht selten. Vielleicht folgten sie heute wie damals den gleichen Nahrungsschwärmen wie die gestrandeten Pottwale?

Thunfische, Pottwale, Buckelwale, Delphine und Orcas…die Liste exotischer Sichtungen großer Meerestiere in der südlichen Nordsee und der Ostsee in den vergangenen sechs Monaten wird immer länger. Möglicherweise weil es ein “el Niño-Jahr” ist (so nennt man das Auftreten ungewöhnlicher, nicht zyklischer, veränderter Strömungen im ozeano-graphisch-meteorologischen System.) Diese Veränderung von Meeresströmungen geht einher mit starken Temperaturschwankungen und kommt alle paar Jahrzehnte vor. Im Dezember 2015 gab es durch einen Sturm einen kurzfristigen Temperaturanstieg in der Arktis um 30 Grad Celsius auf 3 Grad plus am Nordpol.

Pottwale und andere Räuber jagen Beutetieren nach, die Aufgrund von zeitweiliger Wassererwärmung in Richtung Nordsee driften, zum Beispiel der Tintenfischart Gontatus fabricii. Über die tiefe norwegischen Rinne, die fast bis Dänemark reicht, gelangen sie so in die flache Nordsee und geraten auf Abwege. Mehr Hintergrund zu dieser Theorie hier und hier.

 

LOTHAR KOCH

Erschöpfte Gäste aus dem Hohen Norden

Papageitaucher

Papageitaucher

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Tordalk

Zu dieser Jahreszeit bringen Stürme bei uns seltene Arten an den Strand. Gestern fand ich einen Tordalk und einen Papageitaucher  Vögel die in Skandinavien und Schottland auf Felsen brüten. Leider sind die Tiere oft zu Tode erschöpft, oder kommen bereits leblos an.

Aasfresser, wie Möwen, Krähen und Füchse verwerten bei der Kälte jedes Gramm der Torfunde, wie bei der abgebildeten Trauerente.

Strandläufer können ihre Funde jetzt optimal mit der www.Beachexplorer.org App der Schutzstation Wattenmeer melden und für sich selbst eine Sammeldatenbank erstellen.

skelettierte Trauerente

skelettierte Trauerente

Robbenschutz im Naturschutzgebiet Hörnum Odde

In letzter Zeit sieht man häufiger junge Robben am Strand des Naturschutzgebietes Hörnum Odde rasten. Grund sind einerseits die wachsenden Robbenbestände, andererseits die ideale Form der Südspitze. Robben rasten bevorzugt an steilen Stränden, wo sie sich schnell ins Wasser begeben können. Im Video wird eine Bestimmungshilfe zur Unterscheidung erklärt.

 

Gesunde Robben nutzen den West-und Oststrand des Naturschutzgebietes vermutlich überwiegend Nachts wenn kein Spaziergängerverkehr herrscht. Tagsüber rastende Tiere sind eher erschöpft oder verletzt, suchen trotz der Störungen Zuflucht und sind deswegen nicht fluchtbereit- oder fähig. In dem Fall richtet die Schutzstation eine flexible, kurzfristige Ruhezone ein, um dem rastenden Tier etwas Freiraum und Ruhe zu geben. Bitte bei Sichtungen die Schutzstation anrufen: Tel:04651/881093.

 

LOTHAR KOCH

 

Für mehr NATURSCHUTZ AM ENDE? der Insel Sylt !

Es muß ein Aktionsplan “Odde” her
Gastbeitrag von Lothar Koch in der Sylter Rundschau vom 9.1.2016
Foto: Ralf Meyer, 2015

Foto: Ralf Meyer, 2015. Der 2014 erbaute Wellenbrecher(rects im Bild) macht Naturschützern Sorgen

Ist der Naturschutz am Südende Sylts mit seinem Latein am Ende?
Ein Aktionsplan für das Naturschutzgebiet Hörnum Odde muss her. Sonst droht bald ein Totalverlust der Dünenlandschaft. Viel Zeit zum Handeln bleibt nicht mehr. Eine Win-Win Situation für Sylt und das Welterbe wäre machbar, ganz im Sinne der „Strategie Wattenmeer 2100“ wie sie im Juni 2015 vom Landtag beschlossen wurde. Dazu müssten Gemeinde Hörnum, Landschaftszweck-verband, Touristiker, Küstenschützer und Naturschützer  an einem Strang ziehen, um Ämter und Politik zu raschem Handeln zu bringen.
44 Jahre nach der Unterschutzstellung ist die 157 Hektar Fläche des Naturschutzgebietes an der Südspitze um über 80  Prozent geschrumpft. Wir reden über den Verlust von uralten Heidedünen, die über Jahrhunderte brauchten, um den in Deutschland seltenen tannengrünen Überzug von Krähenbeeren, Silbergräsern und Flechtensteppen zu produzieren.
Die Erosion ist nur teilweise auf den natürlichen Küstenabtrag zurückzuführen. Einen erheblichen Anteil an den Verlusten haben die 1968 eingeführten  betonharten Küstenschutzmaßnahmen für die Kersigsiedlung.
Sicher, der Schutz der Ortslage hat Vorrang, aber muss das auf Kosten des Naturschutzgebietes geschehen?
Abbrüche an der Odde seit Gründung des Naturschutzgebietes in 1972

Graphik: LKN. Abbrüche an der Odde seit Gründung des Naturschutzgebietes in 1972

Ab 2005 begann der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) mit dem Tetrapodenbauwerk zu experimentieren und baute einzelne Bauteile um. Offenbar war dessen Schutzwirkung keine Erfolgsgeschichte. Ganz verabschieden will man sich von den Betonblöcken aber bis heute nicht, wohl weil schon zu viel Geld in diese zweifelhafte Technologie geflossen ist. Statt ganz auf dynamischen Küstenschutz mit Sandvorspülungen umzusatteln, wurde ein neuer Wellenbrecher geplant. Ziel: Besserer Schutz der Kersigsiedlung. Das sollte auch gelingen, aber auf Kosten des Naturschutzgebietes.

Seitdem das Bauwerk steht (2014) sind weitere 25 000 qm Dünen unterge-gangen.  In wenigen Jahren wird das Gebiet vermutlich bis kurz vor den Leuchtturm aufgerieben sein und von einem Betondeckwerk ersetzt werden. Schon jetzt ist klar: der Imageverlust Sylts könnte größer sein, als die eingesparten Landesmittel bei  einseitigem Küstenschutz. Der ökonomische Schaden für Hörnum und ganz Sylt wird folgen.
Was eine natur- und menschenfreundliche Lösung des Problems sein könnte, müssen Ingenieure vorschlagen. Bisher haben die ihr Augenmerk aber nur auf den Siedlungsschutz gerichtet, weil das Land ihnen wegen Sparmaßnahmen auch keinen anderen Auftrag erteilt hat. Um die Erosionsgeschwindigkeit am NSG zu drosseln müsste wohl ein Sandzufluss von Norden her in Richtung Odde wiederhergestellt werden. Könnte das durch Veränderungen in der Form des Wellenbrechers und mit Sandvorspülungen geschehen? Oder durch ein sehr großes Verschleiß-Sanddepot, ähnlich dem „Zandmotor“, der sich in Holland bewährt hat und die Tetrapoden ganz ersetzen würde?
Mit viel, viel Sand würde Hörnum einen breiteren Strand bekommen und die Lebensdauer des Naturschutzgebietes verlängert. Im NSG wäre eine Landschaft mit kleinen Wanderdünen und Strand-Biotoptypen die Folge. Das würde Robben und Vögel im Naturschutzgebiet begünstigen. Ungestörte Bereiche an der äussersten Spitze würde sehr schnell von Robben genutzt werden. Eine intelligente Besucherlenkung mit flexiblen Unterständen zum störfreien Beobachten der Wildtiere könnte den Sinn und Erlebnis-Charakter des Naturschutzgebietes stark aufwerten.
Mit diesem Konzept wäre dann auch ein Paket zu schnüren, dessen Finanzierung aus zusätzlichen Naturschutzmitteln gerechtfertigt wäre. Immerhin fallen jährlich Millionen an Ausgleichsgeldern aus den Sandentnahmemaßnahmen vor Sylt an, die bislang zum Ankauf von Naturflächen am Festland verwendet werden. Auch Ausgleichsmittel aus Windparks stehen zur Verfügung. Da sollten doch ein paar Extra-Aufspülungen für das Naturschutzgebiet an der Sylter Südspitze drin sein!
Es stimmt, der „Patient Hörnum Odde“ würde am „Sand-Tropf“ hängen. Die Natur würde weiter für ein gewisses Maß an Erosion sorgen und ständiger Nachschub wäre notwendig. Die Befürchtung, daß der Sand irgendwo im Watt versinkt ist aber kein Argument mehr. Die vom Landtag verabschiedete Strategie Wattenmeer 2100 fordert sogar künstlichen Sedimenteintrag ins Welterbe. Experten haben berechnet, daß die wichtigen Schlickflächen sonst wegen des Meeresspiegelanstieges für immer „absaufen“ und keinen ökologischen Nutzen mehr haben werden.
Fangen wir doch in 2016 mit dieser Strategie zur Rettung des Wattenmeeres am prominenten Südende Sylts an! Das dient allen: Wattenschutz, Artenschutz, Küstenschutz, Tourismus und der Sylter Heimat.
LOTHAR KOCH