Schöne Jahresschicht! Immer wieder a Happy New Year!

IMG_2737Jahres-Übergänge hinterlassen ihre Spuren. Nein, ich meine nicht den „Kater“ oder Hangover nach einer durchgefeierten Silvesternacht. Gemeint sind Spuren der Zeit, die sich als Muster in der Natur niederschlagen. Zum Beispiel Jahresringe in Baumscheiben.

Sylt hat seine ganz eigenen „Jahresringe“ und die kommen gerade an einigen Stellen des Weststrandes mal wieder zum Vorschein. Zum Beispiel am Strand zwischen Westerland und „Oase“. Wie auf den Fotos zu sehen ist, tritt dort am Dünenfuß eine saubere Schichtung zu Tage. Sicherlich haben diese Klei-Schichten Hunderte von Jahren benötigt, um zu entstehen. Sie sind das Ergebnis von feinen Sedimentablagerungen. Dazwischen sind Wurzelreste zu sehen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine prähistorische Salzwiese, die später von Watt zugeschlickt wurde. Dazwischen liegen Kiesel aus der vorletzten Eiszeit.

Die Watt-und Salzwiesenflächen sind vermutlich vor einigen Tausend Jahren entstanden, also lange nach der Eiszeit. Aber vielleicht zu einer Zeit, als Sylt noch keine Insel war und die Küste  mehrere Kilometer weiter westlich lag. Ich stell mir ein morastisches, brackiges und mooriges Grünland vor, zerschnitten von langen Prielen, das damals hinter einem Sand- und Geestwall existierte. Später erodierte die Nordsee diesen Wall und der Sand wanderte als Dünen über diese Bereiche. Heute hat uns die Nordsee den Gefallen getan, und mal etwas tiefer gespült, sodaß wir diese uralten Wiesenspuren anschauen können. Bald werden sie sicherlich wieder unter der nächsten Sandvorspülung verschwunden sein.

Frohes Neues Jahr!

 

Lothar KochIMG_2736

Wintersonnenwende: Thing im Denghoog

Wintersonnenwende im Denghoog 2015

Wintersonnenwende im Denghoog 2015

In Wenningstedt steht eines der größten Hünengräber Norddeutschlands, der 5000 Jahre alte Denghoog. Mit etwas Wetterglück kann man dort am 22.12. jeden Jahres in kleinem Kreis die Wintersonnenwende erleben. Es sind immer ein paar Sylter „Urgesteine“ dabei, die etwas zu erzählen haben. Auch heute machte ich mich wieder auf den Weg, um dieses Erlebnis am magischen Ort nicht zu verpassen. Für mich bedeutet die halbe Stunde immer ein „tieferes Verbinden mit den Wurzeln der Insel“. Diesmal war der Denghoog bereits so voll, daß ich mit der ersten Runde gar nicht hineinkam. Dafür war es dann mit den wenigen Syltern der zweiten Runde umso intimer. Wir nutzten die Zeit für einen kurzen THING. Ein Ratschlaggespräch unter Insulanern. Diesmal hatten wir natürlich das Thema „Rettet die Hörnum Odde“ zu packen. Und siehe da, plötzlich riß die Wolkendecke auf und die Sonne drang reflektiert von den Granitsteinen hell und leuchtend in die „Grabkammer“. Ein erhebender Moment und ein Hoffnungsschimmer für das Naturschutzgebiet!?

In meinem Buch „Syltopia“ die Doku-Fantasy aus dem Jahr 2050 habe ich etwas zu diesem Ort geschrieben. Hier eine kleine Leseprobe dazu: Die beiden Hauptpersonen des Romans, Hanna (Reporterin) und Urdig (Weiser „Medizinmann“ der Insel) treffen sich bei der kleinen Kirche von Wenningstedt und gehen ins Unterirdische….

…Dieser Zirkel öffnete sich neben der Dorfkirche in eine gläserne Unterführung. Urig und Hanna folgten diesem Weg, der leicht abschüssig ins Unterirdische führte. Nach wenigen Schritten betraten sie eine tiefergelegte runde Natursteinhalle. Sie erhielt ihr diffuses Tageslicht durch Linsen in der Decke, die nach einem symmetrischen Muster eingelassen waren. Die Halle hatte gut hundert Meter Durchmesser. Ihr Zentrum wurde von einem Megalithgrab gebildet, das hier bereits seit mehr als fünftausend Jahren stand: dem Denghoog. Die mächtigen Granitsteine bildeten aus dieser Perspektive den Ausstieg nach oben. Besucher konnten über Wendeltreppchen himmelwärts aus dem Kriechgang des Hünengrabes wieder nach draußen an die Oberfläche gelangen.

Zur Wintersonnenwende um 12 Uhr mittags fiel am oberen Spiegelstein die Sonne ein und wurde von dort zerstreut reflektiert. Das tauchte die ganze Halle in ein magisches Licht.
»Dies ist unser Insel-Thing«, sagte Urdig mit unüberhörbarem Stolz in der Stimme.
»Wir haben mehrere Jahre an der Umsetzung gearbeitet. Hier kommen wir Insulaner zu wichtigen Entscheidungen und Festen zusammen. Die Halle fasst an die fünftausend Besucher.«P1060716
Hanna schaute mit weit geöffneten Augen umher. Der Boden des riesigen Doms war mit feinem, weißen Kaolinsand bedeckt und durfte nur barfuß oder in NeoFrott-Füßlingen betreten werden. Der helle, Millionen Jahre alte Sand vom Morsum Kliff verstärkte die Wirkung des Tageslichtes, das aus den Deckenlinsen strahlte, um ein Vielfaches. Die Lichtverhältnisse in der Höhle erinnerten Hanna an die magischen Momente lauer Mittsommernächte, wenn die Sylter Sonne erst gegen Mitternacht unterging und diesen fahlen, angenehm sanften, goldenen Schein warf.

Die Baumeister hatten funkelnde Granitsteine mit viel Glimmer in die Wände eingearbeitet. Sie waren durchzogen mit Bergkristallen, Amethysten und Rapakiwi. Es waren besondere Fundstücke aus dem eiszeitlichen Geschiebe, das die Substanz der Insel bildet. Künstlerische Symbole und Mandalas aus Mies- und Nussmuschelperlmutt dekorierten spezielle Nischen der Höhle. Den Eingang flankierten Werkzeuge frühsteinzeitlicher Nomaden. Deren Siedlungsspuren, die 14 000 Jahre zurückreichten, hatten Sylter auf dem Morsum Kliff gefunden. Jeder, der hier zum Thing eintrat, sollte damit an die tiefreichenden Wurzeln der Inselgeschichte erinnert werden.
Akustisch war die Halle beeindruckend konstruiert. Ganz gleich in welcher Lautstärke gesprochen wurde, konnten sich alle an jedem Punkt gleich gut hören. Außengeräusche drangen fast gar nicht hinein.
»Unser erstes, ganz entscheidendes Thing nach der Revolte fand noch in der Tinnum Burg statt«, sagte Urdig. »Da gab es diesen Ort noch nicht. Was dort besprochen wurde, erzähle ich dir später. “

Auszug aus: Syltopia  von Lothar Koch

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Syltopia- Jetzt Buchbesprechung mit Leseprobe im Sylt Magazin

syltmag

Wer sich an SYLTOPIA, den Kult-Seller des 9783000493089.MAINLesejahres auf der Insel noch nicht rangetraut hat, kann jetzt im neuen SYLT MAGAZIN etwas über das Buch und sogar ein ganzes Kapitel daraus lesen! Es ist eine utopische Syltgeschichte mit viel Bezug zur Gegenwart und mit Tiefgang.
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SELTENE KÜSTENPFLANZE AUF SYLT ENTDECKT

IMG_2491Der Meerkohl ist auf Sylt gelandet

Kürzlich fand ich diese auffällige Pflanze in den Weißdünen, nicht weit von der Strandzone entfernt im Sylter Süden. Es handelt sich um den salztoleranten Meerkohl (Crambe maritima), der auf Wattenmeerinseln sehr selten vorkommt, an der Ostseeküste und anderen Felsküsten jedoch relativ häufig wächst. In alten Zeiten wurde der Meerkohl als wichtiges Gemüse von Küstenbewohnern verspeist.IMG_2492

Ich hoffe die Salzpflanzenart bleibt ständiger sylter Einwohner!

Lothar Koch

Worst Keks Szenario

In Gedenken an Günter Grass
Vor einigen Jahren traf ich auf dem Weg nach Mallorca Günter Grass mit Gattin in einer Cafeteria am Hamburger Airport. Wir kamen ins Gespräch.
Während des Fluges entstand folgendes Gedicht, das ich ihm beim Umsteigen auf Mallorca überreichte:

Worst Keks Szenario
oder: wenn Günter Grass auf den Keks geht
und nicht rankommt.

Hamburg Airport,
so Viertel nach Zehn.
Ich wollt noch nen Kaffee trinken gehn.

Das Brötchen, der Kaffee,
bitte zahlen !
Ich denke, das war´s,
Da treff ich am Tresen
den Herrn Günter Grass!

Er fliegt jetzt ins Blaue,
nach Porugal,
weit weg von Ranicki, SPD und
TV-Programmverfall.

Wir plaudern ganz locker,
ist es so – oder so?
Und was ist eigentlich ein
Worst Case Szenario?

Beim Kaffee liegt ein Keks,
so gut verpackt,
daß selbst des Dichters Frau
ihn nicht knackt.

Der Keks ist verdichtet
und mit Plastik beschichtet.

Da kommt keiner ran,
kein Hacker, kein Säger,
kein hochdekorierter
Nobelpreisträger.

So zeigt sich die Ohnmacht
des Geistes über
die Dinge, hier ganz profan,
an einem Kaffee-Keks,
in Cellophan.

So am 2.11.2008 von Lothar Koch in der Cafeteria im Airport Hamburg erlebt. In 10.000 m Höhe über Deutschland verdichtet und am Flughafen Palma de Mallorca dem Grass überreicht und ihm damit auf den Keks gegangen.