Wer darf Sylt das Wasser reichen?Aussagen von EVS und VEN widersprechen sich.

Wie sicher ist eine ökologisch vertretbare Trinkwasserversorgung auf Sylt  in Zukunft? Naturschützer warnen vor Übernutzung.
Wasserversorger irritieren mit krass gegensätzlichen Verlautbarungen.

Im Sommer 2017 warnte die EVS in einer offiziellen Antwort auf eine Anfrage der Grünen (und weiterer Parteien) an die Gemeinde Sylt noch, dass die Wasserversorgung in fünf Jahren mit den bestehenden Brunnen knapp werden könnte. Erst vor wenigen Monaten bestätigte der Leiter der EVS noch diese Haltung, ja machte sie dringlicher, in einem Referat bei der Naturschutzgemeinschaft Sylt(s. folgenden Artikel).
In den vergangenen Wochen rund um die Kommunalwahl erschienen in der Sylter Rundschau jedoch plötzlich eine Stellungnahme und ein Artikel in denen EVS und VEN (Wasserversorger der Norddörfer) derlei Befürchtungen weit von sich wiesen und die Naturschützer der Panikmache bezichtigten.Der Leiter der VEN sprach gar von traumhaften Bedingungen beim Sylter Trinkwasser. Einer Bitte an die Sylter Rundschau, diese Diskrepanz durch sorgfältige, journalistische Recherche aufzuklären, wurde bislang nicht nachgekommen. Das macht die Angelegenheit für den Bürger eigentlich nur noch bedrohlicher: Inwieweit können wir Aussagen dieser Firmen, die eine unserer wichtigesten Ressource verwalten noch trauen und wer kümmert sich noch engagiert um die objektive Bewertung von Informationen?*

*Nachtrag vom 13.6.:Die Rundschau berichtet nun: SHZ-Artikel zum Thema

Dünenheide im NSG Hörnum Odde

Empfindliche Dünenheide. Flora und Fauna braucht einen hohen Grundwasserspiegel.

Hier der Bericht aus dem Vortrag der EVS bei der  Naturschutzgemeinschaft:

Im Frühjahr lud die Naturschutzgemeinschaft Sylt in Braderup zu einer Vorstandssitzung den Leiter der EVS, Georg Wember und seinen Trinkwasser-Experten Karl Dettmer ein, um etwas über den Stand der Trinkwasserversorgung auf Sylt zu erfahren. Die Nutzung des Süßwasserreservoirs unter der Insel ist nicht nur lebenswichtig für alle Bürger, sondern auch von ökologischer Bedeutung für Tiere und Pflanzen in Heiden und Dünen, da diese von anstehendem Grundwasser direkt abhängig sind.

Warnungen aus der Grundwasserblase
Die beiden Experten erläuterten anhand von Grafiken die aktuelle und zukünftige Versorgungslage der Insel mit Trinkwasser, das aus 16 Brunnen der EVS gefördert wird und einigen weiteren der VEN (Versorger der Norddörfer).

Die Warnungen, die sich aus dem Vortrag ableiten liessen, waren nicht zu überhören: So führte Herr Dettmer aus: “ Die Wasserversorgung auf Sylt ist auf Dauer nicht gewährleistet, da sich jederzeit Probleme ereignen können, die zur Schliessung von Brunnen beitragen könnten“. Dazu gehören Salzwassereinbruch, Schadstoffbelastung, besonders im Hauptbrunnenfeld unter dem Flughafenareal und aktuell, die Verseuchung des Bodens mit Chlorkohlenwasserstoffen aus einer ehemaligen Reinigung in Westerland. Wegen letzterer sind derzeit bereits Brunnen in ihrer Leistung deutlich heruntergefahren, um die Gifte nicht ins Trinkwasser zu ziehen. Im Bereich des Fliegerhorstes ist mit zahlreichen Altlasten aus dem Krieg und Flugbetrieb der vergangenen achtzig Jahre zu rechnen, die besonders mobilisiert werden könnten, wenn nun, wie bereits geschehen und weiter geplant, Flächen entsiegelt werden (Abriss alter Gebäude und Betonflächen). Das alles ist besonders relevant, weil die Experten ausführten, dass derzeit weniger als 20% Brunnenreserve vorhanden ist, um im Notfall auszugleichen.

Immer mehr Menschen verbrauchen Wasser auf Sylt
Die Verbrauchszahlen an Trinkwasser steigen von Jahr zu Jahr mit steigenden Menschenmassen auf der Insel. Die Personenzahl die sich an Spitzentagen auf der Insel aufhält, beläuft sich nach den Berechnungen der EVS auf 207.500 Menschen die maximal 12.700 qm Wasser pro Tag allein im EVS -Versorgungsgebiet verbrauchen. Die reale Zahl läge auf der gesamten Insel vermutlich noch höher, möglicherweise bei 230 000 Menschen, so Dettmer.

Dass die Sylter Wasserversorgung mit den bestehenden Brunnen und „wenn keine weiteren Hotelbauten hinzukommen“(EVS) nur noch für etwa 5 Jahre gewährleistet sei, hatte die EVS im vergangenen Sommer bereits auf eine Anfrage der Grünen im Umweltausschuss bekannt gegeben. In deren Antwort hiess es, dass seit 2013 die Trinkwasserförderung auf der Insel um fast 230 000 m3/Jahr angestiegen sei. Bis 2019 rechne die EVS mit einem Anstieg um knapp 400 000 m3/Jahr auf 2.500 000 qm. Die technischen Möglichkeiten der Wasserentnahme werden von der EVS auf 2,8 Millionen m3/Jahr geschätzt, wenn alle 16 verfügbaren Brunnen voll betriebsbereit sind.
Und, so Wember und Dettmer unisono,: „Es gibt weit und breit, keine „Nachbarn“ die der Insel Trinkwasser in den erforderlichen Mengen liefern könnten, auch nicht am Festland“. Die Folge wäre also die weitere Exploration von Brunnenfeldern, die in der Dünenlandschaft des NSG Nordsylt/Listland vorgenommen werden müssten.

Ökosystem Dünenheide in Gefahr
Laut Dr. Roland Klockenhoff, dem Vorsitzer der Naturschutzgemeinschaft Sylt, könnte sich das jedoch fatal auf zahlreiche geschützte Pflanzen- und Amphibienarten in der Sylter Dünenlandschaft auswirken und letztlich auch für die Sylter EinwohnerInnen. Die Gefährdung der Wasserversorgung mit den existierenden Brunnen sei auch eine Folge des unbegrenzten Baubooms unter einer fragwürdigen Wachstumsphilosophie der Tourismusindustrie, so Klockenhoff. Letztes Beispiel dafür sei die Genehmigung eines weiteren Großverbrauchers in List, der Hotelanlage Lanserhof.

Laut Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer ist Sylt  einer der

Laichgebiet von seltenen Kreuzkröten: Nasses Dünental bei Rantum

Laichgebiet von seltenen Kreuzkröten: Nasses Dünental

wichtigsten natürlichen Lebensräume der Kreuzkröte in Deutschland. Deutschland ist nach EU-Recht verpflichtet, die Kreuzkröte zu erhalten.
„Die Frage ist daher nicht, ob man den Krötenbestand weiter schwächt, indem man Wasser aus den Dünen pumpt. Die Frage muss vielmehr sein, wie man die
Lebensbedingungen der Kröten im Listland verbessert“, so Borcherding.

Wasserentnahmen sind nach Landes-, Bundes- und Europarecht im Listland
heutzutage unzulässig, da auch die Pflanzen und Tiere der feuchten
Dünentäler höchstgradig selten und gefährdet sind. Es ist daher
vorstellbar, dass sogar die EU-Umweltverwaltung an einer Wasserentnahme im
Listland Anstoß nehmen und einschreiten würde. Auch Naturschutzverbände wären bereit, Klage einzureichen.

Auf die Frage eines Vorstandsmitgliedes der NSG an die beiden Herren der EVS, inwieweit sie diese Warnungen denn auch mit Nachdruck öffentlich machen würden, antwortete EVS Leiter Wember, dass das nicht die Aufgabe der EVS sei. Die Aufgabe der EVS sei einzig und allein die stetige Gewährleistung der Trinkwasserversorgung. Um die Interpretation der Zahlen, die die EVS ermittelt und die politische Implementierung von Massnahmen,  müssten sich andere kümmern.

 

Lothar Koch

 

Nationalparkthemenjahr 2018: „Muscheln und Schnecken“ , Folge 4

100.000 Muschelarten gibt es auf der ganzen Welt, nur 15 davon im Nationalpark Wattenmeer. Trotzdem spielen die Weichtiere mit der harten Schale eine zentrale Rolle in diesem Ökosystem. Ihre wöchentliche Filterleistung entspricht dem gesamten Wasservolumen des Wattenmeeres, sie sind also eine große biologische Kläranlage. Anlässlich des Themenjahres „Muscheln und Schnecken“ wird Biologe Rainer Borcherding monatlich über die Welt der Weichtiere im Nationalpark Wattenmeer berichten.

Laichballen der Wellhornschnecke

Laichballen der Wellhornschnecke

Tier des Monats April: Die Wellhornschnecke

Wer im April nach einer hohen Flut am Spülsaum entlang geht, wundert sich vielleicht über apfelgroße gelbliche Klumpen, die vom Meer „ausgespuckt“ worden sind. Jeder Klumpen besteht aus zahlreichen, etwa einen Zentimeter großen Blasen. Deren meist gelblich-weiße Füllung sind winzige Eier. Sie stammen von unserer größten Meeresschnecke, der Wellhornschnecke.

Die Weibchen haben im Winter ihre Eiballen am Meeresgrund an Steine oder Muschelschalen geheftet. Jeder Eiballen besteht aus 100 bis 300 pergamentartigen Blasen, die so locker übereinandergestapelt sind, dass Meerwasser mit Sauerstoff bis zu den innersten Eiern vordringen kann. In jeder Blase befinden sich etwa 300 winzige Eier, die eine mehrmonatige Entwicklung durchlaufen. Die ersten etwa zehn Jungschnecken, die in einer Blase schlüpfen, fressen ihre Geschwister-Eier auf, so dass sie gestärkt in die feindliche Welt hinaustreten können. Wenn sie sich einen Ausgang aus ihrer Pergamentblase nagen, sind die Babyschnecken etwa einen Millimeter groß. Die verlassenen Eiballen sind weißlich und wurden an der Nordsee früher wie Badeschwämme verwendet. Die Jungschnecken fressen Fleisch, sowohl Aas als auch kleinere Beutetiere, und wachsen je nach Ernährung unterschiedlich schnell heran. Nach zwei bis drei Jahren erreichen sie die Geschlechtsreife, das Höchstalter dürften zwischen zehn und 15 Jahren sein. Ihren Namen hat die Wellhornschnecke wegen der wellenförmigen Rippen auf dem Gehäuse, das in der Form an ein kurzes Kuhhorn erinnert.

Wellhornschnecke

Wellhornschnecke

In der südlichen Nordsee gibt es derzeit kaum lebende Exemplare der Art, weil Tributylzinn, ein Gift aus Schiffsanstrichen, über Jahrzehnte das Meer vergiftet hat. Die Zinnverbindung wirkt auf den Hormonhaushalt vieler Meeresschnecken und macht die Weibchen unfruchtbar. Dass doch immer wieder größere Mengen von lebenden Eiballen angespült werden, lässt hoffen, dass die Wellhornschnecke sich von diesem Bestandseinbruch erholen wird.

 

Rainer Borcherding, Schutzstation Wattenmeer

 

Grüne Meerringelwürmer verabreden sich und sterben am Strand

Tanz der „Seeschlangen“ 

Meerringelwürmer treiben in Neumondnächten im April/Mai an die Strände

Meerringelwürmer treiben in Neumondnächten im April/Mai an die Strände
Foto: L.Koch

 Besonderes Naturphänomen im Nationalpark Wattenmeer

Am Sonntag und Montag konnten Strandspaziergänger auf Sylt und Föhr ein ganz besonderes Naturschauspiel beobachten: den Laichtanz des Grünen Meerringelwurms (Bereis virens). Zu Hunderten wurden die zwanzig bis vierzig Zentimeter langen Borstenwürmer entkräftet an den Strand gespült, nachdem sie in der Nacht zuvor ihr Laichgeschäft erledigt hatten.

„Nur in einer einzigen Nacht im Jahr steigen alle männlichen Grünen Meerringelwürmer zur Meeresoberfläche empor“, berichtet Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer. Auslöser ist der erste Voll- oder Neumond nach dem Erreichen von sechs Grad Wassertemperatur. Dann schwimmen sie stundenlang in wilden Kreisen umher und verteilen ihr Sperma im Wasser. Die Geschlechtszellen regnen zu den Weibchen hinab und befruchten dort die abgegebenen Eier. Die meisten Wurm-Männchen sind nach dem Laichtanz so entkräftet, dass sie an den Strand gespült oder von Fischen und Möwen gefressen werden.

Indem die Würmer sich mit Hilfe von Wassertemperatur und Mondlicht alle in einer Nacht „verabreden“ und gleichzeitig erscheinen, erhöhen sie ihre Überlebenschance. „Fische fressen die Würmer zwar mit Begeisterung, aber sie können sich in der ‚Nacht der tanzenden Würmer‘ nur einmal den Magen mit Würmern vollstopfen“, erläutert Borcherding. Seien alle Fische satt, könnten die restlichen Meerringelwürmer unbehelligt ihren Balztanz im freien Wasser vollführen. Das Laichereignis der Meerringelwürmer war in diesem Jahr offenbar besonders deutlich ausgeprägt, wie einige Meldungen von angespülten Würmern im Webportal BeachExplorer.org zeigen.

Neben den Meerringelwürmern wurden auch einige andere Frühlingsphänomene im Wattenmeer von den über 1.700 Nutzern des BeachExplorers dokumentiert: So strandeten vor der ostfriesischen Küste zwei Große Pfeilkalmare, die zum Laichen in die Fjorde Norwegens unterwegs waren und sich in die Nordsee verirrt hatten. Auf Sylt wurde ein toter Seehase angespült. Dieser einheimische „Kugelfisch“ laicht ebenfalls im Frühjahr und erschöpfte Exemplare werden oftmals angespült. Außerdem sind derzeit überall auf den Wattflächen kleine Gallertkugeln zu finden. Es sind die Eigelege von verschiedenen Borstenwürmern, die im Wattboden leben.

Die Meldung von naturkundlichen Phänomenen ist durch Internet und Smartphone-Apps heute sehr einfach und wird als „Citizen Science“ oder Bürgerwissenschaft bezeichnet. Die Schutzstation Wattenmeer bietet mit der kostenlosen App BeachExplorer die Möglichkeit, alle Arten von Strandfunden anhand von Bildern zu erkennen und dann zu melden. Für die Ostsee gibt es entsprechend den BalticExplorer.

 

Meldung von Strandfunden: https://www.beachexplorer.org/

 Rainer Borcherding, Schutzstation Wattenmeer

Whale-Watching vom Biker-Sattel

In dem Magazin „Myilands“, welches Reportagen zu Sylt und Mallorca liefert und der Welt am Sonntag als Beilage zugefügt wurde, erschien kürzlich ein Interview mit Lothar Koch:

WalschutzgebietWhale-Watching vom Biker-Sattel

Es war ein blutiges Handwerk, mit dem Männer von der Insel Sylt gut 200 Jahre lang ihre Famili- en ernährten. Rund jeder Zehnte von ihnen ließ bei der Jagd auf Großwale sein Leben. Nun, mehr als 150 Jahre später, spielen diese Meeressäuger erneut eine wichtige Rolle für Sylt. Aber diesmal werden sie nicht gejagt. Im Gegenteil. Sie stehen unter besonderem Schutz, und dabei wirken sie auch noch als lebende Publikumsmagneten.

Bis heute können Sylt-Gäste im Heimatmuseum Keitum Spuren aus der Walfänger-Zeit besichtigen, die von 1650 bis 1850 dauerte. Es waren harte Zeiten, weil die Landwirtschaft wenig einbrachte und der Heringsfang zusammengebrochen war. Dann aber war die Arbeit der Walfänger so gründlich getan, dass sich die Aus- fahrt in die fernen Jagdreviere nicht mehr lohnte: Die riesigen Meeressäuger waren nahezu ausgerottet.

Kleine Wale gab es schon immer in der Nordsee. Aber vor Sylt tauchten sie nach langer Abwesenheit erst Anfang der 1990iger Jahren wieder vermehrt auf. Besonders das Meer vor den Stränden der Insel Sylt hat dadurch eine neue Anziehungskraft auf naturbewusste Gäste. Seit 1999 ist dieses Meeresgebiet, das sich bis zur 12 Seemeilengrenze und südlich von Amrum er- streckt, offiziell als „Walschutzgebiet des Nationalpark Wattenmeer“ deklariert. Impulse dazu gingen ganz we- sentlich auch von der Schutzstation Wattenmeer auf Sylt aus. Es ist Europas erste Schutzzone speziell für Kleinwale und das größte Schutzgebiet Deutschlands.

Im 1562 qkm grossen Walschutzgebiet vor den Inseln Sylt und Amrum bewegen sich statistisch hochge- rechnet rund 6000 Schweinswale. Im Juni kalben hier Walmütter und ziehen mit ihrem Nachwuchs bis in die strandnahen die Priele von Sylt. Denn dort tummeln genügend nahrhafte Kleinfische, die den Heisshunger der Mutterwale stillen und ihnen nach der Säugezeit Gelegenheit geben, dem Walnachwuchs das Jagen bei- zubringen. Mehrmals täglich kann es geschehen, dass Badende plötzlich Dreiecksflossen auf der Wasser- oberfläche entdecken und im ersten Schreck ausrufen: „Ein Hai, ein Hai!“ Keine Panik! Es sind nur die bis zu1,80 Meter großen, völlig harmlosen Schweinswale. Sie gehören inzwischen zu den besonders beliebten Attraktionen für Gäste aus dem Binnenland, vor allem von Rhein und Ruhr. Ironie des Schicksals: Nach über 200 Jahren helfen Wale den Syltern erneut bei ihrer Existenzsicherung, aber diesmal unblutig und freudvoll!

neue interaktive Infofotafeln am Walschutzgebiet auf Sylt

neue interaktive Infofotafeln am Walschutzgebiet auf Sylt

Einen neuen Höhepunkt des Whale-Watchings nach Sylter Art gibt es in diesem Jahr zu bestaunen. Der im vergangenen Jahr begonnene „Sylter Wal-Pfad“ entlang des 40 Kilometer langen Weststrandes soll komplettiert werden. Die 22 interaktiven und ganz individuell gestalteten Info-Stelen und -Pulte berichten über Leben und Schutz der Schweinswale, informieren über Sylter Robben, Hochseevögel und Küstenschutz und geben zudem weitere Hinweise zum „Weltnatur- erbe Wattenmeer“, das die Insel umgibt. Jede Infotafel hat einen eigenen Themenschwerpunkt und von jeder ist es möglich, einen Kleinwal zu sichten – Whale- Watching vom Biker-Sattel, eine tolle Attraktion für alle Naturfreunde!

LOTHAR KOCH, MEERESBIOLOGE AUF SYLT, BERICHTET IM INTERVIEW ÜBER PERSPEKTIVEN 2018 FÜR WALSCHÜTZER UND FÜR SYLT-GÄSTE

Lothar Koch-der NaturReporterSylt

Lothar Koch-der NaturReporterSylt

Koch leistete seit 1987 als Biologe bei der Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V. Pionierarbeit für die Errichtung des Walschutz- gebietes im Nationalparks Wattenmeer. Heute informiert er als NaturReporter in seinem Blog www.natuerlichsylt.de über alle Umweltthemen, die Sylt und das Meer betreten.

Auch als Buchautor hilft er, Sylter Natur besser wahrzunehmen und Zusammenhänge zu verste- hen. Als Buchautor legt er den ersten Naturerleb- nisführer der Insel vor (Natürlich Sylt, Feldhaus Verlag) und sein aussergewöhnlichen Roman „Syltopia“, die Öko-Utopie, „haltbar bis zum Jahr 2050“ (www.syltopia.de), ist ein insularer Kult- Seller.

Lothar Koch gilt als ein konstanter „Motor“ für die Umsetzung und Verbesserung des Walschutzgebietes. Natürlich ist er auch bei der Konzeption des neuen Wal- Pfades für Radler maßgeblich beteiligt. Im Interview beantwortet Lothar Koch Fragen zum Meeresschutzes rund um Sylt.

MyiLands: Wie steht es 2018 eigentlich um Ihre Projekte?

Lothar Koch: Voraussichtlich wird etwa um Pfingsten der neue Sylter Walpfad fertig. Wir sind in der Endphase, was die Produktion der restlichen zwölf Info-Tafeln und Stelen angeht.

Wer genau ist „Wir“?

Koch: Das ist eine kleine Arbeitsgruppe von Experten aus dem Nationalparkamt, dem Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt und der Schutzstation Wattenmeer in Kooperation mit der Designer rma „Naturerleben“. Die Infopunkte sind allesamt Unikate hinsichtlich der Informationen zum Walschutzgebiet, den Meeressäugern und Hochseevögeln im Gebiet, zudem auch zu den Küstenschutzmaßnahmen vor Sylt. Daher lohnt es sich, den Walpfad mit dem Bike oder e-Bike von List bis Hörnum abzuradeln. Und wir werden den Anreiz dazu noch einmal steigern.

Worum geht es dabei?

Koch: In Kooperation mit der Whale and Dolphin Conservation  (WDC) werden wir einige Wochen nach Ostern zusätzlich einen interaktiven Geo-Coaching-Parcours anlegen und eröffnen, der mit Fragen zu den Waltafeln bestückt wird und letztendlich in die Natur-Informationszentren der Insel führt. Naturfreunde und- Wal-Spezis werden deshalb 2018 hier besonders auf ihre Kosten kommen.

Gibt es eigentlich Unterstützung durch Kommunen und Land für Ihre Bemühungen?

Koch: Das Land hat den Walpfad finanziert. Nun wären die Sylter Kommunen an der Reihe, die Stelen und Infotafeln durch weitere Attraktionen zu ergänzen. Ich denke an Walskulpturen, Audio-Erlebnispunkte, themenbezogene Spielgeräte und Ähnliches. Hinzu wäre weiteres Engagement für den Walschutz wünschenswert. Ich schlage vor, dass die Gemeinden und ihre touristischen Einrichtungen Patenschaften für den bislang ungeschützten 150-Meter-Streifen vom Strand bis zum Beginn des Walschutzgebietes übernehmen. Es geht darum, auch in diesem touristisch und sportlich genutzten Bereich die Erfordernisse des Walschutzes mehr als bisher mitzudenken.

Und was kann der Bund tun, um die Walschutzgebiete abzusichern?

Koch: Der Bund wird dieses Jahr noch die Befahrensregelung für den Nationalpark, damit auch für das Walschutzgebiet, novellieren. Bisher hat allein Deutschland die für die Wale gefährliche Stellnetzfischerei in diesem Bereich eingedämmt, aber das gilt nicht für Dänen und Holländer, die ebenfalls hier fischen. Da ist die EU gefragt nachzubessern.

Es gibt um die Zuschneiden von Nutzungszonen im Walschutzgebiet Sorge bei  Walschützern wegen der zunehmenden Wassersportaktivitäten, zum Beispiel gab es 2017 Reibungsflächen mit dem Verband der Kitesurfer, die sich als gleichberechtigte Nutzer des Seegebietes sehen. Fürchten Sie weitere solche Konflikte mit anderen Wassersportlern?

Koch: Bislang nicht. Aber eine gewisse Gefahr besteht, wenn weitere motorisierte Wassersportgeräte „im Handtaschenformat“ auf den Markt kommen, wie E-Surfbretter oder Schwimmhilfen mit Motorkraft. Wenn die zum Trend würden, wären sie bislang nur schlecht zu reglementieren.

Welche Ausblicke erwarten eigentlich Interessierte auf dem Walpfad in den Monaten bis zum Sommeranfang, was gibt es jetzt schon zu sehen von den Walen vor Sylt?

Koch: Nach weitgehender Abwesenheit im Winter, steigt in den Frühjahrsmonaten die Zahl der Schweinswale, die in die strandnahen Bereich einschwimmen. Bei glattem Wasser und Ostwind sind sie besonders gut auszumachen. Ab Ende Mai schon auch zunehmend ganze Gruppen von Walmüttern mit ihren Kälbern, weil die Tiere ihren Nachwuchs in die wärmeren und Kleinfisch – reichen Prielen führen.

von Peter Lambrecht  Download ganzes Heft: MyIslands-Magazin: ilands_issue0118_final

 

Molly ist zurück!

Schwarzbrauenalbatros zurück im Jordsand-Schutzgebiet auf Sylt

Der Schwarzbrauenalbatros ist zurück an der deutschen Nordsee. Foto: Sebastian Conradt

Der Schwarzbrauenalbatros ist zurück an der deutschen Nordsee. Foto: Sebastian Conradt

Ahrensburg/Sylt – Nachdem der Schwarzbrauenalbatros, der sich in den letzten vier Jahren so gerne in den Schutzgebieten des Vereins Jordsand auf Helgoland und Sylt gezeigt hat, seit dem November 2017 nicht mehr in Europa gesehen wurde, ist er heute unvermittelt wieder am Rantumbecken auf Sylt aufgetaucht und dort von mehreren Beobachtern um 16:33 Uhr gesichtet worden. In den letzten vier Jahren ist der imposante Seevogel aus dem fernen Süden regelmäßig Anfang April an die deutsche Nordseeküste gekommen. Anfangs hielt er sich vorwiegend auf Helgoland auf, inzwischen hat er eine Vorliebe für die Insel Sylt entwickelt, wo er mit seinen auf über zwei Meter ausgebreiteten Schwingen oft dicht am Rantumdamm entlangsegelt. Gelegentlich konnte in den letzten Jahren die Ankunft des Schwarzbrauenalbatros, der im Winter offenbar in Richtung Süden entschwindet, durch Beobachtungen in Spanien und Frankreich angekündigt werden. In diesem Jahr aber gab es bislang kein Lebenszeichen von ihm. Die letzte Sichtung stammt vom 12. November 2017, als er sich bei Capbreton, südlich von Bordeaux, aufhielt. „Der Verein Jordsand freut sich, ‚seinen‘ Ozeanwanderer wieder in heimischen Gewässern begrüßen zu können“, sagt der Vereinsvorsitzende Mathias Vaagt. „Wir hoffen nun auf eine weitere Saison mit dem Schwarzbrauenalbatros in unseren Schutzgebieten auf Sylt und auch auf Helgoland!“

 

PM: Verein Jordsand