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Aktive Bürger von Wenningstedt zögern nicht, den Denghoog zu gefährden

In einer Art vorauseilendem Gehorsam will die Wählergemeinschaft „Aktive Bürger Wenningstedt“ mit einem Eilantrag, dem Bauherren des geplanten Neubaus neben dem Kulturdenkmal Denghoog unverzüglich eine Genehmigung für das Befahren der Strasse „Am Denghoog“ erteilen. So sollen rasch Fakten geschaffen werden, um den Weg für Baufahrzeuge und Schwerlastverkehr frei zu machen, um die Erstellung eines grossen Neubaus mit Keller unmittelbar neben dem 5000 Jahre alten Ganggrab zu ermöglichen.

Wintersonnenwende im Denghoog

Dagegen richtet sich seit Wochen der Zorn des Sylter Heimatvereins Sölring Foriining. Die Hüter des Denkmals befürchten Schäden an dem weit über Sylt hinaus bedeutenden steinzeitlichen Ritualplatz, der eine Touristenattraktion darstellt und den einheimischen Syltern nach wie vor als wichtige Stätte ihrer historischen Wurzeln gilt.

Die Rechtslage scheint kompliziert. Ein Bauantrag wurde bereits genehmigt, ohne dass das Landesamt für Archäologie Bedenken einräumte. Dort heisst es lapidar, man sei mit der Fülle von Kulturdenkmälern in Schleswig Holstein überlastet.

Um die Baustelle noch zu bremsen, sah die Sölring Foriining bislang die Verweigerung des Wegerechtes für Autoverkehr auf der gemeindeeigenen Zuwegung als Möglichkeit. Diese wollen die Aktiven Bürger Wenningstedts nun preisgeben, bevor es der Kreis ohnehin durchsetzen würde.

Welche Interessen bei den aktiven Bürgern dahinter stehen, die wichtigste Touristenattraktion voreilig zu gefährden und sich gegen die Besorgnis der Bürger und des Heimatvereins zu wenden bleibt rätselhaft. Besonders peinlich gleichzeitig eröffnet Wenningstedt ein „Kunstprojekt“, welches mit zahlreichen Plastik/Betonfiguren, die Friesen und Badegäste darstellen sollen, den Ort flutet. Offenbar sind den Wenningstedtern Plastikfriesen wichtiger, als die uralte Kultur ihres 5000 jahre alten Siedlungsplatzes.

Bitte helfen Sie mit, den Denghoog vor Gefährdung zu schützen. Kommen Sie am kommenden Montag, 20. Mai zur Gemeinderatssitzung um 19 Uhr in den Kursaal im „Haus am Kliff“/Wenningstedt und zeigen Sie Flagge für den Erhalt des Denghoogs. Wenn Sie nicht persönlich erscheinen können, bitte die Petition zeichnen:.

Hier geht es zur Petition „Rettet den Denghoog: Bitte unterzeichen!

Naturreporter Sylt

Zwei Demos am Sylter Oster- Wochenende- bitte teilnehmen!

Am Ostersamstag rufen Unbekannte zu einem Fahrradflashmob vor dem Rathaus auf- vermutlich, um an die zügige Verbesserung des insularen Strassenverkehrs für Radfahrer zu erinnern. Um 15 Uhr lädt dann der Heimatverein zur Demo am Denghoog in Wenningstedt ein, um ein Zeichen gegen das rücksichtslose Bebauen der Dörfer zu setzen und die Aufmerksamkeit auf unser Kulturerbe zu legen.

Endlich: Der Heimatverein wird radikaler!

 Die Sylter beginnen umzudenken – Der Heimatverein Sölring Foriining will sich an die Spitze einer Bewegung gegen den bislang weitgehend ungezügelten Bauboom setzen und ruft zu einer   Kundgebung auf:

Über 5000 Jahre halten die Steine unter dem Hügel schon und bilden den Denghoog-eines der größten Ganggräber Deutschlands.
Das alte Haus unmittelbar hinter dem Denghoog soll einem grossen Neubau weichen
Durch diese Zuwegung soll der Schwerlastverkehr zur Baustelle erfolgen.

„UMDENKEN“ zum Schutz der Sylter Kultur- und Naturgüter anstelle ungezügelter Ausweisung von Bauland

Die Demo soll am Sonnabend den 20. April 2019 um 15 Uhr stattfinden. Ob es rein zufällig ist, dass am selben Tag um 13 Uhr Unbekannte zu einer Critical Mass (Fahrradflashmob) vor dem Rathaus Westerland aufrufen, ist der Redaktion nicht bekannt. Möglicherweise lassen sich die beiden Protestaktionen zwanglos verbinden.

In einer Pressemitteilung schreibt der Heimatverein zu seiner Aktion am Denghoog:    „Viele Sylter beginnen jetzt wirklich umzudenken und trauen sich, sich auch öffentlich für den Schutz unserer Insel einzusetzen. Unser Kampf zum Schutz des Steinzeitgrabes Denghoog in Wenningstedt scheint ein lange fehlendes Ventil geöffnet zu haben!“ Maren Jessen, stellvertretende Vorsitzende des Sylter Vereins Sölring Foriining, ist erleichtert: „Wer an der Insel hängt und sie nicht weiter dem kommerziellen Ausverkauf Preis geben möchte, kann sich jetzt positionieren. Für Kar-Sonnabend laden wir alle, deren Herz an Sylt hängt, zu einer gemeinsamen Kundgebung ein, die am Steinzeitgrab Denghoog beginnt und durch Wenningstedt führen wird.“ 

Die Kundgebung unter der Überschrift „Umdenken“ ist in den Kampf um den Schutz des Steinzeitgrabes Denghoog eingebettet. Ein geplantes Bauprojekt in Wenningstedt auf Sylt macht den Heimatverein der 

Insel zum Spielball der staatlichen Institutionen. Das führt zu immer vehementeren Protesten der Insulaner gegen die Politik und zu der Forderung, Sylt nicht weiter dem Kommerz zu opfern. 

Neben dem Steinzeitgrab Denghoog in Wenningstedt, eine monumentale Grabanlage aus der Steinzeit von internationalem archäologischem Wert, ist ein Neubau geplant. 

Aus einem kleinen Nachbarhäuschen soll ein Gebäude mit vier unterkellerten Wohnungen und acht Parkplätzen entstehen. Da die oberirdische Fläche nur 290 Quadratmeter betragen darf, baut der Investor unterirdisch – und damit in gefährlicher Nähe der Tragsteine des Steinzeitgrabes. Würden diese durch die Erschütterung der Baumaßnahme oder dem Abtrag des Erdreiches ins Wanken geraten, könnte der 12 Tonnen schwere Deckstein abstürzen. Und damit das Steinzeitgrab, das jährlich von mehren zahntausenden Besuchern besichtigt wird, unwiederbringlich zerstören. 

Unterirdisch – wie neben dem Denghoog geplant – zu bauen, ist eine für die Insel nicht ungewöhnliche Vorgehensweise, denn die Quadratmeterpreise sind auf Sylt bekanntermaßen so hoch wie nur an wenig anderen Orten Deutschlands. Manche Bauprojekte führen deshalb bis zu 7 Metern in die Tiefe. 

Nicht gesichert ist bislang auch die Zuwegung zu dem geplanten Neubau. 

Auf Wunsch des Investors soll sie über einen schmalen, bislang als Geh-und Radweg eingetragenen Weg erfolgen, der sich im Besitz des Heimatvereins Sölring Foriining befindet. Trotz eines finanziellen Angebotes in sechsstelliger Höhe hat die Sölring Foriining dazu ihre Zustimmung verweigert. Unterstützt wurde sie dabei in ihrer aktuellen Sitzung von den Gemeindevertretern in Wenningstedt, die ihre Zustimmung zum Wegerecht ebenfalls verwehrten. 

Das Archäologische Landesamt des Landes Schleswig-Holstein sowie der zuständige Kreis Nordfriesland schieben hingegen die Zuständigkeiten zwischen Denkmalschutzgesetzgebung und Baugesetzgebung hin und her. Daran hat bislang auch die Zusage der Kultusministerin des Landes Schleswig-Holstein, Karin Prien, nichts ändern können. Sie ließ den Heimatverein schriftlich wissen, dass „alles rechtlich Nötige und Mögliche getan werde, um den Denghoog zu schützen“. 

Pressemitteilung Sölring Foriining

Heimatverein: Große Sorge um den Denghoog in Wenningstedt!

Wenningstedt/ Keitum Keine geringere Sorge als die Unversehrtheit des 5000 Jahre alten Megalithgrabes Denghoog in Wenningstedt lastet auf den Schultern des Vorstandes der Sölring Foriining. Seit 1928 ist der Verein Eigentümer des Grundstückes und sorgt dafür, dass der Denghoog Insulanern und Gäste zugänglich ist.

Nun hat die Sölring Foriining begründete Sorge um das ihr anvertraute Kulturerbe, das es für die folgenden Generationen zu schützen und zu erhalten gilt. Durch ein Maklerbüro wurde im Sommer 2017 ein Wege- und Leitungsrecht für das seit geraumer Zeit zum Verkauf stehende Gebäude des westlich angrenzenden Grundstückes angefragt. Da der Verkauf des Hauses unweigerlich den Abbruch der alten Bausubstanz und einen Neubau mit Unterkellerung zur Folge gehabt hätte, schaltete die Sölring Foriining umgehend das Archäologische Landesamt ein und bat um Unterstützung und Stellungnahme. Das Archäologische Landesamt vertritt den Standpunkt, dass die bereits vorhandene Beeinträchtigung der Raumwirkung des Denkmals durch die bestehende Bebauung nicht durch neue Bebauung verstärkt werden darf und ein Neubau nicht höher als der Bestandsbau sein darf. Ferner ist sicher zu stellen, dass die Denkmalsubstanz in keinerlei Weise durch Bodenerschütterungen beeinträchtigt wird. Gemäß § 13 (6) des Denkmalschutzgesetzes ist durch Sachverständige zu klären, ob durch die geplanten Baumaßnahmen und die damit einhergehenden Erschütterungen Beschädigungen des Denkmals zu erwarten sind. 


Denghoog zur Wintersonnenwende, Foto: L.Koch
Ein Teil des im Jahre 1868 bei einer Grabung in der Kammer des Denghoogs zutage gebrachten Fundes ist im Heimatmuseum in Keitum zu sehen. Das außergewöhnlich gut erhaltene Ganggrab aus der Jungsteinzeit gilt unter Experten als eines der bedeutendsten seiner Art in Nordeuropa und hat zudem einen herausragenden wissenschaftlichen Wert, da es niemals durch Steinraub oder Abgrabungen zerstört wurde. In Irland wurden drei Steinzeitgräber gleichen Alters, Newgrange, Dowth und Knowth, im Jahre 1993 zum Weltkulturerbe erklärt. 

Der nunmehr erfolgte Bauantrag für den Neubau eines Wohnhauses mit vier Ferienwohnungen lässt aus der Sicht des Vorstandes der Sölring Foriining die Befürchtung zu, dass es zu eben diesen Beschädigungen durch Erschütterungen kommen wird. Auch ist davon auszugehen, dass der Grundwasserspiegel wegen der Nähe des Dorfteiches so hoch ist, dass das Einrammen von Spundwänden zur Sicherung der Baugrube erfordlich wird, die direkt an den Fuß des Denghoogs angrenzent.

Das im B-Plan Nr. 7 ausgewiesene Baufenster lässt Schlüsse auf die unmittelbare Nähe zum Denkmal zu. Mit großer Sorge erfüllen nun den Vorstand die mit dem Neubau wochenlang zu erwartenden Erschütterungen durch die Abfuhr des Aushubes mit schweren Fahrzeugen sowie die Arbeit mit Baggern und Vorderladern zur Erschließung des Grundstückes. Dem Eigentümer des westlich neben dem Kulturdenkmal gelegenen Grundstückes wurde 1929 durch die Sölring Foriining das Recht zum Gehen, Reiten und Befahren des angrenzenden Weges im Grundbuch zugestanden. Dieser Weg ist im B-Plan Nr.7 der Gemeinde Wenningstedt ausschließlich als Rad- und Fußweg zweckbestimmt. 

Das erteilte Wegerecht bezog sich auf Fußgänger, Reiter und zu der Zeit üblichen Fahrwerke und ist aus Sicht des Vorstandes keinesfalls auf heute übliche Fahrzeuge zu übertragen. Bei den geplanten Wohnungen ist von mindestens vier Fahrzeugen hoher Gewichtsklassen auszugehen, die in einer langen Saison täglich mehrmals den ausschließlich als Fuß- und Radweg ausgewiesenen und unbefestigten Weg befahren werden. Somit ist zusätzlich die Beschädigung des vereinseigenen Kies-Weges durch die Belastung mit schweren Fahrzeugen zu erwarten.

Das jährlich von vielen tausend Touristen bestaunte archäologische Denkmal darf nicht leichtfertig einer drohenden Beschädigung preisgegeben werden. Was nunmehr 5000 Jahre erhalten blieb, kann durch die modernen schweren Baumaschinen in Bewegung geraten und eine endgültige Schließung als Museum aus Sicherheitsgründen zur Folge haben. Dieser Verlust wäre irreparabel und würde auch für die nächsten Generationen gelten. 

Quelle: PM der Sölring Foriining

Wintersonnenwende: Thing im Denghoog

Wintersonnenwende im Denghoog 2015

Wintersonnenwende im Denghoog 2015

In Wenningstedt steht eines der größten Hünengräber Norddeutschlands, der 5000 Jahre alte Denghoog. Mit etwas Wetterglück kann man dort am 22.12. jeden Jahres in kleinem Kreis die Wintersonnenwende erleben. Es sind immer ein paar Sylter „Urgesteine“ dabei, die etwas zu erzählen haben. Auch heute machte ich mich wieder auf den Weg, um dieses Erlebnis am magischen Ort nicht zu verpassen. Für mich bedeutet die halbe Stunde immer ein „tieferes Verbinden mit den Wurzeln der Insel“. Diesmal war der Denghoog bereits so voll, daß ich mit der ersten Runde gar nicht hineinkam. Dafür war es dann mit den wenigen Syltern der zweiten Runde umso intimer. Wir nutzten die Zeit für einen kurzen THING. Ein Ratschlaggespräch unter Insulanern. Diesmal hatten wir natürlich das Thema „Rettet die Hörnum Odde“ zu packen. Und siehe da, plötzlich riß die Wolkendecke auf und die Sonne drang reflektiert von den Granitsteinen hell und leuchtend in die „Grabkammer“. Ein erhebender Moment und ein Hoffnungsschimmer für das Naturschutzgebiet!?

In meinem Buch „Syltopia“ die Doku-Fantasy aus dem Jahr 2050 habe ich etwas zu diesem Ort geschrieben. Hier eine kleine Leseprobe dazu: Die beiden Hauptpersonen des Romans, Hanna (Reporterin) und Urdig (Weiser „Medizinmann“ der Insel) treffen sich bei der kleinen Kirche von Wenningstedt und gehen ins Unterirdische….

…Dieser Zirkel öffnete sich neben der Dorfkirche in eine gläserne Unterführung. Urig und Hanna folgten diesem Weg, der leicht abschüssig ins Unterirdische führte. Nach wenigen Schritten betraten sie eine tiefergelegte runde Natursteinhalle. Sie erhielt ihr diffuses Tageslicht durch Linsen in der Decke, die nach einem symmetrischen Muster eingelassen waren. Die Halle hatte gut hundert Meter Durchmesser. Ihr Zentrum wurde von einem Megalithgrab gebildet, das hier bereits seit mehr als fünftausend Jahren stand: dem Denghoog. Die mächtigen Granitsteine bildeten aus dieser Perspektive den Ausstieg nach oben. Besucher konnten über Wendeltreppchen himmelwärts aus dem Kriechgang des Hünengrabes wieder nach draußen an die Oberfläche gelangen.

Zur Wintersonnenwende um 12 Uhr mittags fiel am oberen Spiegelstein die Sonne ein und wurde von dort zerstreut reflektiert. Das tauchte die ganze Halle in ein magisches Licht.
»Dies ist unser Insel-Thing«, sagte Urdig mit unüberhörbarem Stolz in der Stimme.
»Wir haben mehrere Jahre an der Umsetzung gearbeitet. Hier kommen wir Insulaner zu wichtigen Entscheidungen und Festen zusammen. Die Halle fasst an die fünftausend Besucher.«P1060716
Hanna schaute mit weit geöffneten Augen umher. Der Boden des riesigen Doms war mit feinem, weißen Kaolinsand bedeckt und durfte nur barfuß oder in NeoFrott-Füßlingen betreten werden. Der helle, Millionen Jahre alte Sand vom Morsum Kliff verstärkte die Wirkung des Tageslichtes, das aus den Deckenlinsen strahlte, um ein Vielfaches. Die Lichtverhältnisse in der Höhle erinnerten Hanna an die magischen Momente lauer Mittsommernächte, wenn die Sylter Sonne erst gegen Mitternacht unterging und diesen fahlen, angenehm sanften, goldenen Schein warf.

Die Baumeister hatten funkelnde Granitsteine mit viel Glimmer in die Wände eingearbeitet. Sie waren durchzogen mit Bergkristallen, Amethysten und Rapakiwi. Es waren besondere Fundstücke aus dem eiszeitlichen Geschiebe, das die Substanz der Insel bildet. Künstlerische Symbole und Mandalas aus Mies- und Nussmuschelperlmutt dekorierten spezielle Nischen der Höhle. Den Eingang flankierten Werkzeuge frühsteinzeitlicher Nomaden. Deren Siedlungsspuren, die 14 000 Jahre zurückreichten, hatten Sylter auf dem Morsum Kliff gefunden. Jeder, der hier zum Thing eintrat, sollte damit an die tiefreichenden Wurzeln der Inselgeschichte erinnert werden.
Akustisch war die Halle beeindruckend konstruiert. Ganz gleich in welcher Lautstärke gesprochen wurde, konnten sich alle an jedem Punkt gleich gut hören. Außengeräusche drangen fast gar nicht hinein.
»Unser erstes, ganz entscheidendes Thing nach der Revolte fand noch in der Tinnum Burg statt«, sagte Urdig. »Da gab es diesen Ort noch nicht. Was dort besprochen wurde, erzähle ich dir später. “

Auszug aus: Syltopia  von Lothar Koch

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