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Jan Philipp Albrecht eröffnet Europawahlkampf auf Sylt

Bevor der Landes-Umwelminister am Montag an einer Bereisung des Landesamtes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresküste (LKN) teilnahm, hatte er am Sonntagnachmittag ganz privat, als Grüner Abgeordneter seinen ersten Termin zum Europawahlkampf mit den Sylter Grünen absolviert.

Der Ringelpullover wird zum Markenzeichen von JPA

Die Grünen nutzten das strahlende Sommerwetter zu einer Europa-Fotosession am Strand. Die Sylter legten dem Minister im Anschluss die Parole „Klimaschutz ist Küstenschutz“ ans Herz. 

Vorstandssprecher Lothar Koch überreichte Jan Philipp Albrecht im Anschluss einen Brief mit Sylter Themen und Anregungen, die das Umwelt-Ressort betreffen.

„Damit meinen wir“, so Lothar Koch von den Sylter Grünen, „dass Küstenschutz nicht bei Sandvorspülungen und Deichbau aufhören darf, sondern ursächlicher gedacht und gesichert werden muß.“


Fridays Demos- Hoffnung für Europa

300-400 Demonstranten versammelten sich vor dem Rathaus in Westerland zur Klimademo

Am vergangenen Freitag fand auch auf Sylt eine Demo zum Thema Klimaschutz statt. Aufgerufen hatte die Kampagne „Fridays for Future“, der sich weltweit hundertausende Menschen, vor allem Schüler anschlossen. Leider wird die Initiative der Kinder und Jugendlichen von vielen immer noch belächelt und kleingeredet. So auch von der Lokalpresse, die in einem Kommentar von 100 Demonstranten schrieb, obwohl 300-400 Jugendliche und Erwachsene waren, die sich in strömendem Regen dem Protestmarsch durch Westerlands Innenstadt anschlossen. Damit war diese Klimademo zahlenmässig die grösste Demonstration seit Jahren (wenn nicht seit Jahrzehnten), die in Westerland stattfand. Statt das junge Pflänzchen des politischen Engagements bei Jugendlichen zu begrüssen und zu fördern, sind manche immer noch der Meinung, Demonstrieren sei ja kein Engagement, sondern nur ein Vorwand, die Schule zu schwänzen. Dabei gilt das Recht auf Demonstration als höchstes Gut in unserer Demokratie- und das sollte besonders für Bevölkerungsgruppen gelten, die nicht zur Wahl gehen dürfen. Wie sollten sie sonst ihre Meinung, ihre Ängste und Sorgen artikulieren. Und: die Lokomotivführer, Fluglotsen, Gewerkschaftler etc. streiken und demonstrieren ja auch nicht in ihrer Freizeit oder am Wochenende- eben weil sie wissen, dass nur so politischer Druck entsteht.

Schliesslich führt die Vorbereitung und Durchführung einer Demo auch zur Auseinandersetzung mit der Thematik und nicht selten zu weiteren Arbeitsgruppen, in denen kreativ am Thema gearbeitet wird. Auch in den Schulen wird durch das Engagement der SchülerInnen viel tiefer über das Thema Klimawandel recherchiert, als zuvor.

Die Demos von Fridays for Future sollten also als ein Zeichen der Hoffnung für Europa verstanden werden in einer Gesellschaft die zunehmend apolitisch geworden ist und das Feld der Diskussion überwiegend rechten Populisten überlässt.

Lothar Koch

Jetzt auch im Wattenmeer: Insulaner klagen für Klimaschutz

Es ist soweit- an der deutschen Nordseeküste wird immer mehr Küstenbewohnern klar, daß der prognostizierte Klimawandel und einhergehende Meeresspiegelanstieg kein Pseudoproblem von übereifrigen Umweltschützern ist, sondern dramatische Auswirkunken auf Eigentum und Familie haben kann.

Silke Backsen von Pellworm (Foto: S.Bartel)

Zu allererst merkten das Leute wie Silke und Jörg Backsen…

Jörg Backsen ist der Sproß einer alten Bauernfamilie auf Pellworm. Eine Familie die dort seit 1703 einen Hof betreibt, der heute komplett auf „Bio“ umgestellt ist.

Wer eine so lange Familiengeschichte hinter sich hat, kann auch weiter in die Zukunft denken. Wer auf Pellworm in die Zukunft denkt, dem kann schon mal Angst und Bange werden. Schliesslich liegt die zu bewirtschaftende Grassnarbe Pellworms deutlich unter dem Meeresspiegel. Nur weil ein ca 8 m hoher Deich die Marscheninsel umschließt, kann dort eine kleinbäuerliche Landwirtschaft und etwas Tourismus existieren. Sollte der mal brechen, steht sofort alles unter Wasser, was nicht hoch genug auf einer Warft gebaut ist.

Backsens Frau Silke ist zwar vor 22 Jahren aus Dortmund zugezogen, hat aber durch ihr Biologiestudium und als ehemalige Ehrenamtliche bei der Schutzstation Wattenmeer in den vielen Jahren Inselleben längst die Kraft des Meeres verinnerlicht und weiss was der „Blanke Hans“ anrichten kann, wenn er entfesselt losschlägt.

Die Backsens haben jetzt zusammen mit zwei anderen Bauernfamilien Deutschlands Klage gegen die Bundesregierung eingereicht. „Wir tun es für unsere Kinder und dafür, daß endlich mehr Menschen aufgrüttelt werden, gegen den Klimawandel aktiv zu werden“, sagt die Mutter von drei Söhnen und einer Tochter.

Bei der Klage geht es um alles, oder besser um nichts. Es geht darum, daß die Bundesregierung nichts tut. „Den jahrelangen Ankündigungen zum Klimaschutz, der Auszeichnung „Klimakanzlerin“ etc. ist viel zu wenig Greifbares und Wirkungsvolles gefolgt, um das 2 Grad Ziel zu erreichen, das in Paris festgelegt wurde“, meinen die Backsens.

Unterstützt werden Sie dabei von kompetenter Seite. Greenpeace übernimmt die Organisation und die Kosten für die Musterklage und eine Hamburger Umweltjuristin zieht mit guten Argumenten vor den Kadi (mehr dazu auf Greenpeace.de). Am 25.10.2018 wurde die Klage eingereicht. Es bleibt spannend, wie sich das Verfahren nun entwickelt. Menschen, die ebenfalls vom Klimawandel bedroht sind-und dazu zählen alle Sylter, die nicht gerade hoch oben auf dem Geestkern siedeln, können die Backsens und Co unterstützen, indem sie sich für einen Antrag auf Beiladung zur Greenpeace-Klimaklage registrieren lassen. Das kostet und verpflichtet zu nichts, hilft aber eine breitere Basis von Betroffenen aufzuzeigen.

Viel Glück!

 

Lothar Koch

Klimawandel wird das Bild unserer Insel verändern

Passend zum letzten Blogartikel „Trockenheit macht Dünenheide zu schaffen“ wurde mir eine wissenschaftliche Arbeit zugesandt, aus der ich hier zitiere. Dr. Metzing, ein Kenner der Küste und Botaniker beim Bundesnaturschutzamt hat sie vor einigen Jahren an der Uni Oldenburg veröffentlicht.

absterbende Krähenbeerenheide in den Sylter Dünen/sommer 2018

absterbende Krähenbeerenheide in den Sylter Dünen/sommer 2018

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Krähenbeerenfrüchte vertrocknen an den Heidestengeln

Dr. Metzing macht darauf aufmerksam, dass die Erderwärmung nicht nur durch den steigenden Meeresspiegel Folgen für die Wattenmeerküste haben wird. Die steigenden Temperaturen werden auch die Vegetation der Inseln sichtbar verändern. Man stelle sich die Dünenlandschaft Sylts vor, ohne das Tannengrün der Krähenbeerenheide (Empetrum nigrum). Genau das könnte flächenhaft aber schon in 30-40 Jahren wahr werden, denn diese Pflanzenart reagiert auf eine Erhöhung der Erderwärmung um 2-2,5 Grad mit Rückzug nach Norden, da sie hier auf den Inseln bereits ihre südliche Verbreitungsgrenze hat. Rückzug heisst nichts anderes, als dass die Bestände absterben werden, so wie es in diesem trockenen Sommer an den Rändern bereits zu beobachten ist, und die Art dort im kommenden Jahr nicht wieder kommt. Ein ähnliches Szenario ist für den Strandroggen (Leymus arenarius) zu erwarten, der ja zum Teil auch eine Bedeutung für den Küsten-und Dünenschutz hat. Auch die Strandplatterbse (Lathyrus japonicus) wird betroffen sein, die als Leguminose Nährstoffe in den Boden abgibt.

vertrocknete Strandplatterbese bei K4-Dünen

vertrocknete Strandplatterbese bei K4-Dünen

Insgesamt überprüfte Metzing 213 Pflanzenarten der Küste auf ihre Sensibilität gegenüber des prognostizierten Klimawandels. Etwa ein Viertel der untersuchten Wattenmeer-Pflanzen-Arten sind anfällig für ein Abwandern wegen der steigenden Durchschnittstemperaturen um 1-2,5 Grad. Laut Metzing wird das die Zusammensetzung und Vielfalt unserer Küstenvegetation deutlich verändern. Einige Arten werden ganz verloren gehen, einige werden aus dem Gebiet nach Norden abwandern und etliche neue Arten von Südwesten her zuwandern. Dazu rechnet Metzing beispielsweise den gelben Hornmohn, den Meerfenchel und die Strandwolfsmilch in sandigen Bereichen der Dünen, oder die graue Glockenheide in den heutigen Arealen der Krähenbeere.

Die Veränderungen der Pflanzengesellschaften werden wiederum Auswirkungen auf die Tierwelt haben. Fallen beispielsweise die Früchte der Krähenbeere weg, werden die Vogelarten, die diese jetzt nutzen, wie zB. Regenbrachvögel und Stare die Dünen weniger aufsuchen. Die Zusammensetzung des Pflanzenkleides dürfte auch einen grossen Einfluss auf die Insektenfauna der Dünen mit sich bringen.

Lothar Koch

Ich habe aus dieser Arbeit zitiert: Global warming changes the terrestrial flora of the Wadden Sea
von Detlev Metzing, Institute of Biology and Environmental Sciences, University of Oldenburg,

 

Verkehrswende auf Sylt von Parteien gefordert: Freie Fahrt für Alle!

Die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, SPD, SSW, SWG und Piraten stellten heute gemeinsam eine Anfrage an die Gemeinden, die Tourismus-Services und den Landschaftszweckverband, um im Vorfeld einer Neuvergabe von Buslizenzen auf Sylt (2019) Klarheit für eine insulare „Verkehrswende“ zu schaffen.

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Derzeit rangieren auf Sylt bis auf wenige Ausnahmen noch ungelenke Dieselbusse.

Seit über fünfundzwanzig Jahren wird die Frage diskutiert, ob man mit einer geringen

Autodämmerung auf Sylt

Autodämmerung auf Sylt

 

Erhöhung der Kurabgabe (ca. 1 Euro) ein freies Busfahren für alle Gäste ermöglichen könnte. Bislang scheiterte das Vorhaben unter anderem an dem kommunalen Abgabegesetz Schleswig Holsteins, das eine Ausgabe der der Kurtax-Einnahmen für ÖPNV nicht vorsah. Das wurde per Gesetz nun Anfang des Jahres geändert.

Deshalb müssen bei der Neuausschreibung des Busverkehrs für die Insel unbedingt die Voraussetzungen für „freies Busfahren auf Kurtaxe“ von möglichen Bewerbern eingefordert werden.“ sagt Lothar Koch von den sylter Grünen. Das bedeutet, Bewerber für die Insel-Lizenz, die ab 2019 vergeben wird, sollten sicherstellen, daß sie die Kapazitäten vorhalten, die eine Umstellung des Busverkehrs auf „Kurtaxe“ möglich machen. Der Sinn dieses Vorhabens ist es, nennenswerte Mengen von Gästen vom Auto in den Bus zu holen. Das bedeutet es müssen mehr Busse oder Kleinbusse eingesetzt werden als bisher.

Der zukünftige ÖPNV der Insel sollte ausserdem nach dem neusten Stand der klimafreundlichen Technik ausgestaltet und in jeder Hinsicht so attraktiv durchgeführt und beworben werden, daß der motorisierte Individualverkehr auf der Insel deutlich abnimmt.

Voraussetzung dafür ist auch die Einführung eines einheitlichen Sylt-Card-Systems, an das alle Insel-Tourismus-Services angeschlossen sind und über das die Kurabgaben und die Vergünstigungen abgewickelt werden können. Diese Vorgehensweise wird auch im Verkehrsgutachten für die Gemeinde aus dem Dezember 2016 vorgeschlagen.

Bislang ist Sylt mit seiner Kurabgabe sehr rückständig und kompliziert aufgestellt: jede Gemeinde hat  ihr eigenes Kurabgabensystem und wer an den Strand will wird wie an einer Grenze kontrolliert. In konkurrierenden Urlaubsdestinationen wie Berchtesgarden, Bodensee, St. Peter Ording und im Harz fahren Urlauber bereits Bus auf Kurkarte.

 

Lothar Koch